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Nach rundem Tisch zur Rettung bayerischer Innenstädte

Stadtmarketing-Chefin: „Mit einer verlängerten Sperrstunde können wir die Innenstädte nicht retten“

Runder Tisch Innenstädte Brigitte Schlögl Stadtmarketing Bad Reichenhall Einzelhandel Gastronomie
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Wie können Bayerns Innenstädte gerettet werden? Stadtmarketing Bad Reichenhall - Geschäftsführerin Dr. Brigitte Schlögl spricht über mögliche Lösungen.
  • Christina Eisenberger
    VonChristina Eisenberger
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Geschlossene Fensterläden, dahinter gähnende Leere: Bayerns Innenstädte verlieren immer mehr Geschäfte. Ein runder Tisch versuchte am Montag (13. September), mit Vorschlägen Abhilfe zu schaffen. Kritik kommt aus Bad Reichenhall. Im Gespräch mit BGLand24.de erzählt die Geschäftsführerin des Stadtmarketings, was den Innenstädten wirklich fehlt.

Bad Reichenhall/München - Die Sperrstunde der Außengastronomie etwa bis Mitternacht verlängern. Dies könne sich Städtetagpräsident Markus Pannermayr (CSU) als einen guten Ansatz zur Belebung der Innenstädte vorstellen. Am Montag trafen sich Vertreter der Bayerischen Staatsregierung, kommunaler Verbände und einige Oberbürgermeister zu einem virtuellen runden Tisch. Das Thema: Wie gestaltet man Bayerns Innenstädte für die Bevölkerung wieder interessanter? Schließlich habe die Corona-Krise wie ein „Brennglas“ die Probleme deutlich aufgezeigt, wie Bauministerin Kerstin Schreyer (CSU) umschreibt. Jede Stadt sei daher gefordert, zu schauen, wie etwa mit mehr Eventcharakter die Ortskerne wiederbelebt werden könnten, so Schreyer. Außerdem verwies die Bauministerin auf ein 100 Millionen Euro schweres Sofortprogramm des Landes. Das Geld könne demnach etwa eingesetzt werden, um Start-Ups zu unterstützen.

„Mit einer Verlängerung der Außengastro retten wir die Innenstädte nicht“

Kritisch werden diese Vorschläge im Stadtmarketing Bad Reichenhall gesehen. Eine verlängerte Sperrstunde der Außengastronomie etwa bringe zwar der Gastronomie etwas, nicht aber dem Einzelhandel, so Geschäftsführerin Dr. Brigitte Schlögl. Dies würden auch die „Freutage“ in Bad Reichenhall zeigen. Am dritten Freitag im Monat haben hier viele Geschäfte länger geöffnet. Dazu gebe es Musik, um „ein bisschen Leichtigkeit“ in die Stadt zu bringen. „Trotzdem reißt um 18 Uhr der Einkauf ab. Die Leute sitzen dann lieber in der Gastronomie, anstatt in die Geschäfte zu gehen“, so Schlögl. Vielleicht habe man sich das angelernt. Der Deutsche habe 18 Uhr wohl als Geschäftsschluss im Kopf. „Also mit einer Verlängerung der Außengastronomie - damit retten wir die Innenstädte nicht. Und das meine ich auch so“, so Schlögl weiter.

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Neugründer haben Angst vor Lockdowns

„Jeder, der jetzt ein neues Geschäft aufmachen möchte, hat Angst, dass noch ein Lockdown kommt. Ob Events daher ein Mittel seien, um die Leerstände in den Innenstädten zu verringern, ist sich Schlögl nicht sicher. „Wir werden Geduld haben müssen, bis die Leute auch das Gefühl haben, dass sie gefahrlos ein Geschäft eröffnen können.“ Die Verunsicherung sei derzeit wohl zu groß.

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Mischkonzepte als Lösung

Wichtig sei jetzt auch Kreativität. „Man braucht nicht das gleiche Geschäft in der 25sten Ausformung.“ Hier brauche es kreative Gründer und dabei gehe es nicht ums Finanzielle. Einfach nur „den Geldhahn von oben aufdrehen“ sieht die Geschäftsführerin deshalb ebenfalls als den falschen Ansatz. Besser wäre das Angebot einer fachlichen Beratung für die Kommunen oder Institutionen und Unternehmer. „Wenn da jemand helfen würde mit Best Practice-Beispielen und einen durch die Prozesse führt - Hilfe zur Selbsthilfe sozusagen - und man danach schaut, wo es Förderungen gibt“, wäre besser, so Schlögl. Man brauche künftig Mischkonzepte für die Städte. „Vielleicht etwas, das es früher gegeben hat, etwas Ungewöhnliches, das man nicht online kaufen kann. Solche Ideen bräuchte man.“

So ein Mischkonzept einer Innenstadt könnte dann etwa Bildung, Geschäfte und Dienstleistung enthalten. „Damit die Leute aus verschiedenen Anlässen in die Stadt gehen.“ Dann seien auch Events möglich, aber etwa in anderer Form wie Kunst im öffentlichen Raum oder auch Performances. Auch die Aufenthaltsqualität in der Stadt sei sehr wichtig. Das zeige gerade das derzeit verbreitete Homeoffice. Es brauche ansprechende Orte, an denen sich Menschen treffen können, wobei wiederum auch die Gastronomie eine wichtige Rolle spiele.

Brauchen Unternehmer mit Mut

Die Stadt Bad Reichenhall stehe laut Schlögl grundsätzlich ganz gut da. „Aber nur zu glauben, wir können wieder zurück wie es vor Corona war, geht nicht. Da hat sich jetzt so viel verändert und das wird bleiben.“ Künftig sei es also auch wichtig, ein gesellschaftliches Umdenken zu erreichen. „Da müssen Unternehmer mit Mut kommen.“

Auch während der Corona-Pandemie hat es in Bad Reichenhall immer wieder Neueröffnungen gegeben, wie etwa ein Unverpackt-Laden. Auch künftig sollen Geschäftsgründungen unterstützt werden. Deswegen hat das Stadtmarketing auch die Frist für den Gründerinnenwettbewerb „sei mutig“ bis Mitte Dezember 2021 verlängert.

ce/dpa

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