Mitarbeiter-Stab verdreifacht, auch Polizei und Bundeswehr als Contact-Tracer

Gesundheitsamt Berchtesgadener Land nennt Corona-Cluster wegen Anfeindungen nicht

Landratsamt Berchtesgadener Land Bad Reichenhall
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Hier im Landratsamt in Bad Reichenhall ist auch das Gesundheitsamt untergebracht, der Mitarbeiterstab wurde seit März 2020 verdreifacht.

Im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie sind sie neben Ärzten und Pflegern am meisten gefordert: die Mitarbeiter im Staatlichen Gesundheitsamt. Das Abarbeiten von positiven Corona-Tests und Ausstellen von Quarantänebescheiden scheint noch die einfachere Arbeit zu sein, das Nachtelefonieren und Aufspüren von Kontaktpersonen gestaltet sich schon schwieriger, oft stimmen Telefonnummern oder E-Mail-Adressen nicht, oft ist die Bereitschaft zur Mitarbeit bei positiv Getesteten auch endend wollend. Immer wieder tauchen Vorwürfe auf, das Gesundheitsamt wäre überfordert, seit Anfang Januar sorgte eine Systemumstellung zudem für eine Verwirrung bei den veröffentlichten Zahlen.

Berchtesgadener Land - BGLand24 hat direkt im Gesundheitsamt nachrecherchiert und erfahren, dass der Mitarbeiterstab seit dem Beginn der Pandemie im März 2020 von damals 15 Mitarbeitern auf mittlerweile 44 Mitarbeiter verdreifacht wurde. „Hinzu kommen derzeit zehn Mitarbeiter aus dem Landratsamt, die unterstützend im Gesundheitsamt tätig sind“, so ein Sprecher. „Externe Hilfe im Kontaktpersonenmanagement erhalten wir zudem durch die Bayerische Polizei und die Bundeswehr. Hier sind täglich - je nach Arbeitsanfall - zwischen 20 und 30 Personen tätig“.


„Anschuldigungen sind unangebracht“

Im Zusammenhang mit Corona-Ausbrüchen und Clusterbildungen in einzelnen, stationären Einrichtungen wie Kliniken oder Seniorenheimen taucht auch immer wieder die Frage auf, warum das Gesundheitsamt diese Cluster nicht benennt, bisher hieß es nur, „um die Betroffenen zu schützen“. Nun präzisiert der Sprecher des Gesundheitsamtes, dass auffällige Cluster und das Infektionsgeschehen in Einrichtungen stets ermittelt würden, auch um alle entsprechenden Maßnahmen einzuleiten. Alle betreffenden Personen und die Angehörigen würden direkt durch das Gesundheitsamt informiert.


Öffentlich machen will das Amt die jeweiligen Einrichtungen aber nicht, „denn in der Vergangenheit ist es aufgrund der öffentlichen Benennung von betroffenen Einrichtungen zu sehr vielen Nachfragen in den Einrichtungen selbst gekommen. Die Arbeit zur Bewältigung des Ausbruchsgeschehens in den Einrichtungen hat oberste Priorität und wird durch die gehäuften Nachfragen unnötig erschwert“. Zudem seien in den Einrichtungen meist nur wenige Bewohner oder nur ein oder zwei Wohnbereiche der Einrichtung betroffen, selten ein ganzes Haus oder die ganze Einrichtung.

„Außerdem hat es in der Vergangenheit aufgrund der Veröffentlichung leider teilweise verbale Anfeindungen und Anschuldigungen gegenüber der Einrichtung und deren Mitarbeiter gegeben. In Anbetracht der hervorragenden Leistung des Pflegepersonals und aller Mitarbeiter in den Einrichtungen, die seit fast einem Jahr unter schwierigen Bedingungen Höchstleistung erbringen, sind solche Anschuldigungen höchst unangebracht“.

Zahlen Wirr-Warr seit Jahresbeginn

Wer die Infektionszahlen im Landkreis genau verfolgt stieß seit Anfang des Jahres auf einige Ungereimtheiten, so meldete das RKI zeitweise mehr Neuinfektionen als das Gesundheitsamt in Bad Reichenhall, als Grund wurden Mehrfachnennungen „wegen einer Systemumstellung“ genannt, das RKI habe einzelne Fälle schlichtweg doppelt und dreifach gemeldet bekommen. Nun scheinen die Zahlen wieder übereinzustimmen, seit Mittwoch dieser Woche weist das Gesundheitsamt auch wieder, wie die Monate zuvor, die Zahl der Aktiv Infizierten aus.

Der 7-Tage-Richtwert an Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner – hier im Vergleich mit dem benachbarten Salzburg – lag im BGL tagelang bei einem Wert weit über 300.

Jetzt erklärt das Gesundheitsamt auch erstmals genauer, was es mit der „Systemumstellung“ auf sich hat: „Die Meldung von Befunden durch die Labore an das Gesundheitsamt wird seit dem 1. Januar über das „Deutsche Elektronische Melde- und Informationssystem für den Infektionsschutz“ (DEMIS) übermittelt. Aufgrund dieser Systemumstellung wurden insbesondere in der ersten Januarwoche vielfach Befunde mit fehlenden oder falschen Angaben zu den positiv getesteten Personen an das Gesundheitsamt übermittelt. Auch kommt es vor, dass zu einer Person mehrere Befunde mit teils leicht abweichenden Bezeichnungen und Namen übermittelt werden“. Für die Gesundheitsämter sei dies mit entsprechenden Schwierigkeiten und erheblichem Mehraufwand sowohl bei der Meldung von positiven COVID- 19-Fällen, als auch im Bereich des Kontaktpersonenmanagements verbunden gewesen.

Wann hat BGL wieder eigenen Leiter des Gesundheitsamtes?

Seit Herbst 2020 hat das Gesundheitsamt in Bad Reichenhall keinen Leiter, also zumindest keinen eigenen. Der Leiter des Gesundheitsamtes Traunstein, Wolfgang Krämer, managet vorübergehend auch das Amt für das Berchtesgadener Land. Für die Suche nach einem neuen, eigenen Leiter ist das Bayerische Gesundheitsministerium zuständig, für die Besetzung und Einstellung die Regierung von Oberbayern zuständig, die Stelle der Gesundheitsamtsleitung im Berchtesgadener Land ist derzeit öffentlich ausgeschrieben.

hud

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