Traunsteiner schon mehrfach vorbestraft

Alter Bekannter: Polizisten brechen Lanze für Angeklagten

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Traunstein - Wegen eines ganzen Straußes an Anklagepunkten muss sich ab heute ein Traunsteiner vor dem Landgericht verantworten - und das alles soll er innerhalb von dreieinhalb Monaten begangen haben.

Update, 12.20 Uhr

Einige Polizisten sollen sich nun zum Angeklagten äußern - die Dienstälteren kennen Andreas B. schon lange. Er ist vielfach vorbestraft, in Traunstein bestens polizeibekannt. Nach seiner letzten Haftentlassung sei er nach nur vier Wochen wieder eingefahren, so einer der Polizisten. Trotzdem legen die Beamten gute Worte für den Angeklagten ein.

"Im Umgang ist er ehrlich und anständig. Ich habe mit dem Herrn B. nie ein Problem gehabt", sagt einer der Zeugen. Ein weiterer Polizist äußert: "Ich kenne ihn schon über zehn Jahre. Er war immer höflich, es gab sonst nie Probleme." Auch der Angeklagte findet gute Worte: "Danke an den Polizisten. Er hat mir damals geholfen, als ich auf der Straße gestanden bin."

Andreas B. wirkt sicher vor Gericht. Er vertritt selbstbewusst seine Standpunkte, ohne dabei ausfallend oder unsachlich zu werden. Fürs Gericht steht inzwischen fest, dass die Delikte wegen Körperverletzung und des gefährlichen Eingriffs in den Straßenverkehr fallen gelassen werden. Man ist sich einig, dass die Geschädigte den Angeklagten wohl "hinhängen" wollte.

Die Verhandlung wird am Donnerstag fortgesetzt. Geklärt werden soll dann, was am 27. Dezember 2016 wirklich im Asylbewerberheim an der Traunsteiner Seuffertstraße passiert sein soll - der letzte, noch wirklich ungeklärte Fall in der Verhandlung gegen Andreas B.

Update, 11 Uhr

Andreas B. (Name von der Redaktion geändert) wirkt gelassen, als der Staatsanwaltschaft die Anklageschrift vorliest. Auffällige Tätowierungen zieren seinen Hals, er ist vorbestraft. "Wir gehen davon aus, dass eine Verurteilung wahrscheinlicher ist, als ein Freispruch", sagt der Vorsitzende Richter Zenkel gleich zu Beginn.

Einen Teil der Vorwürfe gesteht Andreas B.: "Ja, das Rauschgift hab' ich mal probiert, aber das hat mit Amphetamin ja nix zum tun gehabt", sagt der Angeklagte zur Qualität des Stoffs. Nahe der Traunerstraße habe er es versteckt: "Das wäre nur für mich gewesen, verkaufen wollte ich es eh nicht." Das Versteck habe er der Polizei selbst gezeigt.

Den Einbruch in die Kneipe an der Kammererstraße in Traunstein gesteht er auch ein: "Ja, da bin ich eingestiegen. Hab' bissl Geld für den Konsum gebraucht", erklärt der Angeklagte. Acht Tablets und 600 Euro ließ Andreas B. dort mitgehen. Auch den Handy-Diebstahl in der Turnhalle an der Wasserburger Straße gibt er zu.

"Ok, und was war am Asylbewerberheim?", fragt Richter Zenkel. Mit einem der Bewohner in der Seuffertstraße war Andreas B. bekannt. Wegen einer Meinungsverschiedenheit habe er ihn besucht - "und weil ich mir was zum Rauchen holen wollte".

Der Streit habe so geendet, dass er von acht oder neun der Flüchtlinge attackiert und am Boden liegend getreten worden sei. Die Waffen habe er nur zufällig im Rucksack dabei gehabt, schließlich sei er nicht in böser Absicht ins Asylbewerberheim: "Warum soll ich die überfallen? Ich weiß ja, dass die alle nix haben."

Die Sache mit dem Würgen einer Bekannten und mit dem provozierten Verkehrsunfall wurde dagegen vor Gericht eingestellt. Die Geschädigte habe sich in den Vernehmungen mehrfach widersprochen. Nun werden die ersten Zeugen geladen - strittig ist schließlich noch der angebliche Überfall auf das Asylbewerberheim.

Vorbericht

Im Detail wirft die Staatsanwaltschaft dem 41-jährigen Traunsteiner sieben Delikte vor:

  1. Im September 2016 soll er rund 150 Gramm Amphetamin bekommen und an der Traun versteckt haben.
  2. In deren Wohnung soll er eine Frau bis zur Bewusstlosigkeit gewürgt haben.
  3. In Haidforst soll er einen Verkehrsunfall provoziert haben und
  4. danach geflüchtet sein.
  5. Der Traunsteiner soll in eine Kneipe eingebrochen und acht Tablets sowie Bargeld gestohlen haben.
  6. Aus der Umkleide einer Turnhalle soll der Mann Handys geklaut haben.
  7. Mit Gaspistole, Messern, Pfefferspray und Schlagstock wollte er im Dezember 2016 angeblich eine Asylbewerberunterkunft überfallen, konnte von den Bewohnern aber überwältigt werden.

Der Prozess beginnt um 9 Uhr. Angesetzt sind zwei weitere Verhandlungstage am 7. und 11. September. 

chiemgau24.de wird am Montag aktuell aus dem Gerichtssaal berichten.

xe

Quelle: chiemgau24.de

Rubriklistenbild: © picture-alliance/ dpa

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