Hund im heißen Auto: Was tun?

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An der frischen Luft fühlen sich Hunde natürlich am wohlsten.

Bad Reichenhall - Ein Hund kam ums Leben, weil sein Herrchen ihn bei 27 Grad im Auto gelassen hatte. Die Polizisten entschieden sich dagegen, die Scheibe einzuschlagen. Doch war das richtig?

Peter Friedrich, Vorsitzender des Tierschutzvereins Bad Reichenhall und Umgebung e.V., setzt voll und ganz auf drei Säulen: Prävention, Aufklärung, Information. „Wir dürfen es erst gar nicht zu derart ernsten, ja lebensbedrohenden Situationen wie jener am Königssee kommen lassen“, so Friedrich, angesprochen auf den deutschlandweit verbreiteten Fall des Hundes, der vor einem Jahr qualvoll starb. Der Besitzer ließ seinen Vierbeiner bei zirka 27 Grad Außentemperatur allein im Auto zurück – er hatte keine Chance. „Bei solch einer Hitze hilft es auch nichts, das Fenster einen Spalt offen zu lassen, denn die Luft erhitzt sich in einem Fahrzeug dennoch in enorme Höhen“, weiß der Tierexperte aus der Kurstadt.

„Ist es so heiß wie momentan, kann ich meinen Hund auch mal ein paar Stunden alleine zu Hause lassen, um beispielsweise in die Stadt zum Einkaufen zu gehen. In der Wohnung ist es kühl und er fühlt sich wohl, auch wenn es ein Rudel- und Gesellschaftstier ist. Und wenn es gar nicht anders geht und ich ihn mitnehmen muss, gibt es keine Diskussion – ich muss ihn dann auch überall mitnehmen können. Im Auto herrscht rasch Alarmstufe Rot, die Tiere leiden unvorstellbar und müssen im schlimmsten Fall sogar ihr Leben lassen“.

Leben wichtiger als Autoscheibe

Peter Friedrich, der Vorsitzende des Reichenhaller Tierschutzvereins, mit seinem Max, einem Bayerischen Gebirgsschweißhund, einer Jagdhunderasse. Max ist die bestmögliche Behandlung gewiss.

Friedrich selbst würde die Autoscheibe einschlagen und das Tier retten: „Mit allen Konsequenzen, weil ich dann natürlich allein für die entstandenen Schäden hafte“. In diesem Fall gibt es kein Gesetz, dass den Tierretter schützen würde – außer er kann hinterher belegen, dass Lebensgefahr für das Geschöpf bestand. „Aber wer kann das im Anschluss schon beweisen?“, zuckt der 74-Jährige mit den Schultern. „Juristisch ist das alles grenzwertig und nicht klar geregelt. Soll ich deswegen nichts tun und das Tier verenden lassen?“ Eine berechtigte Frage: Der Gesetzgeber wäre wie so oft gefordert, endlich klare Richtlinien zu erlassen.

Die Unsicherheit für den Lebensretter: Wie reagiert der Hund? „Er könnte beißen, könnte abhauen, dann gibt es Ärger mit dem Besitzer...“, weist Friedrich auf die Unsicherheitsfaktoren hin. „Aber Leben ist allemal besser“.

Hunde schwitzen nicht wie wir Menschen über die Haut. Wie erkennt man, dass es einem Hund schlecht geht, er womöglich stirbt? „Kurzes Hecheln ist in Ordnung und völlig normal“, so Friedrich. „Hört er jedoch nicht mehr auf, heftig zu hecheln, liegt er auch nur noch auf der Seite oder dem Rücken, besteht höchste Gefahr - und rasches Handeln ist unabdingbar“.

Gesunden Menschenverstand einschalten

Gesunder Menschenverstand müsste eigentlich ausreichen, um jedem Hundebesitzer klarzumachen, dass es seinem Tier nicht besser ergeht, als ihm selbst: In einem Auto bei 25 oder mehr Grad im Schatten, der prallen Sonne ausgesetzt – das tut weder Zwei- noch Vierbeinern auf Dauer gut. „Und Langhaar-Tiere geht es natürlich doppelt eher schlecht als jene mit kurzem Fell“, so Friedrich. Was nicht heißt, dass diese in den Autos zurückgelassen werden können.

Jahr für Jahr kommen die gleichen Themen auf und werden neu diskutiert - auch das Reisen mit Tieren, oder ohne sie. Immer wieder werden die „besten Freunde des Menschen“ abgeschoben oder auf Autobahn-Parkplätzen ausgesetzt und ihrem Schicksal überlassen – hin und wieder wurde das letzte „Weihnachtsgeschenk“ plötzlich zum Klotz am Bein. „Dagegen arbeiten wir vehement“, berichtet Friedrich. Natürlich weiß er, keinen Menschen hundertprozentig in seinem Umgang mit dem Geschöpf beurteilen zu können – „aber wir schauen uns die Leute, die ein Tier bei uns holen wollen, schon ganz genau an“. Die Quote der Täuschungen ist erfreulich niedrig – „drei bis acht Prozent“, schätzt Friedrich.

Sensibler Umgang im Tierheim

Peter Friedrich mit dem Heimtierpass, der stets mit im Gepäck ist.

Tierheimleiterin Christine Gugg hat ein großes Gespür für potenzielle Neu-Besitzer eines Hundes, einer Katze,eines Vogels. „Sie ist höchst sensibel, hat hervorragende Antennen, was das betrifft“, lobt Peter Friedrich. „Deshalb machen wir nur höchst selten wirklich schlechte Erfahrungen mit neuen Tierbesitzern. Ganz kann man diese leider nie ausschließen“.

„Wenn jemand bei uns ein Tier holt, wird er akribisch aufgeklärt, bekommt nicht nur Tipps und Ratschläge, sondern exakte Verhaltensmuster“, so der Vereinsvorsitzende, der großen Wert auf Aufklärung legt und vorbereitende Maßnahmen einleitet. „Wenn die Leute bescheid wissen, kommt es normalerweise nicht mehr zu diesen schlimmen Meldungen wie mit jenem Hund am Königssee“.

Profis kümmern sich

Gerade jetzt, der Sommer steht unmittelbar bevor beziehungsweise ist mit Temperaturen jenseits der 30 Grad schon da, ist es wichtig, zu wissen, welche Angebote bereitstehen: „Kann das Tier wirklich nicht mit in den Urlaub, können wir uns auch im Tierheim drum kümmern“, so Friedrich, egal „ob Hund, Katze, Vogel...“. Freilich kostet das, aber wer sich einen Urlaub leisten kann, sollte auch das hinbekommen, meint der Pensionist.

Mit den entsprechenden Unterlagen (der Heimtierpass sollte immer im Gepäck sein) können die Tiere getrost mitgenommen werden. Tierfreundliche Hotels gibt es zur Genüge. Eine Katze hält auch eine Zeit allein zu Hause gut aus, vorausgesetzt, es kümmert sich jemand pflichtbewusst darum - beispielsweise ein Nachbar“, rät der gebürtige Franke, der weiß, dass sich Katzen mit räumlichen Veränderungen schwer tun. Entsprechende Vorüberlegungen, ehe man sich ein Tier zulegt oder was mit dem Tier in gewissen Situationen passiert, ist der entscheidende und wichtigste Faktor für den Experten.

bit

Quelle: BGland24.de

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