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Prof. Dr. Greil vom Uniklinikum Salzburg im Corona-Interview

„Die Öffnung der Diskotheken hat einen Haken“

Prof. Dr. Richard Greil ist Hämatologe, Onkologe und Infektiologe an der Uniklinik Salzburg
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Wird zum Thema Corona oft als Experte gehört: Prof. Dr. Richard Greil von der Uniklinik Salzburg.

Keine Maskenpflicht in Diskotheken, viele Freiheiten bei 3G+, auf einmal scheint alles ganz leicht zu gehen. Liegt es an der Impfung, erreichen wir bald die Herdenimmunität? BGLand24.de hat beim leitenden Oberarzt Prof. Dr. Richard Franz Greil vom Uniklinikum Salzburg nachgefragt.

Salzburg - Prof. Dr. Richard Franz Greil (RG) ist Internist am Uniklinikum in Salzburg. Seit 2004 ist er Vorstand der Universitätsklinik für Innere Medizin III mit Hämatologie, Internistischer Onkologie, Infektiologie und Rheumatologie. Als renommierter Spezialist für Infektionskrankheiten hat er sich bereits öfter zur COVID-19-Pandemie geäußert.

Prof. Dr. Greil, in Bayern wurde die Maskenpflicht beim Diskotheken-Besuch für 3G abgeschafft. Wie finden Sie das?

Greil: Wenn sich viele Menschen während einer Pandemie auf engem Raum begegnen, ist das eine Ermessensentscheidung der Politik. Ich vermute, dass die Behörden dabei davon ausgehen, dass sich in den Clubs bzw. Diskotheken fast ausschließlich junge und zudem geimpfte Menschen treffen. Dadurch werden die Risiken minimiert, aber nicht ganz ausgeschlossen.

Aktuelle Informationen zu COVID-19 auf unserem Corona-Ticker

Können sich auch gegen COVID-19 Geimpfte gegenseitig anstecken?

Greil: Ja, das ist möglich. Sie können auch selbst an Corona erkranken. Doch die Ansteckungswahrscheinlichkeit ist deutlich reduziert, ebenso die Wahrscheinlichkeit eines schweren Verlaufs der Erkrankung. Die Testpflicht im Gesundheitswesen muss auf jeden Fall streng beibehalten werden, wenn man bedenkt, dass sich viele jungen Menschen aus dem Berufsfeld Krankenhaus / Pflege ins Nachtleben stürzen. Deren Kontakt zu Risikopatienten birgt unkalkulierbare Risiken. Und auch die Wirkungsdauer des Impfstoffs ist begrenzt.

Wie lange hält diese voraussichtlich?

Greil: Die Anzahl der Antikörper im Blut bzw. der Antikörpertiter – so bezeichnet man den Antigen-Pegel – nimmt relativ innerhalb weniger Monate ab. Daher ist eine zweite Impfung notwendig und sogar die dritte wird nach einer bestimmten Zeit empfohlen. Dieser „Boost“ erhöht den Schutz 19-fach gegenüber Zweifach-Geimpften.

Das sind vielversprechende Prognosen. Wirken die Impfstoffe bei allen Menschen gleich?

Greil: Nein. Das kann gar nicht sein, denn der Erfolg jeder Impfung hängt stark vom individuellen Immunsystem des Einzelnen ab. Biologisch betrachtet muss eine große Mehrheit der Bevölkerung auf den Impfschutz „anspringen“, um die Überlebensfähigkeit einer Population zu sichern. Heterogenetität ist dabei normal und erwünscht.

Gibt es Menschen, bei denen die Impfung nicht wirkt?

Greil: Durch Erfahrungen aus der Onkologie weiß ich, dass man bei manchen Patienten von Krebserkrankungen des Blutes oder des Knochenmarks keine oder wenige Antikörper ausgebildet werden. Manche Leukämie-Patienten können aber auch 30-70 Prozent des Standard-Antikörper-Werts erreichen. Daher rate ich allen diesen Patienten zur Impfung. Gerade, weil ihr Mortalitäts-Risiko so hoch ist.

„Israel ist ein Modell, an dem wir uns orientieren können“

Wann erreichen wir die Herdenimmunität?

Greil: Das ist ein Zusammenspiel aus der sogenannten „weltweiten Coverage“ - dem Durchschnittswert der Genesenen und Geimpften sowie dem Auftauchen von COVID-Mutationen. Daher ist der WHO ein weltweiter Impfschutz wichtiger als die Versorgung aller mit zweiter bzw. sogar dritter „Boost“-Impfung. Letzteres ist quasi ein Luxus der Industrieländer. Großteile von Bevölkerungen ärmerer Länder der Erde sind noch sehr wenig bzw. gar nicht geimpft.

Ist Israel in dieser Hinsicht das weltweite Vorbild - eben weil dort flächendeckend und früher geimpft wurde als in allen anderen Ländern?

Greil: Israel ist eher ein Modell, an dem wir uns orientieren können. Daher wissen wir, dass der Green Pass ohne dritte Impfung relativ rasch wieder erlischt.

Es gab Medienberichte über Todesfälle und unerwartete Nebenwirkungen gerade aus Israel.

Greil: Das spricht nicht gegen die breite Impfkampagne, sondern ist eine Folge davon. Denn viele Menschen mit schweren Vorerkrankungen und alte bzw. gebrechliche Menschen wurden mitgeimpft. Deren Risiko, bald zu sterben, war bereits vorher deutlich erhöht.

„Menschen, die allergisch auf die Inhaltsstoffe der Vakzine reagieren, sollten die Impfung meiden“

Wem würden Sie von einer Impfung gegen COVID-19 abraten?

Greil: Menschen, die gegen bestimmte Inhaltsstoffe der Vakzine – zum Beispiel allergisch sind bzw. denen deshalb ein anaphylaktischer Schock droht.

Was genau ist die „Messenger-RNA“ (mRNA) in den Impfstoffen von Biontech-Pfizer, Moderna oder Johnson & Johnson?

Greil: Zunächst ist sie kein Erbgut und dringt auch nicht ins Erbgut – die DNA des Menschen – ein. Denn die Enzyme zur Replikase (Vervielfachung) der mRNA sind in der Zelle nicht vorhanden. Es gleicht einer normalen Körperfunktion: Die DNA schickt Boten-RNA (mRNA), aus denen Eiweißmoleküle gebildet werden. Die mRNA im Impfstoff erklärt der DNA die Bildung des Spike-Proteins des COVID-19-Virus. Die Information wird im Gedächtnis des Immunsystems gespeichert. Danach werden mRNA und COVID-Spike-Protein rasch wieder vom Körper abgebaut.

Weitere Informationen auf der Website der Uniklinik Salzburg

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