Pfiat di Berchtesgaden - Laufen will sich selbst vermarkten

Laufens Vision: Fusion BGL mit Chiemgau-Tourismus – „Zwischen Chiemsee und Königssee“

Laufen sagt Pfiat di zur Rumpf-BGLT, das „mächtigste Bergerlebnis“ sind wir halt nicht“.
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Laufen sagt Pfiat di zur Rumpf-BGLT, das „mächtigste Bergerlebnis“ sind wir halt nicht“.

Laufen. Die Stadtgemeinde wird sich nach dem Auseinanderfallen der landkreisweiten Tourismusgesellschaft BGLT durch den Ausstieg von Berchtesgaden ab 1. Januar 2021 vorerst touristisch alleine vermarkten.

Angestrebt ist eine gemeinsame Lösung mit anderen Gemeinden im nördlichen Landkreis und langfristig eine Fusion mit dem Chiemgau-Tourismus unter dem Motto „Zwischen Chiemsee und Königssee“. Laufens Tourismus-Chef Stefan Feiler traf den Geschmack der Stadtratsmehrheit: „Wir können jetzt wieder authentisch werden, wir sind kein Big Player und wollen es auch nicht sein“.

Nicht mit Kritik sparte Laufens Bürgermeister Hans Feil an den Verantwortlichen des südlichen Landkreises in der Stadtratssitzung am Dienstagabend. Die seit 2018 agierende, neue Berchtesgadener-Land-Tourismus-Gesellschaft (BGLT) sei ein einziger, großer Kompromiss gewesen mit zwei Marken für Berchtesgaden und Bad Reichenhall und der Unter-Marke Rupertiwinkel, die sich unter „Berchtesgaden“ hätte verkaufen müssen.

Eine hitzige Diskussion gab es am Dienstagabend im Laufener Stadtrat, weil die TRBK die gemeinsame Tourismusmarke BGLT gesprengt hatte.

Noch Anfang August dieses Jahres wäre ein Strategiepapier unter dem Titel „Tourismus 2030“ von allen Beteiligten ausgearbeitet worden, „dann hat die Tourismusregion Berchtesgaden-Königssee (TRBK) aus heiterem Himmel die Struktur zerschlagen und die Markenrechte für ‚Berchtesgaden‘ der BGLT entzogen. Man hat denKompromiss einfach aufgekündigt und tut nun so als ob nichts gewesen wäre“, so ein sichtlich verärgerter Bürgermeister. Im Nachhinein gesehen seien die geplanten Strategien der BGLTnie umgesetzt worden, man habe es nicht geschafft die BGLT arbeiten zu lassen. „Und das gleiche Personal, dass den gesamten Landkreis mit der gemeinsamen BGLT vermarkten sollte übernimmt jetzt die TRBK, also ehrlich, da habe ich keinerlei Vertrauen mehr in die Herrschaften was den Tourismus betrifft“.

Feil erinnerte daran, dass er sich bei der Neuaufstellung des BGL-Tourismus drei Säulen gewünscht hätte, also für Berchtesgaden, Bad Reichenhall und den Rupertiwinkel, diese hätten dann gemeinsam mit der Wirtschaft unter einem Dach vermarktet werden sollen. „Der kleinste Kompromiss war damals aber die Submarke Rupertiwinkel, angehängt an der Marke Berchtesgaden“. Die Stadt Laufen habe „schmerzvolle Kompromisse“ eingehen müssen, wollte dann aber die BGLT in Ruhe arbeiten lassen. Feil erinnerte daran, dass er an den Stadtrat immer appelliert habe, der BGLT eine Chance zu geben, „jetzt muss ich euch bitten einen anderen Weg einzuschlagen“. Jetzt sei die richtige Lösung eine gemeinsame Vermarktung des gesamten Landkreises mit dem Verein Chiemgau-Tourismus.

Die Gemeinde Anger hat bereits beschlossen, mit der verbleibenden TRBK, also mit Berchtesgaden, eine Zweckvereinbarung abzuschließen, Teisendorf werde das nicht tun, Saaldorf-Surheim und Freilassing werden vermutlich auch keine Vereinbarung mit Berchtesgaden unterschreiben.

„Üble Provinzposse“, Werner Eckl

Für Werner Eckl, Die Linke, als Tourismusreferent des Stadtrates ist das Scheitern der BGLT eine „üble Provinzposse wenn man daran denkt, mit wie viel Getöse die gemeinsame Vermarktung vor Jahren eingeläutet wurde“.

