Ohnehin benutzte Radstrecken beschildern als „Konzept“?

Radl-Initiative: „Schnell zusammengestellte Liste von Strecken, die Radfahrer ohnehin schon nutzen“

Radschutzstreifen in Salzburg
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Radschutzstreifen gibt es in Salzburg seit 20 Jahren, in Freilassing sind die strichlierten Linien höchst umstritten.

Was der parteilose Bürgermeister Markus Hiebl von der CSU und der FWG als Gegner eines aufgepinselten Rad-Schutzstreifens in einer Stadtratssitzung fast schon ultimativ forderte liegt jetzt, drei Wochen später, tatsächlich auf dem Tisch: Ein „Alternativkonzept“ für die Radfahrer. Zusammengefasst sieht es vor, einfach bestehende Straßen als Radverbindungen zu nutzen, zu beschildern und nötigenfalls zu testen. Lenz Heuwieser von der „Radl-Initiative“ ist mäßig begeistert.

Freilassing - Das kolportierte Konzept von CSU und FWG: Vom Norden kommend könnten Radfahrer zum Beispiel über die Bräuhaus- und Lindenstraße rasch zur Bahnhofsunterführung und weiter beim Hagebaumarkt vorbei in Richtung Watzmannstraße oder Zwieselsstraße kommen. Diese Strecke würde die geplanten Radschutzstreifen – strichlierte Linien auf der Fahrbahn – unnötig machen und Parkplätze, vor allem in der Ludwig-Zeller-Straße, müssten in einer weiteren Ausbauphase des Nord-Süd-Radweges, nicht für den Radverkehr geopfert werden.

„Konzept“ ist nur Liste derzeit benutzter Radstrecken

Lenz Heuwieser von der „Radl-Initiative Freilassing“ findet die Idee „zumindest in Teilen bedenkens- und besprechenswert; wenn es gut durchdacht und klug ausgeweitet werden könnte, käme es unseren Vorstellungen von einer fahrradfreundlichen Stadt sogar in manchen Punkten entgegen“, so zum Beispiel der Vorschlag von ausgewiesenen Fahrradstraßen, auf denen die Radler Vorrang haben.

Allerdings sieht Heuwieser kein bestehendes Radwegenetz, das man nur mehr zusammenführen müsste, „was hier als ‚Vorschlag‘ präsentiert wurde, ist im Grunde nur eine schnell zusammengestellte Auflistung von Wegen, auf denen in Freilassing schon immer Radfahrer eifrig unterwegs waren und sind, allerdings unter Gefährdungen und mit Problemen“. Gefahren würden bei Kreuzungen, Umwegen und Rechts-vor-links-Regelungen lauern, die zum Abbremsen und zu Verzögerungen führen, wie etwa in der Martin-Luther-Straße, Lindenstraße oder in Hofham.

„Wollen echtes Radverkehrsnetz“

Statt einer Liste von ohnehin genutzten Radstrecken wünschen sich die Mitglieder der Rad-Lobby ein „echtes Radverkehrsnetz“, und das nicht nur für Freizeit- und Wochenendradler, sondern auch für Alltagsradfahrer, die es eilig haben, zur Arbeit oder zum Einkaufen zu kommen. Radler wollen eine Gleichbehandlung mit Autofahrern und damit eine gerechte Aufteilung der Straßen. „Wer heute eine Straße neu ausbaut und so wie die CSU- und FWG-Fraktion meint, es brauche keinen adäquaten Schutzstreifen, der denkt unseres Erachtens nicht genug an die schwächeren Verkehrsteilnehmer und zu wenig in die Zukunft“, so Heuwieser weiter. Die Stadträte sollten sich vielmehr darauf einstellen, dass auch in Freilassing Radmobilität und Radkultur „gewaltig im Kommen sind“.

Jammern ist rückwärtsgerichtet

Eine klimaschonendere und gesündere Mobilität sollte bereits in der Reichenhaller Straße beginnen, „je mehr Radler bei Einkäufen oder Besorgungen die Stadt bevölkern, desto mehr Platz auf den Straßen und auf den Parkplätzen bleibt für jene, die unbedingt auf ihr Auto angewiesen sind“. Das „Lamentieren“ über Pläne, dass in der Ludwig-Zeller-Straße Parkplätze für den Radschutzstreifen wegfallen hält Heuwieser für „ein rückwärtsgerichtetes Denken, das hat mit einer zukunftsgerechten Gestaltung und Planung nur bedingt zu tun“. Die Radl-Initiative will Vertreter der CSU und der FWG zu einer Radltour durch die Stadt einladen, „am besten die Stadträte, die man häufig auf ihrem Fahrrad durch die Straßen sausen sieht“ und zu einem Corona-konformen, konstruktiven Gespräch im kleinem Kreis.

hud

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