Hier fließt das schnellste Bier der Welt

München - Das ist mal ein Versprechen: „Unser Bier kommt heuer doppelt so schnell aus dem Hahn: Eine Mass in vier Sekunden, das ist Wiesn-Rekord!“ Warum sich die Verantwortlichen des Winzerer Fähndls weit aus dem Fenster lehnen können:

Denn im komplett neuen Zelt gibt es die erste zentrale Bierleitung der Welt. „Das setzt neue Maßstäbe“, verkündete Paulaner-Brauereichef Andreas Steinfatt beim gestrigen Richtfest.

Brauer Uwe Daebel am Herzstück des neuen Zeltes: Aus diesen Tanks fließen 8400 Mass in den unterirdischen Bierring.

Und so funktioniert’s: Einen Meter tief unterm Zelt verläuft eine 240 Meter lang Ringleitung. Von einer einzigen Stelle – und nicht wie vorher von fünf im Zelt verteilten Tanks – fließt das Bier aus drei 280 Hektoliter-Tanks in den großen Bierring aus Edelstahl aus und zieht seine Runden. Am Ende strömen bis zu 15 Mass pro Minute aus 11 Zapfhähnen. „Wir haben’s vergangene Woche getestet: Es hat alles funktioniert“, sagt technischer Leiter Christian Dahncke.

Das Winzerer Fähndl in neuem Glanz

Das Winzerer Fähndl in neuem Glanz

Auch die Qualität soll dadurch steigen: „Es ist ein komplett geschlossenes System, in dem kein Sauerstoff rankommt“, sagt Dahncke. „In der kühlenden Ringleitung werden Druck und Temperatur kontrolliert, Auch eine Feinabstimmung des Kohlensäuregehalts ist dann noch möglich.“ Was, wenn die Technik versagt? Sitzt dann ein ganzes Zelt auf dem Trockenen? „Nein, keine Sorge. Zur Not bekämen wir kurzzeitig Druck durch normale Gasflaschen. Und die Leitung lässt sich dann stellenweise durch Revisionsschächte austauschen.“

Übersichtplan: Die Wiesn-Zelte auf einen Blick

Stolz und erleichtert: Winzerer Fähndl-Wirt Peter Pongratz (links) und der Paulaner-Chef Andreas Steinfatt gestern im neuen Wiesn-Zelt.

Oberirdisch sind die Neuerungen im Zelt offensichtlicher. „Was für ein gewaltiges Ding“, raunte Schauspieler Blacky Fuchsberger bei der Feier. Dabei ist das Zelt keinen Zentimeter gewachsen, es wirkt nur größer: 40 Meter Zeltspannweite ohne Stützen ermöglichen von allen Seiten freie Sicht, die Balkone sind größer (auch deshalb gibt’s 420 Sitzplätze mehr) – und die Boxen stehen jetzt erhöht. Fensterfronten bieten freie Sicht, weiter oben verläuft ein Band mit Fenstern, die sich öffnen lassen und Durchzug bringen. Das Musikpodium ist niedriger und damit näher am Gast. Einzigartig auch die Beinfreiheit: Die 750 Tische haben keine gerade nach unten verlaufenden Beine, sie machen einen Schlenker nach innen – das bringt auch weniger blaue Flecken.

Der Wiesn-Aufbau in Bildern

So wächst die Wiesn

So ein hochmodernes Zelt mit dem schnellsten Bier der Welt kostet freilich einiges – gestern verriet Brauereichef Steinfatt zumindest: „Es handelt sich um einen Betrag im unteren siebenstelligen Bereich.“

Nina Bautz

Quelle: Oktoberfest live

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