Vandalismus blockierte Rettung

  • schließen
  • Weitere
    schließen
+
Mit vereinten Kräften bugsierten die Helfer den Rettungsschlitten zur Unfallstelle.

Högling - Ohne fünf mutige Männer würde die 69-Jährige, die in den Höglinger Weiher eingebrochen ist, nicht mehr leben. Doch Vandalen hatten die Rettung beinahe verhindert.

Ohne fünf mutige Männer würde die 69-jährige Bruckmühlerin, die am Montag in den Höglinger Weihern eingebrochen ist, nicht mehr leben. Ohne zu zögern alarmierten die Männer den Rettungsdienst und rückten selbst mit Leitern und Seilen aus, um der Frau zu helfen. Ohne Hürden gelang dies aber nicht: Eisblöcke im Rumpf des Rettungsschlittens hätten dessen Einsatz fast unmöglich gemacht. Verursacher dieses fast verheerenden Zeitverzugs waren Vandalen.

Nicht weit vom Ufer entfernt brach die 69-jährige Frau ein. Christian Förster, Einsatzleiter des Wasserrettungsdienstes und Hüttenwart Sven Rennings zeigen die Stelle.

Gestern lag die 69-Jährige nach Angaben der Wasserwacht Bad Aibling noch auf der Intensivstation. Prinzipiell gehe es ihr aber gut. Mit massiven Unterkühlungen war sie ins Krankenhaus eingeliefert worden. Wie berichtet, war ihr Hund aufs Eis des Höglinger Weihers gelaufen und dort eingebrochen. Die Bruckmühlerin wollte ihren Vierbeiner retten, robbte hinterher und brach selbst ein. Dem Hund geht es gut, er schaffte es ohne Hilfe zurück ans Ufer. Der 69-Jährigen gelang dies nicht.

"Dabei hatte die Frau mehr als Glück und hat quasi ein zweites Leben geschenkt bekommen", ist sich Christian Förster, Einsatzleiter des Wasserrettungsdienstes und vormaliger Vorsitzender der Ortsgruppe, sicher. Denn die 69-Jährige sei schon über zehn Minuten in den kalten Fluten gewesen. Maximal 15 Minuten dauere es, bis die Finger klamm würden und der Körper drastisch abkühle, zeigen Erfahrungsberichte der Wasserwacht.

Vandalen hatten den Rettungschlitten umgekippt. Dadurch drang Wasser in den Rumpf, der zu einem Eisblock gefror und die Rettung verzögerte.

Dass der Vorfall glimpflich ausgegangen ist, ist vor allem fünf Mitarbeitern eines benachbarten Kieswerks zu verdanken. Thomas Hell, gerade dabei, Feierabend zu machen, hörte am Montagabend die Hilferufe einer Bekannten des Opfers. Ohne lange zu fackeln, rief er seinen Kollegen Stefan Motzkus, welcher Leitern und Seile organisierte. Gemeinsam stürmten sie los in Richtung Wasserwachthütte und Unfallstelle.

Parallel dazu setzte Kollege Alexander Uhl den Notruf ab. "Man fragt sich oft, ob man im Ernstfall wüsste, was zu tun ist. Aber in Notsituationen spult sich alles nahezu automatisch ab", erklärte er gestern gegenüber dem Mangfall-Boten. Den Notruf 112 habe er "blind" gewählt.

Die Zeit drängte aber, die Frau war im Wasser bereits völlig erschöpft. "Sie war ansprechbar und versuchte sich mit den Ellenbogen auf den Eisplatten über Wasser zu halten", beschreibt Motzkus die Situation vor Ort. Er versuchte, sich auf Leitern der Frau zu nähern, doch "am Ende war klar, dass dies scheitert, da keine Eisfläche mehr unter der Leiter war." Eine Leiter versank sogar im Wasser (diese bargen gestern noch Taucher der Wasserwacht).

Lesen Sie dazu auch:

Wasserwacht warnt vor dünnem Eis

Weitere Kollegen, Markus Hennersdorf, Anton Achatz und Uhl wollten deshalb den Rettungsschlitten holen. Doch dieses Unternehmen drohte zunächst zu scheitern. Denn: Vandalen hatten den Schlitten umgestürzt. Er war voll gelaufen mit Wasser und der Rumpfboden durch den daraus entstandenen Eisblock kaum zu bewegen. Mit vereinten Kräften gelang es aber, die Eisplatte aus dem Schlitten zu stürzen. "Wertvolle Minuten Zeit gingen hier verloren", ärgert sich Förster über derartigen Leichtsinn und Rücksichtslosigkeit.

Nachdem es den Helfern endlich gelungen war, den Schlitten zur Unfallstelle zu befördern - der nächste Missstand: Die Randalierer hatten Paddel und Eishaken übers Gelände verteilt. Um nicht weitere Zeit zu vergeuden, griff Achatz zur Selbsthilfe. Er nutzte einfach seine Hände als Paddel. "Das war lausig kalt, aber es funktionierte", erinnerte sich der Retter. Seine Lebensgefährtin Jacqueline Werner unterstützte die Männer dabei.

Die Unglückstelle.

Die verunglückte Frau sei währenddessen ansprechbar gewesen. "Wir haben versucht, mit ihr die ganze Zeit zu reden", so Motzkus. Ohne die Ausrüstung der Wasserwacht allerdings - sprich ohne den Schlitten - sind die Retter überzeugt, hätten sie nicht so rasch helfen können. Überhaupt waren ihnen zufolge die Einsatzkräfte rasch an der Unglücksstelle. Die Feuerwehr markierte zudem mit pinkfarbener Sprühfarbe neben dem Höglinger Weiher einen Huberschrauber-Landeplatz, "falls die Frau per Heli ins Krankenhaus gebracht hätte werden müssen", so Förster. Ihm zufolge kostet der Rettungsschlitten zirka 12000 Euro. "Es ist nicht leicht, eine Anschaffung in dieser Höhe finanziell zu stemmen. Umso ärgerlicher ist es dann, wenn lebensrettende Teile mutwillig zerstört, versteckt oder umgelagert werden."

Hüttenwart Sven Rennings fand gestern bei einer Nachbesprechung des Unfalls im Uferbereich einen der beiden Eishaken. Der zweite ist nach wie vor verschollen. Kostenpunkt für einen Haken: 300 bis 400 Euro. Für die Retter besonders unglaublich: Wie Vandalismus ohne nachzudenken dazu führt, das Leben Unschuldiger zu gefährden.

Silvia Mischi/Mangfall-Bote

Quelle: rosenheim24.de

Zurück zur Übersicht: Bayern

  • schließen
  • Weitere
    schließen

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Live: Top-Artikel unserer Leser