Fünf Mordfälle in 15 Monaten!

Rosenheim - Eine traurige Statistik: Fünf Mordfälle gab es in den vergangenen 15 Monaten in und um Rosenheim - viel mehr als in ähnlich großen Städten! Nur Zufall?

Die Zahl der Straftaten im Bereich des Polizeipräsidiums Oberbayern Süd ist seit Jahren rückläufig. Aber gefühlt ist der Bürger derzeit Teil des kriminellen TV-Wahnsinns der "Rosenheim Cops": jede Woche ein neuer Mordfall. Tatsächlich haben seit 30. August 2010, also seit 15 Monaten, fünf zumeist junge Frauen in Stadt und Landkreis Rosenheim ihr Leben lassen müssen. Ermordet wurden sie ausnahmslos von ihren (Ex-)Lebensgefährten oder (Ex-)Ehemännern.

Brutaler Doppelmord in Rosenheim:

Die Suche nach dem Doppelmörder Franz Müller, der Ende August 2010 seine Ex-Frau Lacramioara (37) erschlagen und seinen Sohn Marcus (3) erhängt hatte, hielt die Stadt wochenlang in Atem. Der gebürtige Rumäne, der zum Mörder wurde, weil er dachte, seine Ex-Frau habe ihn betrogen, erhängte sich wenige Tage nach der Tat in einem Schuppen.

Der Fall Müller - eine Chronologie

Leichenfund in der Äußeren Münchener Straße

Der "Rosenmord von Rosenheim":

Im Oktober 2010 dann beschäftigte der "Rosenmord von Rosenheim" die Medien. Ralf Müller hatte - vermutlich nach einem Streit aufgrund akuter Geldsorgen - seine 51-jährige Gattin Anne in der Badewanne ertränkt. Ralf Müller hatte - vermutlich nach einem Streit aufgrund akuter Geldsorgen - seine 51-jährige Gattin Anne in der Badewanne ertränkt. Ralf Müller hatte - vermutlich nach einem Streit aufgrund akuter Geldsorgen - seine 51-jährige Gattin Anne in der Badewanne ertränkt. Anschließend soll er sie im ehelichen Schlafzimmer auf Rosen gebettet haben. Auch Ralf Müller nahm sich das Leben, er erhängte sich in seiner Gefängniszelle in Traunstein.

Ehefrau tot - das Wohnhaus in der Tegernseestraße

Festnahme Ralf M.

Mord in Albaching:

Ein weiteres Familiendrama ereignete sich dann im Dezember 2010 in Albaching. Ein 68-Jähriger brachte seine junge, von den Philippinen stammende Ehefrau um. Mit einem Prügel schlug er auf den Hinterkopf der Frau ein, ehe er die Wehrlose erwürgte. Als Motiv gab der Ex-Kraftfahrer und Landwirt Angst an: Angst, dass die 36-Jährige ihn verlassen könnte - so wie es zuvor schon seine erste deutsche und seine zweite philippinische Ehefrau getan hatten. Die lebenslustige Frau hinterließ drei Kinder - das jüngste war erst drei Jahre alt. Wegen Totschlags verurteilte das Traunsteiner Schwurgericht den geständigen Täter im vergangenen Juli zu zwölf Jahren Haft.

Bilder: Mord in Albaching

Mord in der Rosenheimer Samerstraße:

Krankhafte Eifersucht war auch der Grund, warum im Februar eine 38-jährige türkischstämmige Frau sterben musste. Ihr Ex-Mann (42) passte sie in den frühen Morgenstunden eines Samstags ab, als sie gerade zur Arbeit in einer Rosenheimer Bäckerei gehen wollte. Nachdem er sie erschlagen und erstochen hatte, versteckte er die Leiche unter einem Auto im Hinterhof des Wohnhauses, in dem das Opfer mit den gemeinsamen Kindern gewohnt hatte. Der wegen Gewalttätigkeiten schon mehrmals auffällig gewordene Imbissverkäufer hatte die Scheidung von seiner Frau nie akzeptiert; als sie eine neue Liebe fand, rastete er aus. Der 42-Jährige wurde im August verurteilt - wegen Mordes sitzt er seit August eine lebenslange Haftstrafe ab.

Rosenheim: Frauenleiche gefunden

Mord in Kolbermoor:

Ähnlich traurig wie der 38-Jährigen aus der Rosenheimer Samerstraße erging es nun am Sonntagabend einer 44-Jährigen aus Kolbermoor. Auch sie war bereits vom Vater ihres Sohnes getrennt, hatte aber ihrem Kind zuliebe den Kontakt zum Ex aufrechterhalten. Weil sie vor einigen Monaten eine neue Liebe fand, stach der 49-Jährige zu - so oft, dass der vierjährige Bub nun ohne Mutter wird aufwachsen müssen. Durch seinen Freitod auf den Gleisen einer Regionalzugstrecke entzog sich auch dieser Täter seiner juristischen Strafe.

Bilder vom Tathaus

Fahndung nach dem Auto der Getöteten 

Weniger Morde in ähnlich großen Städten

Was machte all diese, zum Teil bis dahin nicht einmal vorbestraften Männer zu Mördern? Und warum diese Häufung? "In der letzten Zeit gab es eine Häufung, ja klar", bestätigt Andreas Guske, Sprecher am Polizeipräsidium Oberbayern Süd in Rosenheim. Allerdings sei der sogenannte soziale Nahbereich eben ein Gebiet, "in dem wir als Polizei keine Sicherheit produzieren können". Die Polizei leiste Präventionsarbeit im Bereich Verkehr oder Drogen, "aber innerhalb der Familie sind wir außen vor".

Dass sich in Rosenheim in jüngster Vergangenheit ungewöhnlich viele Familientragödien ereigneten, bestätigt der Blick in ähnlich große bayerische Städte. Weder in der niederbayerischen Hauptstadt Landshut noch in der Universitätsstadt Passau gab oder gibt es ähnliche Fallzahlen. Michael Emmer, Sprecher des Polizeipräsidiums Niederbayern in Straubing, erklärt: "In der Stadt und im Landkreis Landshut ereignete sich in diesem Jahr bis Stichtag 31. Oktober erst ein versuchter Totschlag. Und da war das Opfer männlich." Im ganzen Jahr 2010 stehen laut Emmer für Stadt und Landkreis Landshut je ein Mord- und ein Totschlagsdelikt zu Buche. Für Landshut könne man daher von einem "gefühlten Rückgang" bei Tötungsdelikten sprechen. In Stadt und Landkreis Passau listet Emmer für das Jahr 2010 genau einen Mord auf, für 2011 könne er noch keine Angaben machen.

Generell, findet Emmer, sei die Rosenheimer Häufung an Mord- und Totschlagsdelikten reiner Zufall. Genauso sieht es auch Guske. Er hofft, dass sich die Häufung der "Mord- und Totschlagsdelikte mit weiblichen Geschädigten" im Verlauf der nächsten Jahre wieder relativieren wird. "Ich glaube fest daran, dass die Rosenheimer Fälle kein Trend sind, sondern wirklich nur Zufall." Leider trauriger Zufall.

Stefanie Zipfer (Oberbayerisches Volksblatt)

Quelle: rosenheim24.de

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