Immer mehr Todesfälle:

High-Risk-Biker: "Uneinsichtig bis zum Tod"

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Mit der Kontrollgruppe Motorrad unterwegs auf dem Sudelfeld
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Sudelfeld - Im Kampf gegen die sogenannten "High-Risk-Biker" führt die Polizei in Oberbayern eine neue Kontrollgruppe ein. Wie die Beamten die Raser mit den eigenen Waffen schlagen wollen:

Schönes Wetter, warme Temperaturen und eine kurvige Strecke: Ein Fest für viele begeisterte Motorrad-Freunde, nicht nur in Oberbayern. Die Kehrseite der Medaille: Allein in diesem Jahr verzeichnet die Polizei im Bereich des Präsidiums Oberbayern Süd bereits insgesamt 12 Todesfälle von Motorradfahrern, eine Steigerung zum Vorjahr von knapp 70 Prozent. Häufigste Unfallursache: Massiv überhöhte Geschwindigkeit und wenig Fahrerfahrung. Wie die Polizei nun mit einer bayernweit einzigartigen Initiative gegen die sogenannten "High-Risk-Biker" vorgehen will.

Seit März 2015 schickt das Polizeipräsidium Oberbayern Süd seine eigenen Biker auf die Strecke. Die Beamten der Kontrollgruppe Motorrad verrichten ihren Dienst auf der Straße dabei im Nebenamt. Das bedeutet, dass die uniformierten Motorrad-Freunde neben ihrem regulären Dienst in den jeweiligen Polizeiinspektionen in Zusatzschichten auf die dienstlichen Maschinen steigen, vollkommen freiwillig. Alle acht Mitglieder der Kontrollgruppe befassen sich auch in ihrer Freizeit mit dem Thema Motorrad und das ist auch genau so gewollt, wie Walter Stumbeck, der Leiter der Autobahnpolizeistation Holzkirchen erklärt:

Mit Spezialisten gegen Spezialisten

"Die Personen, die wir im Visier haben sind Spezialisten, schrauben oft selbst an ihren Maschinen und verändern die Motorräder in Bereichen, die einem ungeschulten Auge meist gar nicht auffallen. Diesen Spezialisten setzen wir jetzt unsere eigenen Spezialisten entgegen", so Stumbeck, dem die Kontrollgruppe des Polizeipräsidiums direkt unterstellt ist. Spezielle Schulungen am Fortbildungsinstitut der Polizei in Ainring, Workshops direkt bei den Motorrad-Herstellern und auch ständige interne Weiterbildungen, sollen den ohnehin schon begeisterten Biker-Beamten noch mehr Fachwissen und technischen Sachverstand vermitteln.

Ausgerüstet mit mehreren speziellen Video-Fahrzeugen, den sogenannten "ProVida"- Autos und Motorrädern, Laser-Geschwindigkeitsmessern und Pegel-Messgeräten für die Lautstärke nehmen die Beamten bei herrlichem Biker-Wetter die Brennpunkte ins Visier. Sudelfeld, Kesselberg, Samerberg, Maserer-Pass und viele weitere Strecken, die bei den heimischen und auswärtigen Bikern besonders beliebt sind. Die Beamten setzen dabei in erster Linie auf die Einsicht der ertappten Verkehrssünder. "Wir bekommen dabei sehr viel Feedback und Lob von den Fahrern, die überwiegende Mehrheit weiß unsere Arbeit sehr zu schätzen", erklärt auch Martin Irrgang, der Leiter des Sachbereichs Verkehr beim Polizeipräsidium Oberbayern Süd.

Bilder von den Verkehrskontrollen am Sudelfeld

Kontrollen der Motorrad-Spezialisten am Sudelfeld

Martin Irrgang geht von einem Anteil von ungefähr 2 Prozent an sogenannten "High-Risk-Biker" an der Gesamtheit aller Zweiradfreunde aus. Einen typischen Raser gibt es schon lange nicht mehr, so der Polizist. "Das ist mittlerweile sehr gemischt, da ist alles zwischen 18 und 70 Jahren dabei", berichtet auch Jan Zangenfeind, Polizist bei der APS Holzkirchen und einer von acht Mitgliedern der Kontrollgruppe Motorrad. Bis zum heutigen Tag haben er und seine Kollegen seit März bereits 1.400 Kontrollen durchgeführt. 308 Ordnungswidrigkeiten, 123 Verwarnungen und 18 Straftaten wurden dabei festgestellt. "Das entspricht einer Beanstandungsquote von knapp 30 Prozent, das ist ein immens hoher Wert", verdeutlicht Martin Irrgang.

"Uneinsichtig bis zum Tod"

"Am Sudelfeld und auch am Kesselberg wurden alle Unfälle, die sich mit Motorradfahrern in diesem Jahr ereignet haben auch von diesen verursacht", ergänzt der Sachbereichsleiter. "Es sind weniger die Touristen oder Gäste die dort richtig Gas geben. Meistens sind es die Einheimischen", erzählt Jan Zangenfeind von seinen Erfahrungen. Dabei kommen zum Teil sogar Späher zum Einsatz, die die Strecken vorab erkunden und den Freunden dann "grünes Licht" geben. "Uneinsichtig bis zum Tod", beschreibt er die Raser, die bei ihren Spritztouren sich selbst und auch die anderen Verkehrsteilnehmer stark gefährden.  

Quelle: rosenheim24.de

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