Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für . Danach können Sie gratis weiterlesen.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf
  • Jetzt für nur 0,99€ im ersten Monat testen
  • Unbegrenzter Zugang zu allen Berichten und Exklusiv-Artikeln
  • Lesen Sie nahezu werbefrei mit aktiviertem Ad-Blocker
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

+++ Eilmeldung +++

Urteil am Donnerstag

Masern-Impfpflicht bleibt: Bundesverfassungsgericht weist Eltern-Klagen ab

Masern-Impfpflicht bleibt: Bundesverfassungsgericht weist Eltern-Klagen ab

Wohlfühl-Oase Königlicher Kurgarten

Blumenpracht und betörende Düfte begeistern Besucher in Bad Reichenhall

Personal von links: Frau Winterberg, Herr Aicher, Azubi Manuel Dziedziol
+
Personal von links: Frau Winterberg, Herr Aicher, Azubi Manuel Dziedziol

Wer derzeit Gelegenheit hat gemütlich durch den Königlichen Kurgarten in Bad Reichenhall zu schlendern, darf ein wahres Festival für alle Sinne erleben. Die wunderbar ideenreich bepflanzten Blumenrabatten verwöhnen die Augen, Vogelgezwitscher, das Plätschern des großen Solespringbrunnens oder das leise Rieseln salzhaltiger Sole im Gradierhaus beruhigen das Gehör und der süßliche Duft von Vanille umschmeichelt die Nase.

Bad Reichenhall – Das dies alles kein Zufall ist, sondern viel Vorbereitung und Pflege während des ganzen Jahres bedarf, darüber gab Claudia Winterberg von der Kurgärtnerei im Bayerischen Staatsbad Bad Reichenhall bereitwillig Auskunft. Wie sie informiert, setzt sich das Servicecenter-Liegenschaftsservice aus drei Aufgabenbereichen zusammen und beschäftigt derzeit 33 Mitarbeiter.

Einmal ist da der Betriebshof, der sich etwa um die Pflege der Rasen- und Wegeflächen, das Schneiden der Hecken und Bäume ebenso die Reinigung und Instandsetzung der Parkmöblierung und zu guter Letzt auch die Müllbeseitigung kümmert. Dann die Gebäudetechnik, die sich der Instandhaltung der historischen Gebäude, des Gradierhauses ebenso wie der Brunnen und Kneippanlagen annimmt. Die dritte Einheit ist die Kurgärtnerei, die heute die Hauptrolle spielen darf.

Frau Winterberg ist im Bereich Gärtnerei Assistentin der Agraringenieurin Anja Erber. Frau Winterberg kommt ursprünglich aus Halberstadt in Sachsen-Anhalt und arbeitet nun seit 22 Jahren als Zierpflanzengärtnerin, acht Jahre davon bei der Kur-GmbH – für sie ein wunderschöner Arbeitsplatz. Als Hauptaufgabe betreut sie den Bereich der RupertusTherme, innen wie außen, in dem es besonders viele Kübelpflanzen zu pflegen gilt.

Blumenrabatte in Grünflächen zweimal jährlich neu geplant

Während einige Bereiche im Königlichen Kurgarten, etwa unter den vielen alten Bäumen, mit mehrjährigen Pflanzen wie Schneerosen, Purpurglöckchen, Frauenmantel, Gräser, Farne, Hortensien und diverse Blühzwiebeln sozusagen eigenständig gedeihen, werden die Blumenrabatten in den Grünflächen jedes Jahr zweimal neu geplant und farblich sowie gestalterisch jedes Mal anders arrangiert.

So war die Parkanlage im Jubiläumsjahr „150 Jahre Königlicher Kurgarten“ in 2018 im Frühjahr mit edel erscheinenden weißen und blauen Blumen bepflanzt. Im letzten Sommer wurde, auf Wunsch der damaligen Geschäftsführerin der Kur-GmbH, Mag. Gabriela Squarra, in einer Kombination aus gelben, orangen und roten Blumen gestaltet. Damit die Blumenrabatten so wundervoll aussehen und wirken, ist laut Frau Winterberg eine lange Vorlaufzeit notwendig. Immerhin blühen im Königlichen Kurgarten in diesem Sommer etwa 27.000, mit Ausnahme des winterharten Storchenschnabels, allesamt einjährige Zierpflanzen.

Viel Arbeit auch im Winter

Alleine 6000 davon wachsen im sogenannten „Holländischen Beet“ vor der Konzertrotunde, welches seit 2017 wieder die überlieferte, historische Form zurückerhielt. Weitere 6000 gedeihen im Kurpark Bayerisch Gmain, den die Kurgärtnerei und der Betriebshof mitbetreuen.

Dazu kommen insgesamt etwa 300 sogenannte Kübelpflanzen in denen etwa Wandelröschen, Eisenholzbäumchen, Zierpalmen verschiedener Arten oder Veilchenbäume sprießen. Diese schmücken nur im Sommer die Blumenrabatten oder wachsen in frei stehenden Pflanzkübeln im Kurgarten beziehungsweise in den Innenbereichen. Im Winter sind sie in den Gewächshäusern der Kurgärtnerei fachgerecht zur Überwinterung aufgestellt und werden dort sorgsam gepflegt.

Viele Entscheidungen „aus dem Bauch heraus“

Federführend kümmert sich um diese Aufgabe ihr Kollege Albert Aicher, der zudem für die richtige Mischung der insgesamt benötigten Pflanzerde zuständig ist. In diesem Jahr entstand der Bepflanzungsplan ohne feste Vorgaben in den Köpfen von Frau Winterberg, ihrer Kollegin Steffi Prechtl und der Floristin Bettina Geigl. Gefragt war hier in erster Linie gärtnerisches Wissen und Kompetenz. Viele Entscheidungen wurden aber auch aus dem Bauch heraus und dem Gefühl folgend getroffen. Mit der Entscheidung für eine große Farbenvielfalt wollte das Trio in Abstimmung mit der Geschäftsführung „Sonne in die Stadt holen“. Zusätzlich sollten sich im Wind wiegende Gräser, Bewegung in das Ambiente bringen.

