Die braune Spur führt nach Kolbermoor

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Rosenheim/Kolbermoor - Offenbar war der rechtsextreme Bundespolizist in Kolbermoor aktiv. Es wäre nicht das erste Mal, dass die Kleinstadt in dieser Hinsicht negativ auffällt.

Wie rosenheim24 nun recherchierte, spielte der Bundespolizist, gegen den die GSG 9 eingesetzt wurde, eine größere Rolle in der rechtsextremen Szene als bisher bekannt. Die Spur führt nach Kolbermoor.

Hintergrund:

Ein Hauptziel der EA ist die Abschaffung des Straftatbestands der Volksverhetzung. Die Gruppe wurde gegründet vom Holocaustleugner Bernhard Schraub. Die Ausrichtung der EA gilt als stark antisemitisch und antiamerikanisch.

Offenbar hatte der 42-Jährige nicht nur, wie vom Spiegel berichtet, Kontakt zur rechtsextremen Gruppierung „Europäische Aktion in Deutschland“ (EA), sondern leitete möglicherweise sogar deren „Informationsstelle Süddeutschland“ - sozusagen die regionale Kontaktadresse.

Fakt ist: Zumindest auf einem Papier dieser Gruppierung ist die Anschrift einer Informationsstelle in Kolbermoor angegeben, mitsamt einer Telefonnummer und einem Postfach. Diese Telefonnummer ist mittlerweile aber nicht mehr erreichbar. Möglicherweise hat dies mit dem GSG 9-Einsatz bei dem Polizisten am 18. Oktober zu tun.

Als die Sondereinheit die Wohnung des Mannes durchsuchte, fand sie mehrere Flugblätter der EA und stellte auch Dateiträger sicher.

Auf Anfrage von rosenheim24, bestätigte das Bayerische Landesamt für Verfassungsschutz zwar, dass es sich bei der EA um eine "ganz klar rechtsextremistische Vereinigung" handle. Diese habe auch "Strukturen in Bayern" aufgebaut. Inwieweit der Bundespolizist darin verwickelt sei, wollte man jedoch mit Verweis auf die laufenden Ermittlungen gegen ihn nicht preisgeben.

Die Pressestelle der Bundespolizeiinspektion Rosenheim erklärte auf unsere Anfrage, dass es nach bisherigen Erkenntnissen im dienstlichen Bereich keine Versuche des Bundespolizisten gegeben habe, andere Kollegen in die rechtsextreme Szene einzuführen.

Bislang ist nur bekannt, dass der Mann aus dem Landkreis Rosenheim stammt. Eine genauere Einschränkung seines Wohnortes und eine Bestätigung, dass der Mann aus Kolbermoor stammt, lehnte man auf Anfrage ab.  

Wahlerfolge und Straftaten 

In der Vergangenheit machte die Kleinstadt mehrfach wegen der Wahlerfolge der rechten Partei "Die Republikaner" und rassistischer Gewalttaten deutschlandweit Schlagzeilen.

So erreichten die Republikaner bei der Europawahl 1999 einen Stimmenanteil von 29,1 Prozent. Es war das bundesweit beste Wahlergebnis in der Geschichte der Partei. Bei der jüngsten Stadtratswahl 2008 holten sie 10,8 Prozent - bayernweit dagegen im Vergleich nur 1,0 Prozent.

Trauriger Tiefpunkt war der tödliche Angriff auf den dunkelhäutigen Carlos F. am 15. August 1999. Roman G. aus Kolbermoor schlug den 35-jährigen Mosambikaner vor der Bar "Cubana" nieder und trat ihm ins Gesicht. Das Opfer erlitt dabei schwerste Gehirnverletzungen und starb im Krankenhaus. Die Nürnberger Nachrichten zitierten den Täter mit den Worten: „Die Drecksneger gehören alle totgeschlagen“.

Schon 1992 kam es in Kolbermoor zu einem Angriff auf Migranten. Als eine Welle rassistischer Aschläge auf Asylheime durch das Land schwappte, zündeten zwei Neonazis am 12. Oktober 1992 eine Rohrbombe bei einer Flüchtlingsunterkunft.

Auch der GSG9-Einsatz gegen den Bundespolizisten brachte deutschlandweit ein großes Medienecho. Sollte sich der Einsatz in Kolbermoor abgespielt haben, worauf Indizien hindeuten, wäre dies leider ein weiterer Punkt auf dieser Liste - und äußerst ärgerlich für die breite demokratische Mehrheit der Bürgerinnen und Bürger in der Stadt.  

mg

 

Quelle: rosenheim24.de

Rubriklistenbild: © pa

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