Mit 12 Jahren auf Verbrecherjagd

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Mit dem Scharfsinn von Daniel (links) und Maxi hat ein Reifenstecher in Brannenburg nicht gerechnet. Zusammen mit ihrem Freund Ricardo haben die Buben dafür gesorgt, dass der Serienstraftäter gefasst wurde.

Brannenburg - Ein Reifenstecher trieb in Brannenburg sein Unwesen. Aber der ist jetzt gefasst - Dank Daniel (12), Maxi (11) und Ricardo (12). Sie beobachteten den Täter und lieferten ihn an die Polizei aus.

Lesen Sie hier den Originalartikel aus dem Oberbayerischen Volksblatt:

Hellwach und couragiert

Brannenburg (OVB) - Rund 15 000 Straftaten werden jährlich in Stadt und Landkreis Rosenheim begangen. In zwei Dritteln der Fälle werden die Täter gefasst.

Dass die Rosenheimer Aufklärungsquote damit über dem Landes- und Bundesschnitt liegt, ist auch Buben wie Daniel (12), Maxi (11) und Ricardo (12) zu verdanken. Aufmerksam und couragiert sorgte das Trio aus dem Inntal dafür, dass ein mehrfach vorbestrafter Reifenstecher gefasst wurde.

Ein Mann geht im Schutz der Dunkelheit neben dem Kotflügel eines Autos in die Hocke und steckt beim Aufstehen einen Gegenstand in eine Ledertasche: eine Beobachtung, die viele Menschen nicht stutzig gemacht hätte. Anders die drei Buben aus Brannenburg und Flintsbach: Sie gingen der Sache auf den Grund - und lieferten der Polizei den Täter sozusagen auf dem Serviertablett. "Absolut vorbildlich" hätten die Kinder reagiert, lobten die Ermittler. "Die Nachricht von der Festnahme des Reifenstechers und auch die Vorgeschichte haben sich im Ort wie ein Lauffeuer verbreitet", sagt die Mutter von Daniel. Zuvor schon seien die Reifen weiterer Autos aufgeschlitzt worden. "Deshalb hoffen jetzt alle, dass der Spuk vorbei ist", so die Mutter, die sehr stolz ist auf die drei Buben: "Andere wären weiter gefahren, das war sehr aufmerksam und couragiert."

Als Belohnung gab es für das Trio Süßigkeiten und etwas Taschengeld. "Und von der Besitzerin des Autos hat jeder von uns fünf Euro bekommen", freut sich Maxi. Wie bereits kurz berichtet, startete der 49-Jährige seinen Sabotage-Akt auf einen grünen Ford um 18.10 Uhr. Da war es bereits stockdunkel. Trotzdem bekamen die Buben auf dem Parkplatz im Vorbeiradeln mit, wie der Unbekannte etwas Blitzendes in ein Leder-Etui steckte. Außerdem hörten sie ein Zischen. Die Buben fuhren ein Stück weiter, warteten ab, bis sich der 49-Jährige auf sein Fahrrad geschwungen hatte, und kehrten dann um. "Fast wäre ich mit ihm zusammengestoßen, als er plötzlich abgebogen ist", erinnert sich Daniel. Ein paar Augenblicke später hatten die Schüler Gewissheit. "Auf einer Seite waren die Reifen schon platt, auf der anderen zischte die Luft noch raus." Gleichzeitig entdeckten sie die Einschnitte in den Reifen. Wenig später klingelte bei der Inspektion Brannenburg das Telefon. Maxi hatte über die 110 die Polizei angerufen und den Fall geschildert. Sogar das Autokennzeichen hatte er sich gemerkt.

Am Kiosk in Brannenburg wartete das Trio dann auf die Polizei. Als sie eintraf, lieferten die Buben den zwei Streifenbeamten eine genaue Täterbeschreibung des Mannes und des Fluchtwegs: "Er hatte dunkle Sachen an, eine Jogging- und Wolljacke, war mittelgroß und ein bisserl dicker und hatte vermutlich eine Glatze", so Daniel. Die Angaben führten schnell zum Tatverdächtigen, der nicht weit entfernt vom Tatort in Brannenburg wohnt. Bei seiner Festnahme hatte er das Messer - vermutlich die Tatwaffe - noch in der Gürteltasche stecken. Laut Polizei ist der Mann mehrfach vorbestraft. Ein Grund mehr, um vor dem detektivischen Spürsinn der Buben den Hut zu ziehen. So haben es die Kinder den Erwachsenen vorgemacht, die über eine Gesellschaft der Gleichgültigkeit und des Wegsehens klagen. Wenn viele so handeln würden wie Daniel, Maxi und Ricardo, bräuchte niemand mehr Eigeninitiative und Zivilcourage einfordern.

Ludwig Simeth/Oberbayerisches Volksblatt

Quelle: rosenheim24.de

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