Neben den unterschiedlichen Farben wurde darauf geachtet, dass alle Pflanzen auch Trockenheit vertragen und den Bienen, Insekten und Schmetterlingen Nahrungsquelle sind. Im Bereich der Ruhebänke wurde die lila blühende Vanilleblume gepflanzt, um zusätzlich zur Strahlkraft der Blüten, auch feine Düfte für die Nase verströmen zu lassen. Es muss laut Frau Winterberg auch nicht immer alles Ton in Ton sein. Ein knalliger Tupfer in Pink ist durchaus erlaubt, wie dies etwa im Teppichbeet vor dem großen Sole-Springbrunnen umgesetzt wurde.

Entwürfe werden digitalisiert und Fläche berechnet

Nachdem die Planerinnen ihre Ideen zu Papier gebracht hatten, digitalisierte der Leiter des Servicecenters Christian Braun die Entwürfe und berechnete die je Blumenart zu bepflanzende Fläche. Zufrieden schmunzelnd stellt Claudia Winterberg fest, dass die Planung mit 22 Pflanzen pro Quadratmeter Pflanzfläche eine Punktlandung war und alles in Natura nun auch so wirkt, wie sich die drei „kreativen Schöpferinnen“ der Arrangements, dies bereits im Kopf visualisiert hatten. Der überwiegende Teil der Sommerblumen wurde selber gezogen, beziehungsweise von speziellen, in Deutschland angesiedelten Fachbetrieben als Jungpflanzen geliefert. Ein Teil wurde aus Samen oder durch Stecklinge gezogen, was zum Ausbildungsschwerpunkt der derzeit sieben in der Kurgärtnerei lernenden Auszubildenden gehört.

Die Ausbildungszeit zum Zierpflanzengärtner dauert normal drei Jahre, in denen die jungen Frauen und Männer unter anderem bis zu 350 botanische Namen von Pflanzen aneignen müssen. Azubis mit höherem Schulabschluss lernen nur zwei Jahre. Zierpflanzengärtner ist einer von insgesamt sieben möglichen gärtnerischen Fachbereichen. Wie Claudia Winterberg einlädt, können Interessierte jederzeit auch zum „Schnuppern“ kommen.

Kontrolle und Pflege unumgänglich

Ist etwa Mitte Mai erst einmal alles bepflanzt, muss alles auch regelmäßig gepflegt werden. Täglich führen die Gärtner selber, oder andere Mitarbeiter des Servicecenters Kontrollgänge durch, begutachten den Zustand der Blumen und Pflanzen und schauen nach Schädlingsbefall. Wird etwas gravierendes festgestellt, muss möglichst umgehend reagiert werden.

Gerade die Schädlingsbekämpfung stellt oft eine große Herausforderung für das Team dar, da im Kurgarten keinerlei Pestizide eingesetzt werden. Da bleibt oft nur das Absammeln von Schädlingen und zupfen des Unkrautes. Gegossen wird mit Regenwasser aus den Zisternen nach Bedarf. Grundsätzlich wird generell versucht, den Wasserbedarf durch regelmäßiges Hacken zu minimieren. Wie Claudia Winterberg sagte, ersetze einmal Hacken etwa drei Mal Gießen!

Vorbereitung für die Herbstbepflanzung im Oktober

Anfang Oktober, wenn notwendig auch bereits früher, gehen die Mitarbeiter des Betriebshofes und der Kurgärtnerei daran, die abgeblühten Beete abzuräumen, die Kübelpflanzen in deren Winterquartier zu bringen und die Beete zu fräsen, zu düngen und für die Herbstbepflanzung vorzubereiten. Für die frei gewordenen Beete warten in der Kurgärtnerei bereits exakt für die Flächen vorbereitete Blumenpakete, die zielgenau nach Plan gepflanzt werden können.

Sehr positiv nehmen Frau Winterberg und ihre Kollegen das oft ausgesprochene Lob der Besucher direkt vor Ort wahr. Aber auch über Postkarten, Leserbriefe, Berichte oder Artikel in den Medien werde ihnen allen große Wertschätzung entgegengebracht. Auf einer Dankeskarte bedankte sich ein Kurgast etwa dafür, dass das wunderbare Ambiente des Königlichen Kurgartens maßgebend zu seiner Genesung beigetragen habe.

Führungen im Sommer

Gerne führen die Fachleute der Kurgärtnerei auch Interessierte erklärend durch den Garten. Solche gärtnerischen Führungen finden im Sommer jeden zweiten Montag um 14 Uhr, oder außertourlich nach Vereinbarung, statt. Außergewöhnlich ist es laut Frau Winterberg auch, dass der Königliche Kurgarten unentgeltlich genutzt werden kann. Geöffnet ist dieser vom 1. April bis 31. Oktober täglich von 7 Uhr bis 22 Uhr und vom 1. November bis 31. März von 7 Uhr bis 18 Uhr.

Alle weiteren Parkanlagen sind rund um die Uhr begehbar. Ein besonderes Licht- und Klangerlebnis wird Besuchern am 5. Juli unter dem Titel „hall.erleuchtet“ geboten. Karten können hierfür bei den üblichen Vorverkaufsstellen und an der Abendkasse gelöst werden. Allerdings ist das Kontingent in diesem Jahr begrenzt.

wb

Kommentare