Neuer Trend: Obergärige Kaffeespezialität

"Kaffee Weizen" - Bald auch auf der Wiesn?

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Maronenbraun ist das „Kaffee Weizen“, das Biersommelier Stefan Grauvogel (li.) und Wirt Marc Eisenbarth entwickelt haben. Da es Kaffee enthält, entspricht es nicht dem bayerischen Reinheitsgebot. Foto:

München - „Kaffee Weizen“ heißt ein am Chiemsee produziertes Bier, das womöglich künftig auf der Wiesn ausgeschenkt wird. Rechtlich gesehen ist „Kaffee Weizen“ nämlich gar kein Bier.

Laut Betriebsvorschrift des Oktoberfestes darf auf der Wiesn nur Bier der sechs großen Münchner Brauereien ausgeschenkt werden. Doch das „Guglhupf Kaffee Weizen“, das Wiesn-Wirt Marc Eisenbarth und Biersommelier Stefan Grauvogel entwickelt haben, könnte das Monopol der Münchner Bierbarone aufbrechen - obwohl die Brauerei Camba Bavaria den Gerstensaft in Truchtlaching am Chiemsee braut und abfüllt.

Schließlich ist der maronenbraune Hopfentrunk gar kein Bier, sondern eine „obergärige Kaffeespezialität“. So zumindest nennt Eisenbarth das Getränk, das er jetzt in seinem Café Guglhupf in der Fußgängerzone ausschenkt. Würde er es „Bier“ nennen, bekäme er Ärger mit dem Bayerischen Brauerbund sowie dem Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit: Wie Walter König vom Brauerbund erklärt, darf in Bayern Bier nur dann „Bier“ heißen, wenn es dem bayerischen Reinheitsgebot entspricht.

Das ist bei Eisenbarths „Kaffee Weizen“ nicht der Fall: Neben Wasser, böhmischem Tennenmalz, Hersbrucker Aromahopfen und Hefe enthält das unfiltrierte Weißbier Kaffee aus dem Hause Dallmayr. „Die Bierkultur ist in den letzten Jahren stagniert. Es braucht mehr Innovation“, sagt Eisenbarth.

Seine obergärige Kaffeespezialität hat einen Stammwürzegehalt von 13 Prozent und 5,5 Prozent Alkohol. Sie richtet sich an jene, die „nicht einfach a Hoibe trinken“, sondern den Genuss von Bier „zelebrieren“ wollen, erklärt Sommelier Grauvogel. Deshalb kommt auf den Grund des Glases auch eine Kaffeebohne, bevor das Bier hineingegossen wird, das als idealer Begleiter von Desserts wie Tiramisu gilt.

Außer im Café Guglhupf an der Kaufingerstraße ist die Kaffeespezialität auch im Münchner Bier- und Oktoberfestmuseum erhältlich. Eisenbarth betreibt auf der Wiesn eine Café-Dreh-Bar, in der er Wein, Schaumwein und Spirituosen ausschenken darf. Will er sein Wiesn-Sortiment um das „Kaffee Weizen“ erweitern? „Das wird nur im Café Guglhupf ausgeschenkt. Wir sind schließlich ein Kaffeezelt und dürfen kein Bier ausschenken“, betont Eisenbarth.

Aber darf er eine obergärige Kaffeespezialität ausschenken? Wolfgang Nickl vom Wirtschaftsreferat erklärt: „Sollte ein Beschicker des Oktoberfestes ein bierähnliches Kaffeegetränk anbieten wollen, würden wir das Getränk zunächst lebensmittelrechtlich begutachten lassen.“ Komme dabei heraus, dass es sich um Kaffee mit Biergeschmack handle, wäre es vielleicht möglich, das Getränk anzubieten, mutmaßt Nickl. „Wenn es Bier mit Kaffeegeschmack ist, ist der Ausschank ausgeschlossen.“

Demnach müsste Eisenbarths „Kaffee Weizen“ aus Truchtlaching gute Chancen haben, auf der Wiesn Einzug zu halten. Denn dem Bayerischen Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit zufolge liegt die Definition von Bier auf der Hand: „Bier ist nur dann Bier, wenn es nach dem bayerischen Reinheitsgebot gebraut ist. Wenn das Bier nicht Bier heißt und auch nicht so tut, als sei es Bier, dann haben wir kein Bierproblem“, heißt es seitens des Landesamts. Die Behörde wacht zusammen mit dem Bayerischen Brauerbund über die Einhaltung des Reinheitsgebots. Das umfasst auch den Schutz der Bezeichnung Bier sowie die Kennzeichnung von Biergattungen. Deshalb könnte es zumindest sein, dass Eisenbarth seinen Hopfentrunk noch einmal umbenennen muss - je nachdem, ob der Begriff „Weizen“ die Biergattung Weißbier beschreibt.

Bislang hat Camba Bavaria 1000 Liter „Kaffee Weizen“ gebraut. Es soll noch weiter verbessert werden: „Wir haben zu wenig Schaum. Daran müssen wir noch arbeiten“, sagt Grauvogel.

Bettina Stuhlweissenburg

Quelle: Oktoberfest live

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