Lok-Down auch nach dem Lockdown?

Viele Lokwelt-Veranstaltungen wieder verschoben: Kann sich Freilassing das Museum weiter leisten? 

Die Lokwelt ist ein „kulturelles Alleinstellungsmerkmal“ der Stadt, so Uli Zeeb.
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Die Lokwelt ist ein „kulturelles Alleinstellungsmerkmal“ der Stadt, so Uli Zeeb.

Kultur scheint in Pandemie-Zeiten nicht „systemrelevant“ zu sein, darum ist auch das Eisenbahnmuseum, die Lokwelt, nach wie vor im Lockdown.

Freilassing - Wie lange sich die Stadt das Museum und die Eventlocation noch leisten will, wurde hinter vorgehaltener Hand im Stadtrat immer wieder einmal gefragt, schon vor Corona. „Die Lokwelt wird seit Jahren immer wieder kritisch hinterfragt, aber sie ist ein Abbild der Geschichte Freilassings“, so Freilassings Bürgermeister Markus Hiebl gegenüber BGLand24.de. Museen seien meist defizitär, „wir werden aber auch die Ausgaben für die Veranstaltungsseite analysieren“.

Die Zahl der Veranstaltungen ist in den 15 Jahren der Lokwelt stetig gestiegen, überregionale Beachtung findet zum Beispiel der Jazz-Frühschoppen. Museum und Veranstaltungen brachten vor Corona bis zu 25.000 Besucher pro Jahr in die Lokwelt an der Westendstraße. Bei speziellen Eisenbahner-Events wie den Dampflokfahrten reisen Interessierte nicht nur aus Bayern und Österreich an, „dann sehen wir am Parkplatz auch Kennzeichen aus Italiener, Tschechien oder aus Frankreich“, so Uli Zeeb, zuständig in der Stadtverwaltung für die Kultur und damit auch für die Lokwelt. 

Lokwelt oder Lokschuppen?

Während in Salzburg an der Münchner Bundesstraße kurz vor der Grenze ein Großplakat ganzjährig auf eine Sonderausstellung im Rosenheimer Lokschuppen hinweist, ist die Lokwelt in der Schwesterstadt weitgehend unbekannt, von Eisenbahn-Freaks abgesehen. „Also wir verschicken immer wieder aktuelle Flyer zu Tourismusverbänden in Salzburg und Oberösterreich und bekommen auch immer wieder entsprechende Nachfragen“, versichert Zeeb. Die Zukunft stellt Zeeb naturgemäß nicht infrage, „die Lokwelt ist ein kulturelles Alleinstellungsmerkmal von Freilassing“. Früher sei Freilassing mit über 1000 Bahnmitarbeitern ‚die Stadt der Eisenbahner‘ gewesen, nun sei sie eben ‚die Eisenbahnerstadt‘, auch wenn der Bahnverkehr nicht mehr diese herausragende Rolle spiele. 

Lok-Down im Lockdown, die historischen Loks bleiben im Schuppen.

Im ersten Corona-Jahr habe man alle Sonderveranstaltungen auf 2021 verschieben müssen, doch auch in diesem Jahr fanden bewährte Formate wie der Gartentag oder der Dampfloktag wegen der Anti-Corona-Maßnahmen nicht statt. „Eventuell können wir einen Teil im Herbst nachholen“, gibt sich Zeeb zuversichtlich. 

Wie alle Museen werde sich auch die Lokwelt nach dem Lockdown wieder in Erinnerung rufen müssen, möglicherweise auch mit einer größeren Werbeaktion. Helfen könnte dabei auch die Montagehalle, die ein reizvolles Ambiente für größere Events sein könnte. Könnte, weil sie eben nach wie vor als Betriebsstätte gilt und für Veranstaltungen darin jedes Mal kostspielige Brandschutzbestimmungen eingehalten und Einzelgenehmigungen eingeholt werden müssen. Zu einem Millionen-teuren Umbau konnte sich der Stadtrat bisher nicht durchringen.

hud

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