Henry Kissinger: Kurzbesuch in Fürth

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Der ehemalige US-Außenminister Henry Kissinger enthüllt im Rathaus in Fürth sein Porträt.

Fürth - Fußballstadion, Rathaus, Friedhof und die Schule, in der sein Vater einst unterrichtete: Der ehemalige US-Außenminister Henry Kissinger war am Dienstag in seiner Geburtsstadt Fürth zu Besuch.

Seine Stimme beherrschte jahrelang die Außen- und Sicherheitspolitik der Weltmacht USA. Und jetzt spricht er über Fußball. Henry Kissinger, einst US-Außenminister und 1973 mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet, besucht seine Geburtsstadt Fürth und outet sich als Kenner der fränkischen Fußballszene. “Ich warte darauf, dass die SpVgg Greuther Fürth aufsteigt“, sagt er. Und hat auch tröstende Worte für den in Abstiegsnöten steckenden 1. FC Nürnberg aus der Nachbarstadt parat. “Ich hoffe sehr, dass die Nürnberger in der Bundesliga bleiben. Ich hoffe, dass sie das Spiel gegen Köln eindeutig gewinnen.“

Sechs Jahre lang war Kissinger zum Leidwesen der Lokalpolitiker nicht mehr hier gewesen, hat die Einladung zum Stadtgeburtstagsfest 2007 ausgeschlagen - doch nun ist er recht freundlich und gut gelaunt. Oberbürgermeister Thomas Jung (SPD) hat Kissinger am Dienstag das Stadion der Greuther Fürther gezeigt, danach geht es ins Rathaus, wo der Gast aus Amerika ein Porträt enthüllen darf. “Sehr gut“, sagt er, “ich fühle mich geehrt“, sagt die Malerin Doris Baum.

Das Bild mit Kissingers markanten Gesichtszügen hängt künftig bei den Porträts weiterer Ehrenbürger der mittelfränkischen Stadt: direkt neben Kissinger ist der “Vater“ der Sozialen Marktwirtschaft, Ludwig Erhard, auf Leinwand verewigt, gegenüber lächeln milde die Unternehmer Max Grundig sowie Grete und Gustav Schickedanz.

Der Besuch des 86-Jährigen ist als privat deklariert, Jung verspricht Kissinger noch “eine kleine Tour“: Zum Friedhof, auf dem der Großvater begraben ist, soll es gehen, zur Schule, in der einst Kissingers Vater unterrichtete, “und vielleicht auch in die Straße, in der ich einst gelebt habe“, sagt Kissinger.

Hatte sich Kissinger bei seinem Besuch 2004 angesichts der Erinnerung an seine Kindheit und Jugend noch fast gleichgültig gezeigt, so ist er nun ein wenig zugänglicher. Er schenkt Oberbürgermeister Jung sogar ein signiertes Buch mit Goldschnitt.

Details zu seiner Gemütslage will er trotzdem nicht preisgeben, große Emotionen zeigt er nicht. Er habe “positive Gefühle“ beim Besuch in der Stadt, sagt der diplomatisch bestens geschulte ehemalige Spitzenpolitiker lediglich. “Ich denke nicht mehr an die schlechten Dinge.“ Kissinger, so scheint es, hat längst abgeschlossen mit seiner Vergangenheit in Deutschland: “Das liegt schon über 70 Jahre zurück.“

Am 27. Mai 1923 war er als Sohn eines jüdischen Lehrers in Fürth geboren worden, 1938 floh die Familie vor den Nazis nach New York. Und dort begann der Aufstieg des Buben aus Franken zu einem der wichtigsten Akteure auf der weltpolitischen Bühne: Kissinger brachte es zum Professor an der Harvard-Universität, 1969 wurde er Sicherheitsberater des republikanischen Präsidenten Richard Nixon. Von 1973 bis 1977 war er Außenminister der USA. Danach gründete er eine Beratungsfirma, arbeitete als Fernsehkommentator und Buchautor.

Noch immer ist er viel in der Welt unterwegs - und auch oft in Europa zu Gast. Er gratulierte kürzlich dem ehemaligen Bundespräsidenten Richard von Weizsäcker persönlich zum Geburtstag, vor einigen Monaten hatte er auch Ex-Kanzler Helmut Kohl besucht. Im Juni geht es nach Südafrika zur Fußball-WM. Und nun stand auch wieder Fürth auf dem Reiseprogramm des ergrauten Nobelpreisträgers.

dpa

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