Firmen laden auf jede dritte bis vierte Mass ein

Ich gehe 16 Mal und zahle nichts!

  • schließen
  • Weitere
    schließen
+
Gregor Stojanovic

München - Freibier! 16 Tage lang! Für Sepp Kraut (45) ist die Wiesn alles andere als teuer – sie ist gratis! Der Dachauer muss für seinen Arbeitgeber Coca-Cola jeden Tag mit Kunden auf die Wiesn – nur selber zahlen muss er nicht.

So viel Freibier wie Kraut bekommen natürlich nicht viele. Dennoch lautet eine der Wiesn-Fragen: Wer zahlt in den Zelten eigentlich selbst? Eine eindeutige Antwort gibt’s nicht. Aber die Wirte schätzen, dass ihre Gäste auf jede dritte bis vierte Mass eingeladen werden.

Der Freibier-Wert schwankt von Zelt zu Zelt – das kommt ganz auf die Kundschaft an, die reserviert hat. „Wir haben fast nur Privatpersonen“, sagt Wirt Georg Heide über seine Bräurosl. „Die großen Firmenreservierungen nehmen ab, die Privat-Anfragen zu.“ Christian Schottenhamel und Peter Pongratz machen in ihren Zelten ganz andere Erfahrungen. Im Schottenhamel und im Winzerer Fähndl gibt’s nach wie vor sehr viele Firmenreservierungen. Während Georg Heide davon ausgeht, dass „nur“ jede vierte Mass und jedes vierte Hendl spendiert ist, sind sich Schottenhamel und Pongratz sicher: „Bei uns wird jeder dritte Gast eingeladen.“

Beim Thema Wiesn scheinen selbst die Firmenbosse nicht gerne den Rotstift anzusetzten. Lieber wird der Betriebsausflug gestrichen. Die Chefs nennen es „Verbesserung des Betriebsklimas“ und „Kundenbindung“, für die Angestellten und Kunden heißt das: Feiern ohne Ende – und der Chef zahlt. „Klar führen wir Kundengespräche – aber es geht auch darum, den Kunden das Erlebnis Wiesn zu ermöglichen. Und das ist nun mal nicht bierernst“, sagt Sepp Kraut von Coca-Cola. Der Vertriebsmitarbeiter hat für seine Firma heuer im Winzerer Fähndl pro Abend sechs Tische reserviert. Und meistens gibt es für die Gäste kein Hendl- oder Bierlimit.

Auch bei der Münchner Rück sind die meisten der 3800 reservierten Plätze heuer für Kunden. Der Kunde ist Wiesn-König! Aber auch der einfache Angestellte muss nicht alles selber zahlen: Bei der Münchner Stadtsparkasse zum Beispiel gehen 2000 aktive und 400 ehemalige Mitarbeiter feiern – ein, zwei Mass sind umsonst. Der TÜV Süd lässt sich auch nicht lumpen: Immer am zweiten Wiesn-Montag belegen 1800 Angestellte 18 Tische. Sprecher Franz Billinger: „Da lernen sich dann endlich mal Angestellte kennen, die bislang nur Telefon oder E-Mail-Kontakt hatten.“

Viele der Reservierungen gehen auf kleine und mittelständische Betriebe, auch hier läppert sich das Freibier. Axel Meiswinkel (52) zahlt für die acht Angestellten seiner Reinigungsfirma Policlean alles aus eigener Tasche. So viel jeder will. „Die paar hundert Euro tun auf der Wiesn viel weniger weh.“

Pech hat, wer bei Stadt oder Freistaat angestellt ist: Sie dürfen keine Einladungen annehmen, das wäre sonst Vorteilsnahme im Amt.

Gregor Stojanovic (35) verbindet auf der Wiesn das Angenehme mit dem Nützlichen. Seine Elektro-Installationsfirma ist im Schottenhamel zuständig für die Elektrik. Das macht ihn nicht nur beim Aufbau unabkömmlich, auch während der Wiesn muss er in ständiger Bereitschaft im Zelt sein. Zu finden ist er an seinen zwei Zehner-Tischen, die er nonstop reserviert hat. „Ich bekomme einen Freundschaftspreis – aber 3000 bis 4000 Euro kostet’s mich trotzdem.“ Der Elektriker lädt seine fünf Mitarbeiter ein, Kunden – und teils auch Freunde. „Es ist unglaublich, wie viele Freunde ich kurz vor der Wiesn habe …“

Quelle: Oktoberfest live

Zurück zur Übersicht: Bayern

  • schließen
  • Weitere
    schließen

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Live: Top-Artikel unserer Leser