Maut: Gesundheitliche Folgen befürchtet

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Auf einem Teilstück der Inntalautobahn soll eine Maut eingeführt werden.
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Landkreis – Der Rosenheimer Landrat ist noch immer erschüttert über die Meldung über die Einführung einer Mautpflicht auf der Inntalautobahn. Andere fürchten gesundheitliche Folgen:

Auf der Inntalautobahn zwischen Kiefersfelden und Kufstein-Süd sollen Pendler, Urlauber und alle anderen, die diese Strecke regelmäßig befahren ab dem 1. Dezember 2013 Maut bezahlen. Das hat die österreichische Autobahngesellschaft Asfinag nun beschlossen.

Wie es zur Abmachung kam:

Diesen Entschluss kann der Rosenheimer Landrat Josef Neiderhell nicht nachvollziehen. Er berichtet gegenüber rosenheim24 von seiner Zeit als Raublinger Bürgermeister, in der sein Vorgänger, Landrat Max Gimple, „beherzte Briefe“ an den damaligen österreichischen Verkehrsminister geschrieben hätte, mit der Bitte auf die Maut zu verzichten. Die Straßen in den Gemeinden wären wie heute nicht leistungsfähig und breit genug, um die vielen Fahrzeuge, die die Maut auf den kostenlosen Alternativrouten umgehen möchten, abfangen zu können, so Neiderhell weiter.

Facebook-Initiative:

Auch die Bürgermeister aus dem ganzen Inntal hätten sich vor 15 Jahren zusammengeschlossen, um das Schlimmste zu verhindern. Damals habe man befürchtet, dass sich die Autofahrer bereits ab Raubling über Brannenburg bis nach Österreich ihren Weg suchen, erklärt Neiderhell weiter.

Wichtiges Gespräch am Abend:

Nun will er sich, wie berichtet, dafür einsetzen, dass die Asfinag ihren Entschluss zurückzieht. Sein erster Schritt: Ein Gespräch mit dem Kufsteiner Bezirkshauptmann, um über das weitere Vorgehen zu reden. Bislang hat es noch kein Gespräch gegeben, allerdings soll dieses am späten Abend noch telefonisch stattfinden. „Ich hoffe, dass die Tiroler in Wien so viel Gewicht haben, dass die Asfinag bei dem alten Beschluss bleibt“, erklärt Neiderhell. Am Montag rechnet er deshalb schon mit den ersten Ergebnissen.

Der Rosenheimer Landrat kann nicht verstehen, warum die Asfinag diese 15 Jahre alte Abmachung nun ohne jegliche Gespräche zunichte machen möchte. Er habe ein ungutes Gefühl in dieser Situation und appelliert an die Vernunft der Österreicher in Hinblick auf den gemeinsamen Bau des Brennerbasistunnels: „Wir sind doch Partner!“

Was auf die Gemeinden zurollt:

Sollte der Beschluss, für das Teilstück der A12 eine Vignettenpflicht einzuführen, dennoch bestehen bleiben, dann rollt auf Kufstein und Kiefersfelden eine regelrechte Blechlawine zu. Der Landrat befürchtet bei 40.000 Fahrzeugen, die derzeit täglich die Inntalautobahn nach Österreich nutzen, dass etwa 4000 davon täglich in Kiefersfelden abfahren könnten.

"Grundrecht auf Gesundheit"

Das Transitforum Austria-Tirol, ein Verein zum Schutz des Lebensraumes in der Alpenregion, sieht hierbei eine erhebliche Gefährdung der menschlichen Gesundheit. Wie der Obmann, Fritz Gurgiser, mitteilt, sei die Stadtgemeinde Kufstein bereits seit dem 1. Oktober 2002 wegen dauerhaft überhöhter Feinstaubwerte als "belastetes Gebiet" ausgewiesen. Die Politik sei deshalb verpflichtet, jede zusätzliche Luftbelastung zu verhindern, so Gurgiser weiter.

