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Es klingt wie ein Märchen

Ein König und ein Prinz als Miteigentümer der Eisengewerkschaft Achthal und Hammerau

Heute noch steht ein Teil der Betriebsgebäude im Achthal.
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Betriebsgebäude: Heute noch steht ein Teil der Betriebsgebäude im Achthal.

Es klingt wie ein Märchen: Ein König und ein Prinz waren Miteigentümer der Eisengewerkschaft Achthal und Hammerau. Die Rede ist von König Wilhelm I. der Niederlande (1773-1843) und seinem zweiten Sohn Prinz Friedrich (1797-1881). Die Geschichte dazu hat Kuratorin Ulrike Laufer im Rahmen ihrer aktuellen Recherchen anläßlich der Neugestaltung des Bergbaumuseums Achthal ausgegraben und dokumentiert. Im Gespräch erklärte sie die Zusammenhänge.

Teisendorf - „Von Prinz Friedrich ist eine Schenkung über 110 Gulden an die Arbeiter des Werks am 1. März 1845 überliefert“, so Laufer. „Ob er zu dieser Zeit – einen Tag nach seinem 48. Geburtstag – persönlich vor Ort war, ist nicht festgehalten. Möglich ist es, durchaus, denn die gesundheitlichen Probleme seiner Frau, Prinzessin Luise von Preußen, hatten das Paar immer wieder ins österreichische Bad Ischl geführt. Insofern war der Rupertiwinkel dem Prinzen sicherlich nicht ganz unbekannt“. 

Hochadelige Eisengewerkschaft

Aber erstmal zurück zum König. An der Wende vom 18. zum 19. Jahrhundert hat Napoleon durch seine Kriege die europäischen Grenzen und Herrschaftsbereiche gewaltig aufgewirbelt. Nach seiner Niederlage wurden auf dem Wiener Kongress 1815 die Grenzen Europas neu geordnet. Diese Entwicklungen haben indirekt  auch die 1537 gegründete altehrwürdige Eisengewerkschaft Achthal und Hammerau berührt.  Die Niederlande wurden nämlich 1815 nach Beschluss des Kongresses zu einem Königreich, Wilhelm I. aus dem Hause Oranien bestieg den Thron. Sein Vater, Wilhelm V. von Oranien, war als Erbstatthalter der Niederlande  1795 von Napoleon vertrieben worden, lebte danach am preußischen Hof und erhielt unter anderem 1802 als Entschädigung das ehemalige Reichsstift und Benediktinerkloster Weingarten im Südwesten des Deutschen Reiches zugesprochen.

Damit wurde er zum zweitgrößten Teilhaber an der „hochadeligen Eisengewerkschaft“ nach dem fürsterzbischöflichen Priesterhaus in Salzburg.  Denn das Benediktinerkloster Weingarten, das in enger Beziehung zum Erzstift St. Peter in Salzburg stand, gehörte seit 1654 zu den größten Anteilseignern an der Achthaler Eisengewerkschaft. Bei seinem Tod 1806 gingen die Anteile von Wilhelm V. an seinen Sohn, den späteren König Wilhelm I. der Niederlande über.  

Salzburger hielten an Anteilen fest

Für die Kuratorin wertvoll ist unter anderem ein detaillierter Bericht, den Wilhelm V. 1803 zu seinem neuen Besitz anforderte. Daraus habe man erfahren können, so Laufer, dass  das Bergwerk aus 1172 Lachter (circa zwei Kilometer) fortlaufenden Gängen untertage, zwei Schmelzwerken (eines in Röhrenbach und eines im Achtal) sowie drei großen und mehreren kleinen Hämmern in Hammerau (heute Annahütte) bestand. Als Ausbeute, heute würde man Dividende sagen, standen dem Anteiler viermal im Jahr etwa 330 Gulden zu. „Ein Gulden war mindestens 15-mal so viel wert wie ein Euro, eine exakte Umrechnung ist aber kaum möglich“, so die Kuratorin. Wilhelm V. und sein Sohn König Wilhelm I. hielten trotz wirtschaftlich nicht so rosiger Zeiten für die Gewerkschaft und mehrerer Kaufangebote durch die Salzburger an ihren Anteilen erstmal fest.

Kuratorin Ulrike Klosa zeigt dem Vorstand des Fördervereins BergbaumuseumAchthal Roland Klosa die Eintragungen in der Chronik

Als sich aber die schlechten Nachrichten ab 1816 nach der neuen Grenzziehung zwischen Salzburg und Bayern häuften und ein vom König gefordertes Gutachten zur Qualität des Stahls aus Hammerau zeigte, dass  das Achthaler Roheisen zur Stahlfabrikation in Masse wenig geeignet war, gab der König der Niederlande  mehrmals die Anweisung, seine Anteile an der Eisengewerkschaft zu verkaufen. Was aber bis zu seiner Abdankung 1840 und seinem Tod 1843 nicht mehr gelang. Durch Erbschaft gingen sie an Prinz Friedrich, den zweiten Sohn des Königs über. Der Prinz werde als intelligent und zuvorkommend beschrieben und sei einer der führenden Freimaurer im deutschsprachigen Raum gewesen, weiß die Kuratorin zu berichten. Damit lagen bedeutende  Anteile an der hochadeligen Eisengewerkschaft Achthal und Hammerau nun in den Händen eines Prinzen, der ausgestattet mit erheblichen finanziellen Mitteln nach neuen Aufgaben suchte. 1846, ein Jahr nach seinem möglichen Besuch im Achthal, kaufte Prinz Friedrich die Standesherrschaft Muskau in der Oberlausitz. 

Wieninger als Teilhaber

Hier entwickelte er sich zu einem großzügigen, engagierten Landesherrn, förderte die Schulbildung, stiftete ein Krankenhaus und ließ den legendären Fürst-Pückler-Park, heute UNESCO-Weltkulturerbe, wieder instandsetzen und landschaftskünstlerisch verschönern. In den 1860ern Jahren ließ er das zugehörige Schloss Muskau im Stil der Neorenaissance umbauen. All dies kostete viel Geld. Deshalb verkaufte er 1858/59 seine Anteile oder wie man damals bereits sagte, Aktien an der Achthaler Eisengewerkschaft, an den Teisendorfer Brauereibesitzer Max Christian Wieninger. Der innovationsfreudige und weltgewandte Brauer – er saß zweimal im Bayerischen Landtag und war mit einer Tochter aus der Münchner Spatenbrauerei verheiratet – hatte bereits im Vorfeld kleinere Anteile an der Gewerkschaft erworben und war über die  Situation des zu dieser Zeit in wirtschaftlicher Blüte stehenden Werkes bestens informiert.

Durch Max Christian Wieninger zählte die Teisendorfer Braumeisterfamilie fortan neben der Bankiersfamilie Spängler in Salzburg zu den wichtigsten Privateigentümern an der Eisengewerkschaft, die im Übrigen noch viele katholische und karitative Stiftungen zu den Miteigentümern zählte. Doch dazu und auch zu den Spänglers ließen sich wieder eigene Geschichten erzählen, so Kuratorin Laufer. Einige davon hat sie für die neue Dauerausstellung aufbereitet. Man darf sicherlich gespannt sein.  

Konnert

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