Nachdem die TRBK allerdings der gemeinsamen BGLT die Markenrechte für die Verwendung von „Berchtesgaden“ entzogen habe mache ein Verbleib bei der BGLT keinen Sinn mehr, so Eckl. „Wir sind auf die BGLT nicht angewiesen, unsere touristische Affinität liegt in Richtung Traunstein, also dem Rupertiwinkel“. Bürgermeister Feil pflichtete ihm bei, „zwölf Mann würden bei der BGLT bleiben, die in Zukunft also nur noch für die ‚Alpenstadt‘ Bad Reichenhall arbeiten werde.

BGLT „in die Luft gejagt“

Laufen sei der BGLT nur beigetreten um „die Einheit des Landkreises“ mitzutragen und mit Leben zu erfüllen, „das ‚mächtigste Bergerlebnis‘ sind wir in Laufen halt leider nicht“, so Tourismus-Chef Stefan Feiler. Einer der beiden BGLT-Geschäftsführer habe sich für den Rupertiwinkel eingesetzt, sei aber dann vor die Tür gesetzt worden, die Hintergründe seien immer noch nicht bekannt. Pidings Bürgermeister Hans Holzer hat bei einer Sitzung wörtlich gemeint „die Zusammenarbeit mit der TRBK war gelinde gesagt absolut miserabel‘“.

Laufen nicht der große Player

Einzig Franz Eder von den Grünen versuchte eine Lanze für Berchtesgaden zu brechen, „Laufen ist ja nicht der ganz große Player im Tourismus, also wenn uns die TRBK ihre Hilfe genauso anbietet wie vorher die BGLT, also wenn wir das gleiche Paket bekommen, warum nicht annehmen?“ Jetzt habe man viel Zeit und viel Geld für nichts investiert, „und am Ende haben wir es nicht einmal geschafft den Tourismus im Landkreis gemeinsam zu vermarkten“. Eine mittelfristige Fusion mit dem Verein Chiemgau-Tourismus kann sich Eder eher weniger vorstellen, „dazu ist Laufen touristisch zu unwichtig“.

Fusion mit Chiemgau-Tourismus

Nach einer langen Diskussion stimmten die Stadträte am Ende mit 15:2 dafür, dass sich Laufen ab 1. Januar 2021 touristisch erst einmal selbst vermarktet , gleichzeitig aber die Zusammenarbeit mit anderen Kommunen im nördlichenLandkreis sucht und sich auch eine mögliche Fusion mit dem Chiemgau-Tourismus vorstellen kann.

Schon vor dem Neustart der BGLT 2018 habe es Überlegungen einer Tourismus-Fusion von BGL und dem Landkreis Traunstein gegeben. „Das Problem war schon damals, dass Teile des Landkreises das nicht wollten“, so Feil, der indirekt auch die „Teile“ beim Namen nannte: „Wenn zu den fünf Gemeinden im Talkessel dann noch Inzell, Ruhpolding und Reit im Winkl gekommen wären dann hätte man wirklich ein „mächtiges Bergerlebnis“ gehabt“. Laufen und der Rupertiwinkel seien zwar keine Weltmarke, aber wenn Traunstein und vor allem Waging mit rund 500.000 Übernachtungen alleine am Campingplatz dazu kämen könnte auch Laufen Ansatzweise wieder wahrgenommen werden. „Dieses große Ganze ist jetzt wieder angedacht“. Er, Feil, habe nie verstanden,warum man im Landkreis BGL zwei Marken haben müsse, „der Landkreis heißt nun einmal Berchtesgadener Land und nicht Bad Reichenhall oder Berchtesgaden“.

Die acht Gemeinden des Rupertiwinkel hätten nun den Landrat beauftragt, mit seinem Gegenüber im Landkreis Traunstein Gespräche aufzunehmen, „der Verein Chiemgau-Tourismus darf derzeit nur Mitglieder aus dem eigenen Landkreis aufnehmen, aber das kann man ja ändern“, so Bürgermeister Feil. Die Nähe zu Waging sei ein Brücke für eine künftige Vermarktung, „wenn Laufen bei der neuen BGLT (also Bad Reichenhall) oder der TRBK (also Berchtesgaden) bleibt sind wir das lumpige Anhängsel eines straffen Alpentourismus, wir sollten den Lockrufen der Berchtesgadener-Sirene jetzt nicht folgen, sondern jetzt auf eigenen Füssen stehen und dann eventuell eine Fusion mit dem Chiemgau-Tourismus verfolgen“.

hud

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