Rosenheim letzter in Statistik

Impfgegner in der Region: Diese Vorurteile gibt es

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Landkreis - Rosenheim zählt als die Hochburg der Impfgegner, vor allem bei Masern. Dabei gibt es auch immer wieder Vorurteile, die sich entkräften lassen.

Impfen oder nicht? An dieser Frage scheiden sich die Meinungen. "In Deutschland gibt es jährlich zirka 1.000 Masernfälle und einen Toten dadurch", schreibt ein Leser unserer Redaktion. "Durch Krankenhauskeime sterben jährlich 15.000 Menschen in Deutschland."

Vor allem in den Landkreisen der Region ist das Thema Impfen heiß diskutiert. Sie sind auf den letzten Plätzen in der Impfstatistik. "Leider muss ich anonym bleiben, weil in einem kleinen Dorf wie Übersee sonst meine schulpflichtigen Kinder eventuell gemieden werden", schreibt der Leser weiter.

Zudem nennt derjenige ein Beispiel, das gegen Impfen spricht: "Die Zulassung eines neuen Medikaments dauert bestenfalls vier bis fünf Jahre, aber ein kann Impfstoff innerhalb von fünf Wochen durch den Hersteller zugelassen werden." Jedoch: Bevor ein Impfstoff auf den Markt kommt, muss er ein umfassendes Zulassungsverfahren durchlaufen, entweder in Deutschland bei der nationalen Zulassung oder bei der Europäischen Arzneimittelagentur EMA für eine zentrale Zulassung durch die EU-Kommission, informiert das Paul-Ehrlich-Institut auf seiner Internetseite. Auch zugelassene Impfstoffe werden weiterhin kontrolliert. Das Paul-Ehrlich-Institut im hessischen Langen ist das deutsche Bundesinstitut für Impfstoffe und biomedizinische Arzneimittel.

Impfen in Deutschland: Stoffe nach zwei bis drei Jahren einsatzbereit

Ganz so wie beschrieben, ist es aber nicht. Einen Impfstoff herzustellen, wird langfristig geplant. Bis zu sechs Komponenten müssen Unternehmen mit abgestimmter Haltbarkeit produzieren, erklärt das Paul-Ehrlich-Institut: "Bis der Impfstoff fertig ist, dauert es zwei bis drei Jahre - und es gibt Hunderte von Qualitätskontrollen im Verlauf der Herstellung."

Wenn es Probleme dabei gibt, eine Komponente herzustellen, gerät der gesamte Vorgang ins Stocken. Entspricht bei einer Charge ein Parameter nicht der geforderten Spezifikation, müssen zum Teil mehr als 100.000 Dosen Impfstoff verworfen werden, die kurzfristig nicht nachproduziert werden können. "Eine kurzfristige Anpassung der Produktion an eine erhöhte Nachfrage ist nicht möglich", heißt es weiter.

Impfen in Deutschland: Angst vor giftigen und verunreinigten Stoffen

Auch, dass Impfungen giftig sind, stimmt so nicht. "In einigen Impfstoffen sind Formaldehyd, Aluminium, Phenol oder Quecksilber enthalten – allerdings in äußerst geringen Konzentrationen weit unterhalb toxikologischer Grenzwerte", heißt es vonseiten des Robert-Koch-Instituts. "Die Substanzen dienen beispielsweise dazu, um Impfviren abzutöten (Formaldehyd), die Immunantwort zu verstärken (Aluminiumhydroxid) oder den Impfstoff haltbar zu machen (Phenol)."

Auch verursachen Impfungen nicht Autismus bei Kindern. Die Weltgesundheitsorganisation WHO, das US-ameri­kanische Institute of Medicine sowie die europäische Arznei­mittel­be­hörde EMA sind inzwischen unabhängig voneinander zu dem Schluss gelangt, dass die verfügbaren Studien gegen einen solchen Zusammenhang sprechen.

Ebenso ist die Chance laut Robert-Koch-Institut überaus gering, dass Impfstoffe verunreinigt sind und dadurch zu Folgekrankheiten wie BSE, Aids oder Krebs führen.

Impfen in Deutschland: Zahl der Befürworter gestiegen

Laut einer Studie der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung aus dem Jahr 2016 werden Schutzimpfungen für Erwachsene von einem Großteil der Befragten als wichtig eingestuft - vor allem jene gegen Tetanus, Kinderlähmung und Hepatitis B.

Etwa drei Viertel der 16- bis 85-Jährigen bezeichnen sich selbst als Impfbefürworter, heißt es. Knapp ein Fünftel hat teilweise Vorbehalte. Fünf Prozent haben eine (eher) ablehnende Haltung gegenüber dem Impfen. Das Fazit der Studie: Im Vergleich zur Untersuchung im Jahr 2014 ist der Anteil derjenigen signifikant gestiegen, die Impfungen befürwortend gegenüberstehen.

ksl

Quelle: rosenheim24.de

Rubriklistenbild: © Montage (picture alliance/dpa)

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