Polizei bittet um Anzeigen

Kein Witz: Körperverletzung im Internet

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Straftaten im Internet: Sogar via Facebook und Twitter kann es zu Körperverletzungen kommen.
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Landkreis – Straftaten gibt es in der Region genug. Doch es kommen immer mehr „virtuell“ hinzu. Das Polizeipräsidium Oberbayern Süd erklärt, warum es sogar im Netz zu Körperverletzungen kommen kann.

Armin Niederreiner ist mit der Kraft am Ende. Der 52-Jährige wird seit vielen Wochen über einen öffentlichen Account auf Facebook und Twitter beleidigt und gemobbt. „Die Schwelle zum Normalen ist schon längst überschritten“, so Niederreiner im Gespräch mit wasserburg24.de.

Mit allgemeiner Meinungsfreiheit hätten die Äußerungen auf besagter Seite schon lange nichts mehr zu tun, vielmehr würden Persönlichkeitsrechte verletzt und das eigene Umfeld mit „in den Dreck“ gezogen, erklärt der Familienvater aus Wasserburg. „Weil ich mich ehrenamtlich für eine Hilfsorganisation einsetze, wurde mein Name und mein Tun von einer Gemeinschaft abgewertet und ich persönlich derart öffentlich im Netz beleidigt, meine Fotos auf meinen Accounts und auch meine Posts seit vielen Wochen ins Negative gerückt, dass ich sogar Strafanzeige erstattet habe“, so Niederreiner.

Genau dies sei besonders wichtig, heißt es von Stefan Sonntag vom Polizeipräsidium Oberbayern Süd. „Die Polizei ist auf Anzeigen durch die Bürger angewiesen, um Missstände besser aufklären zu können, die im Internet, speziell auf Facebook und Twitter passieren“, so Sonntag im Gespräch mit wasserburg24.de. Auch zukünftig werde sich die Polizei deutlich mehr um dieses Problem kümmern müssen, heißt es aus dem Präsidialbüro.

„Die Region kommuniziert verstärkt über soziale Netzwerke, sehr schnell und vielfältig werden Nachrichten weitergegeben und veröffentlicht. Leider bewegen sich viele Aussagen und Meinungen am schmalen Grad des rechtlich Korrekten“.

Wie im realen Leben, gebe es zunehmend auch speziell auf Facebook und Twitter Fälle von Beleidigung, Mobbing und sogar Körperverletzung. Wenn es bei der Polizei angezeigt werde, verfolge die Polizei dies. „Wir müssen Kenntnis davon erhalten über diese Straftaten, darum ist es nötig, dass Opfer uns Fälle melden“, betont Stefan Sonntag auf Nachfrage. Armin Niederreiner hat allen Mut zusammengenommen und Anzeige erstattet. Doch bei den Ermittlungen kommen oftmals Hürden auf. „Facebook ist kein deutsches Unternehmen, die datenschutzrechtlichen Bestimmungen sind in den USA anders als in Deutschland“, erklärt Stefan Sonntag.

Man müsse sich mit dem Betreiber auseinandersetzen und stetig und vehement darauf pochen, bis endlich Namen und Adressen von Account-Nutzern an die Polizei weitergegeben würden. „Zudem ist die Gefahr groß, dass spezielle Accounts unter Alias-Personalien ohne tatsächliche Fakten und nachvollziehbaren Kontaktdaten angemeldet werden“, weiß Stefan Sonntag. „Dennoch bleiben Beleidigung, Körperverletzung und Mobbing auch im Netz Straftaten und müssen geahndet werden“, zeigt sich die Polizei überzeugt.

Körperverletzung im Netz?

Massivstes Mobbing kann zu körperlichen Konsequenzen bei dem Opfer führen.

Stefan Sonntag erklärt, dass gezielt gemobbte Bürger sich vom Arzt behandeln lassen oder sogar wegen körperlicher Beschwerden krankgeschrieben werden müssten. Oftmals sei der Tatbestand einer Körperverletzung gegeben. Doch auch wiederholte Nötigung und Beleidigung im Netz seien Dinge, die zur Anzeige gebracht werden können und auch sollten, ruft Sonntag alle Betroffenen dazu auf.

Rechte Gruppierungen nutzen Facebook und Twitter-Accounts um Meinungen zu verbreiten und normale Bürger gezielt zu belästigen oder falsch zu beäugen, bestätigt auch die Polizei. „Gerade in Niederbayern gibt es Gemeinschaften und Gruppierungen, die sich klar am Rande des Legalen bewegen“, berichtet Stefan Sonntag. „Die Polizei und der Verfassungsschutz haben hier jedoch definitiv ein Auge drauf und auffällige Äußerungen und Propaganda wird gezielt beobachtet , so Sonntag gegenüber wasserburg24.de.

Wenn Straftaten festgestellt würden, käme es zu weiterer Ermittlungsarbeit und Verfolgung dieser Tatbestände, heißt es aus dem Polizeipräsidium abschließend. Egal ob auf Facebook, Twitter oder allgemein auf Internetseiten.

Für Armin Niederreiner hört der Horror mit den Demütigungen, Beleidigungen und dem gezielten Mobbing und der Rufschädigung trotz Anzeige aktuell noch nicht auf. „Doch ich lasse mich nicht davon abbringen, mich dagegen zu wehren und habe immerhin schon erreicht, dass diese rechte Gruppe, die mich und meine Facebook- und Twitter-Posts so negativ darstellt, merkt, dass ich kein leichter Gegner ist“, so Niederreiner. Auf dem Account dieser Gruppierung befand sich sogar ein offizielles Landkreiswappen als Tarnung. "Doch hier habe ich herausgefunden, dass hinter Decknamen und offiziellen Mustern eben klar rechte Propaganda betrieben wird, jetzt hat diese Gemeinschaft plötzlich den Namen geändert und auch den Seitenaufbau" zeigt sich Niederreiner überrascht. Die Menschen, die dahinterstecken bleiben jedoch aktiv. Noch habe er die Kraft, sich dagegen zu stemmen, doch es werde sehr beschwerlich, weil er mittlerweile schon um seine Familie und seinen guten Ruf Angst habe“, bestätigt der 52-Jährige.

Experten raten, sich stets an die Polizei zu wenden und mögliche Straftaten unbedingt anzuzeigen, damit das Opfer den Belästigungen nicht allein und vor allem nicht weiter ausgesetzt ist und Ermittlungen anlaufen können. Rechtliche Schritte blieben die effektivste Art, um Ruhe zu bekommen, so die Polizei abschließend.

Quelle: rosenheim24.de

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