Bereits jetzt habe die Stadtgemeinde Kufstein, die über keine Umfahrung verfügt, ein Problem. Unter anderem "schluckt sie als Ein- und Ausgangsgemeinde nach bzw. aus dem Bundesland Tirol" den gesamten Brennertransitverkehr und den gesamten Ost-West-Verkehr Richtung Vorarlberg und Schweiz, erklärt Gurgiser.

Aus dem daraus resultierenden Lärm und den Schadstoffen würden gesundheitliche Belastungen für die Menschen vor Ort folgen. Deshalb fordert Gurgiser nun von der österreichischen Verkehrsministerin, Doris Bures, eine "dauerhafte gesetzliche Regelung", damit der Teil zwischen Kiefersfelden und Kufstein-Süd weiter mautfrei bleibt.

"Ein weiterer Anschlag auf die Tiroler und Salzburger Bevölkerung"

Pressemitteilung vom Amt der Tiroler Landesregierung:

Mit einem dringlichen Appell wenden sich Tirols Landeshauptmann Günther Platter und Salzburgs Landeshauptmann Wilfried Haslauer heute an Verkehrsministerin Doris Bures. „Vor mehr als 15 Jahren wurde politisch vereinbart, dass dieser Autobahnabschnitt von der Vignettenmaut ausgenommen ist, um negative Folgen von Tirol und Salzburg abzuwenden.

Wenn nun ab 1. Dezember zwischen der deutschen Grenze und Kufstein-Süd eine Vignettenmaut eingehoben wird, hätte das aufgrund der Mautflüchtlinge katastrophale Konsequenzen für die ansässige Bevölkerung und den Tourismus in Tirol und Salzburg. Und das noch zum jetzigen Zeitpunkt, wo Tirol und Salzburg durch das Jahrhunderthochwasser und Osttirol durch den Felbertauernfelssturz von zahlreichen Naturkatastrophen arg gebeutelt worden sind. Das ist ein äußerst unsensibles Vorgehen und ein weiterer Anschlag auf die Tiroler und Salzburger Bevölkerung“, zeigen sich LH Platter und LH Haslauer verärgert.

Sollte tatsächlich Ende des Jahres von der ASFINAG auf diesem Abschnitt eine Maut eingeführt werden, würden aus Deutschland kommend viele Urlauber und Tagesausflügler auf dem Weg in den Süden auf die mautfreien Landesstraßen ausweichen. „Dann wird eine wahre Verkehrslawine auf unsere Gemeinden und Dörfer hereinbrechen.“

Dies führe zu einer untragbaren Belastung der Bevölkerung – sowohl was die Verkehrsemissionen, den Verkehrslärm als auch die unweigerlich verstopften Landes- und Gemeindestraßen betreffe. „Mittel- und langfristig wirkt sich diese bedeutende Schlechterstellung auch negativ auf den Tourismus aus. Das Tiroler Unterland, der Salzburger Pinzgau und Osttirol wären massiv betroffen. Diese gestrige Hiobsbotschaft der ASFINAG zieht einen Rattenschwanz von katastrophalen Folgeerscheinungen nach sich“, sind sich die Landeshauptmänner Platter und Haslauer einig.

„Wir fordern Verkehrsministerin Bures als politisch verantwortliches Regierungsmitglied für die ASFINAG hiermit mit Nachdruck auf, die unverantwortlichen Pläne der ASFINAG abzuwenden. Bures hat alle politischen Möglichkeiten, die Abschaffung der seit über 15 Jahren bestehenden Mautbefreiung auf der Inntalautobahn zwischen der deutschen Grenze und Kufstein-Süd zu verhindern. Die Verkehrsministerin soll Ihre Verantwortung gegenüber den betroffenen TirolerInnen und SalzburgerInnen wahrnehmen!“, fordern LH Platter und LH Haslauer.

Quelle: rosenheim24.de

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