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Verwirrung um Stopp der Erstimpfungen in bayerischen Impfzentren: Ministerium relativiert Anweisung

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Berchtesgadener Pneumologe und Ampfinger Apotheke klären auf

Gebrauchsanweisung irreführend: Schützen FFP2-Masken nicht vor Viren?

Gebrauchsanweisungen von FFP2-Masken
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Warnhinweise wie diese finden sich häufig auf Gebrauchsanweisungen von FFP2-Masken.

In den sozialen Medien verbreiten sich momentan Fotos von Gebrauchsanweisungen mit dem Hinweis, dass FFP2-Masken nicht gegen Viren schützen würden. Gerade in Bezug auf die erst kürzlich erlassene Pflicht, diese künftig beim Einkaufen und in Bus und Bahn zu tragen, wirkt der Hinweis irreführend. rosenheim24.de hat nachgehakt, was dahinter steckt.

Berchtesgaden/Ampfing/Landkreise - „Partikelfiltrierende Halbmaske FFP2 - Nicht gegen Partikel radioaktiver Stoffe, Viren und Enzyme“ - dieser Hinweis findet sich auf Gebrauchsanweisungen von Verpackungen der FFP2 (englisch „Filtering Face Piece“ - Grad 2).

Schützen die Masken gegen Sars-Cov-2-Viren etwa nicht wirksam? Dr. Gerd Schauerte, Leiter des CJD Asthmazentrums in Berchtesgaden, der für uns die FFP2-Maskenpflicht bereits aus ärztlicher Sicht analysiert hat, sieht den Hinweis eher entspannt, als ihn rosenheim24.de damit konfrontiert.

Viren seien „submikroskopisch klein“. Das „nackte Virus“ an sich könne selbstverständlich durch die Porengröße der FFP2-Maske schlüpfen. „Wenn ich den Virus-Partikel per se untersuche, dann ist der so klein, dass der durch die Maske durchgeht - aber Viren fliegen nicht einfach so alleine durch die Gegend, sondern werden in einem Aerosol transportiert. Der Aerosol wiederum ist so groß, dass er von der Maske heraus gefiltert und absorbiert wird“, erklärt der Pneumologe aus Berchtesgaden. Ein Aerosol sei im Vergleich zum Tröpfchen ganz klein und im Vergleich zum Virus sehr groß.

Ampfinger Apotheke startet Erklärungsversuch

Auch die Isen-Apotheke in Ampfing im Landkreis Mühldorf hat diesen Warnhinweis auf den FFP2-Masken-Verpackungen in einem Facebook-Post aufgegriffen und bläst ins selbe Horn wie der Berchtesgadener Pneumologe: „Viren fliegen nicht einfach so durch die Luft. Stattdessen benötigen sie ‚Taxis‘.

Sebastian Lugmair von der Isen-Apotheke erläutert: „So wie nach dem Arbeitsschutzgesetz nicht acht Stunden am Stück am Bildschirm gearbeitet werden sollte, gelten auch für das Tragen von FFP2-Masken Pausen. Das ist logisch und normal. Wir arbeiten seit vielen Wochen zweimal täglich vier Stunden lang mit Masken und haben bis dato keinen Schaden davon getragen.“ Fazit: FFP2 Masken schützen aktuell besser als normale Alltagsmasken aus Stoff, Schals oder ähnliches.

Laut Norm: FFP2-Masken halten 94 Prozent zweier verschiedener Testaerosole ab

Warum steht also dieser Hinweis „schützt nicht vor Viren“ auf der Verpackung von FFP2-Masken, wenn sie Viren doch abhalten? Hersteller schreiben diesen Arbeitsschutzhinweis häufig auf die Gebrauchsanweisung, um sich in Haftungsfragen abzusichern. Hintergrund ist, dass FFP2-Masken bei der Herstellung nicht explizit auf Viren getestet werden, dafür aber teilweise auf Testaerosole. Und die sind deutlich kleiner sind als Sars-Cov-2-haltige Aerosole.

Wovor die FFP2-Maske auf jeden Fall schützt, sind kleinste Tröpfchen, die beim Sprechen freigesetzt werden. In diesen Tröpfchen befinden sich Viren und die Maske hält diese feuchte Aussprache, die jeder Mensch hat, zurück - allerdings abhängig von der Größe der Tröpfchen.

Damit Masken auch eigens vor Viren schützen, müssten extrem feine Poren geschaffen werden. Allerdings könnte ein Mensch damit nicht mehr anständig atmen. Sinn der FFP2-Maske ist es Tröpfchen zurückzuhalten, in denen die Viruspartikel verpackt sind. Die für FFP2-Masken geltende Norm sieht vor, dass die Masken 94 Prozent zweier verschiedener Testaerosole abhalten müssen. 

Die wichtigsten Fragen und Antworten zur FFP2-Maskenpflicht in ÖPNV und Handel hat uns das Gesundheitsministerium in einem gesonderten Artikel (Plus-Artikel) beantwortet.

FFP2-Maske im privaten Bereich: RKI und Deutsche Gesellschaft für Krankenhaushygiene warnen

Die Maßnahme der Regierung die Bevölkerung seit 18. Januar in Bayern zum Tragen von FFP2-Masken zu verpflichten ist tatsächlich umstritten – und Experten sind sich uneins. Unter anderem das Robert-Koch-Instiut (RKI) empfiehlt die FFP2-Masken im privaten Bereich eigentlich nicht.

Die Sorge, Laien könnten diese nicht richtig handhaben und weil etwa bei Menschen mit eingeschränkter Lungenfunktion oder älteren Personen „gesundheitliche Auswirkungen nicht auszuschließen“ seien, wiegt schwer. Das Tragen von Masken dürfe dem RKI zufolge „keinesfalls dazu führen, dass andere Komponenten der AHA+L-Regeln vernachlässigt werden oder Risiken sogar bewusst in Kauf genommen werden“. 

Kritisch sieht die Verpflichtung zum Tragen von FFP2-Masken im öffentlichen Personennahverkehr und im Einzelhandel auch die Deutsche Gesellschaft für Krankenhaushygiene und empfiehlt dringend eine Überprüfung des Beschlusses. Unter anderem prangert die Gesellschaft an, der Schutzeffekt der FFP2-Maske sei nur dann umfassend gewährleistet, wenn sie durchgehend und dicht sitzend - passend zum Gesicht und abschließend auf der Haut - getragen wird.

„Bei der Anwendung durch Laien ist ein Eigenschutz über den Effekt eines korrekt getragenen Mund-Nasenschutzes (MNS) hinaus daher nicht zwangsläufig gegeben“, wird abschließend gewarnt.

mb

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