Überhitzte Gemüter im Berchtesgadener Talkessel

Gibt es heuer kein Christkindlschießen der Weihnachtsschützen?

Weihnachtsschützen in Schönau am Königssee
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Weihnachtsschützen feuern am 24. Dezember 2015 in Schönau am Königssee in der Dämmerung ihre Handböller beim sogenannten Christkindl-Schießen ab. Das Schießen hat seine Wurzeln im heidnischen Brauchtum.

Berchtesgaden - Es hat Tradition, gehört zum Berchtesgadener Brauchtum und ist seit Juli 2018 immaterielles Kulturerbe - das Christkindlschießen der Berchtesgadener Weihnachtsschützen. Doch heuer sorgt nicht nur Corona für heftiges Durcheinander und überhitzte Gemüter.

Wie ein Lauffeuer hat es sich am Donnerstagnachmittag im Berchtesgadener Talkessel verbreitet: das Christkindlschießen mit seiner über 400-jährigen Tradition ist heuer auch von daheim aus verboten. „Das geht heutzutage über WhatsApp ja sehr schnell“, gibt der Vorsitzende der Vereinigten Weihnachtsschützen des Berchtesgadener Landes, Thomas Holm, gegenüber BGLand24.de zu. „Da haben sich die Gemüter dermaßen erhitzt, das war nicht mehr lustig.“

Kein Schießen der Berchtesgadener Weihnachtsschützen am Stand

Doch von Anfang an: Die derzeit geltende elfte Bayerische Infektionsschutzmaßnahmenverordnung (11. BayIfSMV) sorgt dafür, dass ein Schießen am Stand heuer nicht stattfinden kann. Auch wenn die Abstände zwischen den Schützen eingehalten werden könnten und ein Hygienekonzept erarbeitet wurde, fällt das Schießen unter den Paragraph fünf, der Veranstaltungen, Versammlungen sowie öffentliche Festivitäten landesweit untersagt. Generell für die Schützen zwar nicht unbedingt verständlich, aber aufgrund der aktuellen Corona-Situation zu akzeptieren.

Der Brauch ist aber auch von zuhause zu schießen, wenn ein Schießen am Stand nicht stattfindet. „Das ist rechtlich alles sehr schwammig“, erklärt Holm. „Letztlich muss jeder für sich selbst abschätzen, ob eine sprengstoffrechtliche Erlaubnis nach § 27 SprengG vorliegt.“ Generell gilt unabhängig von Corona: wer alleine schießt braucht zehn Meter Abstand nach hinten, links und rechts, 100 Meter nach vorne. Deshalb ist Schießen in Siedlungs- und Wohngebieten auch nicht erlaubt.

Weihnachtsschießen zu Hause - nur wenn alle rechtlichen Voraussetzungen erfüllt sind

Offiziell gilt deshalb in diesem Jahr die Vorgabe für die insgesamt 3333 Schützen aus 17 Vereinen: „Leider kann in diesem Jahr das Schießen am Stand nicht stattfinden. Das Schießen zu Hause kann selbstverständlich erfolgen, allerdings nur dann, wenn auch alle anderen rechtlichen Voraussetzungen, wie zum Beispiel aus dem Sprengstoff- oder dem Immissionsschutzrecht, eingehalten werden. Gleiches gilt für die Ausgabe des Pulvers. Ob diese Voraussetzungen vorliegen, steht in der Verantwortung eines jeden Einzelnen. Hierüber sind sich Landrat und Bürgermeister des Landkreises Berchtesgadener Land einig.“

Thomas Holm fasst es so zusammen: „Jeder Schütze muss eigenverantwortlich nach Recht und Gesetz handeln und sich gegebenenfalls auch selbst verantworten.“ In seinem Verein sei es üblich, dass neue Schützen drei Jahre ausgebildet werden, also Schießpraxis nur unter Aufsicht und abschließend ein Zertifikat erhalten. Mit diesem Schein könne dann Pulver erworben werden und eben geschossen werden.

Sonderregelung für Berchtesgadener Weihnachtsschützen soll 2021 überarbeitet werden

Heuer ist alles anders. Aber damit kommendes Jahr wieder ohne Probleme auch von zuhause geschossen werden kann, wollen die Vereinigten Weihnachtsschützen zusammen mit Landrat Bernhard Kern und den zuständigen Mitarbeitern im Landratsamt eine Sonderregelung, die seit 1994 das Schießen am Stand und daheim regelt, überarbeiten und auf sichere Beine stellen.

Landrat Bernhard Kern bedauert gegenüber BGLand24.de, dass so entschieden werden musste: „Bei einer Bürgermeisterdienstbesprechung am Freitag in der Früh hat man sich darauf geeinigt, dass die gesetzlichen Grundlagen nicht missachtet werden dürfen. Ein Schießen am Stand wird nicht stattfinden und daheim nur, wenn das Sprengstoff-Emissionsgesetz eingehalten werden kann und es die bauliche Umgebung erlaubt.“

Bei dieser Besprechung waren auch die Polizei und Thomas Holm anwesend. Alle Bürgermeister des ganzen Landkreises seien sich einig und auch der Vorsitzende der Vereinigten Weihnachtsschützen sei mit dem Ergebnis einverstanden gewesen, so der Landrat. „Am 2. Januar muss das Pulver an die Vereinsvorstände zurückgegeben werden. Deshalb wird es auch an Heilig-Drei-König keine Möglichkeit zum Schießen geben.“ Abschließend bedauerte Bernhard Kern noch die Reaktionen in den sozialen Medien, sie seien teilweise heftigst gewesen.

cz

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