Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für . Danach können Sie gratis weiterlesen.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf
  • Jetzt für nur 0,99€ im ersten Monat testen
  • Unbegrenzter Zugang zu allen Berichten und Exklusiv-Artikeln
  • Lesen Sie nahezu werbefrei mit aktiviertem Ad-Blocker
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Antrag an OB März

16 Rosenheimer Stadträte fordern Verlegung von Stolpersteinen auf öffentlichen Grund

Vor dem blauen Haus am Ludwigsplatz 9 soll am 7. März ein Stolperstein für die Familie Kohn verlegt werden, die hier ein Herrenbekleidungsgeschäft betrieben.
+
Vor dem Haus am Ludwigsplatz 9 soll am 7. März ein Stolperstein für die Familie Kohn verlegt werden, die hier ein Herrenbekleidungsgeschäft betrieben.

Schon seit Jahren wird in Rosenheim darüber diskutiert, wie man der Opfer des NS-Terrors gedenken soll. Stolpersteine, wie sie in vielen Kommunen verlegt wurden, fanden bisher im Stadtrat keine Mehrheit. Nun gibt es quer durch die Fraktionen eine neue Initiative.

Rosenheim – Wenn man Dr. Thomas Nowotny beschreiben müsste, dann wäre hartnäckig sicherlich ein Wort, das das ein oder andere Mal fallen würde. Schon seit Jahren kämpft der Kinder- und Jugendarzt von der Initiative „Erinnerungskultur – Stolpersteine für Rosenheim“, für die Verlegung der kleinen Gedenktafeln auf öffentlichem Grund.

In den vergangenen Monaten hat er die die Rosenheimer Fraktionen besucht und das Gespräch mit den einzelnen Stadträten gesucht. Mit Erfolg. Denn nur wenige Wochen später haben 16 Kommunalpolitiker aus sechs Parteien einen gemeinsamen Antrag an Oberbürgermeister März gestellt und gefordert, dass Stolpersteine im öffentlichen Raum verlegt werden können.

Bisher nur auf privatem Grund

Bisher befinden sich die Erinnerungstafeln in Rosenheim lediglich auf privatem Grund. Wie berichtet, haben die Mitglieder der Initiative „Erinnerungskultur – Stolpersteine für Rosenheim – und der Berliner Künstler Gunter Demnig im Juli 2021 sieben Stolpersteine auf privatem Grund verlegt. Weitere sollen folgen – aber eben nicht mehr nur auf Privatflächen. Das macht auch der Antrag deutlich.

Verlegung für den 7. März geplant

So soll am 7. März beispielsweise vor der Städtischen Realschule für Mädchen ein Stolperstein für die ehemalige Mitschülerin Elisabeth Block verlegt werden.

Dafür haben sich auch alle Gremien der Schule ausgesprochen, teilen die Politiker mit. Fünf weitere Stolpersteine sollen am Ludwigsplatz 9 an die Familie Kohn erinnern. „In beiden Fällen ist eine Verlegung auf Privatgrund nicht möglich beziehungsweise nicht zweckmäßig“, heißt es in dem Antrag.

Eine Mehrheit finden

Diese Auffassung teilt auch Thomas Nowotny. Zwar freut er sich über den Antrag, trotzdem bleibt er skeptisch. Denn sowohl CSU als auch AfD hätten sich, so sagt er, gegen das Vorhaben ausgesprochen. „Es kommt jetzt darauf an, eine Mehrheit zu finden“, sagt Nowotny.

Offener Brief an OB März

Und genau dabei soll ein offener Brief helfen, den er vor einigen Tagen an Oberbürgermeister März geschickt hat. Auf zwei Seiten hat er zahlreiche Argumente zusammengefasst, die für eine Verlegung auf öffentlichem Grund sprechen und einen Blick in die Vergangenheit geworfen. So habe die Rosenheimer CSU bereits vor fünf Jahren mitgeteilt, dass sie das Projekt Stolpersteine ablehne.

Der CSU geht es um die Form des Gedenkens. Denn Stolpersteine werden zwangsläufig mit Füßen getreten, verdreckt oder von Tieren besudelt. Aus diesem Grund lehnt beispielsweise auch Charlotte Knobloch, Vorsitzende der Israelitischen Kultusgemeinde, Stolpersteine ab.

Über 90. 000 Stolpersteine weltweit

Von diesen Aussagen beirren lassen will sich Thomas Nowotny nicht. In seinem Brief weist er darauf hin, dass in den vergangenen fünf Jahren einiges geschehen sei. So gebe es weltweit mittlerweile über 90.000 Stolpersteine. „Es gibt eine breite Akzeptanz von Stolpersteinen in der Zivilgesellschaft und Politik“, so Nowotny.

In seinem Brief zitiert er unter anderem Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier, der sich im August 2021 bei allen jenen bedankte, die die Stolperstein-Initiative gegründet und gefördert haben. Denn sie helfe dabei, dass auch die jüngere Generation über die eigene Geschichte stolpere und darüber nachdenke, was an Unrecht geschehen sei und wie man mithelfen könne, dass solches nie wieder geschieht.

Einen schlechten Dienst erweisen

„Gerade in Rosenheim ist es heute bitter nötig, rechtsextremen Umtrieben geschlossen entgegenzutreten“, schreibt Nowotny. Eine lebendige Erinnerungskultur könne viel dazu beitragen. Zwar sei er prinzipiell nicht gegen Gedenktafeln oder Stelen, in diesem speziellen Fall aber würden sich die Familien Block und Kohn einen Stolperstein wünschen.

„Die CSU würde sich selbst und der Stadt Rosenheim einen schlechten Dienst erweisen, würde sie diesen Wunsch der Angehörigen ablehnen, der von allen anderen demokratischen Parteien im Stadtrat unterstützt wird“, so Nowotny weiter.

Wird CSU zustimmen?

Ob die CSU der Aufforderung nachkommt, wird sich in einem der kommenden Ausschüsse zeigen. Zumindest 16 Stadträte haben sich schon jetzt auf die Seite der Initiative gestellt, um ein „klares Zeichen des Respekts für die Opfer des Nationalsozialismus und ebenso gegen Rassismus und Menschenfeindlichkeit“ zu setzen.

Kommentare