Teenie-Gequatsche

Wie viel Jugend verstehen wir überhaupt?

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Wenn sie reden, dann so, dass es viele Erwachsene nicht verstehen: Die heutige Jugend benutzt teilweise eigene Ausdrücke und Wörter.
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Landkreis – Checkst Du’s nicht? Manchmal verstehen Eltern oder Erwachsene allgemein einfach nicht, wie die Jugend von heute tickt. Besser gesagt, wie sie spricht. Nachhilfe gefällig? Auf geht’s zum Vokabeltraining.

Mögen Sie Fußpils oder haben Sie etwa einen Assistempel? Haben Sie heute schon mal ge-tebartzt? Sie kräuseln wohl auch grad die Stirn und die Augenbrauen ziehen sich zusammen. Keine Angst, das kann schon vorkommen. Schließlich sprechen wir nicht alle die gleiche Sprache.

Während es Eltern aus der Region „außerirdisch“ finden, was ihre Teenager-Kinder von sich geben, hält die Jugend dagegen: „Meine Mama versteht mich nicht“, heißt es von Lisa, die gerade mal wieder mit Ihren Eltern eine lange Diskussion über Kommunikation in der Familie gehalten hat. „Immer heißt es, ich soll so reden, dass mich jeder verstehen kann, aber es ist ganz anders. Unsere Eltern sollten endlich mal lernen, wie man sich heutzutage unterhält“, kommt es Matthias über die Lippen.

Der 14-Jährige spricht äußerst schnell und vor allem: Er spricht so, wie es sich in der Jugendsprache gehört. Für viele Eltern klingt es merkwürdig, wie ihre Sprösslinge sich unterhalten.

Auch in Bus und Bahn hören die Erwachsenen zwar ungewollt so manches Gespräch unter Jugendlichen, die neben ihnen sitzen, mit. Wirklich „schnallen“ um was es geht, tun nur Wenige. „Es ist mir unbegreiflich, warum Teenager eine eigene Sprache entwickeln“, fragt sich Annemarie Ober immer wieder. Die 54-Jährige Lehrerin aus der Region ist manchmal Zeugin von Pausenhofgesprächen, die ein Wörterbuch nötig machen würden. „Wenn ich höre, was die Jugendlichen reden, dann schmunzle ich zwar manchmal, aber oft verstehe ich nicht, warum sie nicht einfach nach Schrift reden, Wörter und Ausdrücke benutzen, die schon immer existiert haben“, berichtet Ober.

Hier ein Auszug oft benutzter Ausdrücke in der Jugendsprache 2014:

Gönn dir = Viel Spaß dabei

Emotional flexibel = Launisch sein

Fußpils = Bier für unterwegs

Hochleistungs-Chiller = Eine faule Person

Tebartzen = Sich etwas Teures leisten

Flatratelabern = Quatschen ohne Punkt und Komma

Egosurfen = Sich in Internet-Suchmaschinen selbst suchen

Phantomvibration = Sich einbilden, dass das Handy vibriert

Lass Haare wehen = Beeil dich

Konsolero = Jemand, der viel Zeit mit der Spielkonsole verbringt

Minus = Nein

Assistempel = Tätowierung

Entsnowden = Aufdecken

Niveaulimbo = stetig absinkendes Niveau

Bürgersteigdeko = Hundekot

Hottie = attraktive Person

Likegeilheit = Verlangen, dass eigene Beiträge in Social Networks oft geliked werden

Emoxif = Zickig

Änderungsfleischerei = Klinik für Schönheitschirurgie

Crossi = Jemand mit braungebrannter Haut

Klappkaribik = eine aufklappbare Sonnenbank

Defrienden = Jemandem die Freundschaft kündigen

Backup-Friend = Notnagel-Freund

Eierfeile = Fahrrad

Senfautomat = Klugscheißer

Zu bemerken sei, dass jedes Jahr neue Ausdrücke und Wörter hinzukämen, andere wiederum völlig out werden, erklärt der Kommunikationswissenschaftler Dr. Björn Afussen im Gespräch mit unserer Redaktion. „Darum werden von Jugendzeitschriften und Verlagen auch jährlich neue Lieblingswörter der Jugend gesammelt und zu einer Hitliste geformt“, heißt es von dem Wort-Versteher. Sogar ganze Wörterbücher mit „Übersetzung“ gibt es jährlich zu erstehen. Afussen beobachtet den Werdegang von jugendlichem Wortschatz seit fünf Jahren. Auffällig sei, so der Experte, dass viele Wörter auf gesellschaftliche Situationen oder Personen abgestimmt würden. Viele Jugendliche hätten es gern, wenn das zusammengesetzte Wort oder der verwendete Ausdruck von den Erwachsenen fälschlich verstanden werde. Für viele Eltern ist familiäre Kommunikation aber ein wichtiges Instrument des Zusammenhalts.  Doch wenn Vater oder Mutter Gespräche einfordern, heißt es laut Erziehungsberaterin Irmgard Höss von den Teenies oft „Therapier mich nicht“, was so viel heißen soll wie: „Nerv mich nicht“. Der Haussegen steht dann schon mal kurzzeitig schief. Doch es geht auch entspannter, so Höss: „Das beste Mittel, um seine pubertären Schützlinge aus der Reserve zu locken ist oftmals das Spiegeln“, so die Erziehungsberaterin. Entwickeln Eltern ein Gespür dafür, was die Kinder an Gesprächsstoff interessieren könnte, sollte kurzzeitig einmal der Jugendliche außen vor sein und eine Unterhaltung unter Erwachsenen stattfinden, das den Entdeckergeist des Teenagers wecke, rät Höss.

Grundsätzlich sei die Phase der Jugendsprache aber eine absehbare Zeit, die sogar wichtig sein könne, sagen viele Experten gleichermaßen. Sich von den Erwachsenen abgrenzen und mit einer kreativen Form der entschlüsselungsfähigen Ausdrücke andere Vokabeln als der „Rest der Welt“ zu benutzen, sei Bestandteil der persönlichen Entwicklung von Teenies. Darum sollte sich, um in der Jugendsprache zu bleiben, jeder Senfautomat (= Klugscheißer) besinnen und die Jugendsprache relativ locker sehen, solange die Ausdrücke niemanden erniedrigen oder seelisch verletzten, rät die Erziehungsberaterin abschließend.

Getreu dem Motto: „Alles easy“ – wobei das schon längst nicht mehr gebräuchlich ist heutzutage. Es müsste 2014 heißen: „Läuft bei dir“ (= Cool oder Du hast es echt drauf).

Quelle: rosenheim24.de

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