Erweiterungsbau doppelt so teuer wie geplant

Kostenexplosion bei Doku Obersalzburg: Ministerium leitet juristische Schritte ein

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Berchtesgaden/München - Der Umbau des NS-Dokumentationszentrums auf dem Obersalzberg bei Berchtesgaden entwickelt sich zum Finanzdebakel. Das Bayerische Staatsministerium für Wohnen, Bau und Verkehr macht nun ein Planungsbüro für die Kostenexplosion verantwortlich.

Der Umbau des NS-Dokumentationszentrums auf dem Obersalzberg entwickelt sich zum Finanzdebakel: Nach der neuesten Schätzung des Bauministeriums wird das Projekt in den Berchtesgadener Alpen nun 30 Millionen Euro kosten. Das ging letzte Woche aus einem Schreiben des Ministeriums an den Haushaltsausschuss des Landtags hervor. Das ist mehr als doppelt so viel wie die ursprünglich vorgesehenen 14,3 Millionen Euro. Schon 2017 hatte es großen Unmut gegeben, weil die Kosten auf mehr als 21 Millionen Euro gestiegen waren.

Juristische Schirtte eingeleitet

Das Bayerische Staatsministerium für Wohnen, Bau und Verkehr hat nun auf Anfrage des Reichenhaller Tagblattes erklärt, dass es beim Neubau zu keinen "Planungsfehlern" gekommen sei: "Das ist falsch und das weisen wir massiv zurück", so eine Ministeriumssprecherin. Bei der Kostensteigerung soll es sich laut Ministerium zum größten Teil um Mehrkosten handeln, die "durch die schleppende und mangelhafte Lieferung von Plänen" entstanden seien. Dies wäre auch die Ursache für den erheblichen Verzug bei den Bauarbeiten.

Die Kosten, die durch Dritte verursacht worden seien und im Nachtrag enthalten sind, würden später nicht vom Freistaat Bayern getragen werden, "sondern vom Verursacher eingefordert". Gegen das Planungsbüro wurden bereits "juristische Schritte" eingeleitet, so die Ministeriumssprecherin gegenüber dem Reichenhaller Tagblatt weiter.

"Täterort" Obersalzberg 

Bereits 2016 erlangte der Erwetierungsbau der Doku Obersalzberg eine unrühmliche Ehre: Es war im Schwarzbuch des Bundes für Steuerzahler aufgeführt. Geldverschwendungen durch die öffentliche Hand wurden bereits damals kritisiert. Um 46 Prozent waren bereits zu dieser Zeit die geplanten Kosten überschritten worden. Auch 2017 hatte es viel Kritik im Landtag an der Überschreitung des damaligen Kostenrahmens gegeben: Der Obersalzberg ist als ehemaliges Feriendomizil der NS-Spitze ein "Täterort". Die Gedenkorte an die vielen Millionen Toten des NS-Regimes in den ehemaligen Konzentrationslagern aber sind finanziell schlechter ausgestattet.

mh

Quelle: BGland24.de

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