Heftige Diskussion um KiTa nach Zeitungsartikel

Spiegel-Bericht: Skandal oder Schlammschlacht?

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Die Kindertagesstätte "Barbara Strell" in Kolbermoor
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Kolbermoor - In der aktuellen Ausgabe berichtet "Der Spiegel" über mutmaßlichen Missbrauch in der Kindertagesstätte "Barbara Strell". Nun melden sich der Träger und die betroffenen Eltern.

"Bienchen in Gefahr"; so titelt "Der Spiegel" in seiner Ausgabe vom 12. Mai. In einem ganzseitigen Bericht ist dort über mutmaßliche Missstände in der Kolbermoorer Kindertagesstätte "Barbara Strell" zu lesen, Radio Charivari berichtete. Die Kinder sollen dort Opfer von Vernachlässigung und Missbrauch geworden sein. Neben Fäkalsprache und Gewalt an den Kindern sollen auch Vernachlässigungen an der Tagesordnung gewesen sein. Nun schalten sich das Landratsamt in Rosenheim mit dem zuständigen Jugendamt, der Träger der Einrichtung, das erzbischöfliche Ordinariat München, die Stadt Kolbermoor und zuletzt die betroffenen Eltern in die Diskussion um die Zustände in der KiTa ein.

Kurzfristige Pressekonferenz in Kolbermoor einberufen

Das Landratsamt in Rosenheim um Pressesprecher Michael Fischer reagierte prompt auf die Anschuldigungen, die nicht nur zwischen den Zeilen im Artikel des Magazins zu lesen sind. Kurzerhand wurde eine Pressekonferenz mit allen Beteiligten im großen Sitzungssaal in Kolbermoor angesetzt. Als "einseitig und nicht aktuell" beschreibt der kirchliche Träger, im Rathaus vertreten von Christian Eichinger, die Berichterstattung im "Spiegel". Leitungscoachings und andere Maßnahmen zur Mitarbeiterentwicklung wurden nicht erst im Nachgang der Anschuldigungen sondern bereits zuvor in Angriff genommen. "Im Moment haben wir genug Personal, gleichzeitig ist aber immernoch Luft nach oben", erklärt Christian Eichinger. In den kommenden Tagen und Wochen stehen die Vorhaben wie erneute Elternabende an erster Stelle, um die "verzerrte Darstellung wieder gerade zu rücken" und das Vertrauen der Eltern zu festigen.

Das Jugendamt reagierte umgehend

Wie Sabine Stelzmann vom Jugendamt in Rosenheim bestätigte, kam es bereits im März 2013 zu einer Mitteilung über Beobachtungen in der KiTa an das Sozialministerium. Man habe umgehend den Kontakt mit den Mitarbeitern aufgenommen und sei in Gespräche mit dem zuständigen Träger eingetreten. Nach intensiven, eigenen Beobachtungen sah man aber schließlich keine Veranlassung die Einrichtung zu schließen, so Sabine Stelzmann. Von Seiten der Eltern habe es dabei keine einzige Beschwerde über den Zustand ihrer Kinder gegeben. Die Vertreterin des Kreisjugendamts wies dabei nachdrücklich darauf hin, dass besonders die unter 3-Jährigen vom Jugendamt besonders berücksichtigt wurden. So sei es für die kleineren Besucher des Kindergartens besonders wichtig beobachtet zu werden, da diese sich selbst meist noch nicht richtig mitteilen könnten und somit besonders schützenswert seien.

"Keine Verlagerung der Schmerzgrenze"

Der Bürgermeister der Stadt Kolbermoor, Peter Kloo, zeigte sich erstaunt über den Bericht des "Spiegel" und stellte die fachliche Kompetenz des Verfassers in Frage. Er wieß wiederholt daraufhin, dass die Vorwürfe überprüft wurden und nicht bestätigt werden konnten. Deshalb sei die Schließung oder auch die Verlagerung der Qualitätsgrenze keine Option, so der Bürgermeister weiter. Ein KiTa-Platz nur zum Selbstzweck könne nie die Absicht der Stadt und der Verantwortlichen sein. Er fühle sich sich lediglich von der Bundespolitik ein wenig im Stich gelassen. Eine neue Kindertagesstätte zu bauen, dauere um die zwei Jahre, nötiges Person für den Betrieb fertig auszubilden hingegen mindestens fünf Jahre, so Peter Kloo.

Bilder von der Kindertagesstätte "Barbara Strell" in Kolbermoor

Bilder von der PK und der KiTa

Betroffene Eltern melden sich zu Wort

Auf besonderes Unverständnis stieß der Artikel dabei bei den betroffenen Eltern. Franz Bartel, Vater von drei Kindern, der sich eigens für die Pressekonferenz frei genommen hatte, lobte die Leitung und die Betreuerinnen für ihre gute Arbeit. Ihm sei dazu in der Vergangenheit nicht aufgefallen, dass es zu Vorfällen gekommen sei. Man stehe seitens aller Eltern der betroffenen zwei Gruppen auch weiterhin voll hinter den Angestellten und würde sich freuen, wenn die falschen Anschuldigungen durch eine Entschuldigung aus der Welt geschafft würden.

Ein weiterer Vater, Bernhard Dannecker, geht sogar noch einen Schritt weiter. Er berichtet von Streitgkeiten unter den Betreuerinnen und vermutet nun, dass die drei mittlerweile auf eigenen Wunsch freigestellten Angestellten ihrem Arbeitgeber nochmal eine dreckige Spitze mitgeben wollten. So wurde bereits im Vorfeld gedroht, die Zeitung einzuschalten und die Vorwürfe öffentlich zu machen. Bernhard Dannecker selbst stelle sich jedoch auch komplett hinter die Leitung der KiTa. Er könne die Vorwürfe schließlich nicht nachvollziehen. "Wenn Kinder neue Wörter aufschnappen, merken sie sich die sofort",  weiß der Familienvater. "Bei uns zu Hause kamen aber keine Schimpfwörter an."

Informationen veraltet und teilweise nicht mehr richtig

Michael Fischer, Pressesprecher des Landratsamts in Rosenheim, betonte darüber hinaus, dass die Informationen, die dem Artikel zu Grunde liegen, mittlerweile 4 Wochen alt seien. Weitergehende Informationen, die der Zeitung danach zugespielt wurden, seien schlicht nicht mehr berücksichtigt worden. Christian Eichinger bestätigte, dass es im Zuge der vermeintlichen Vorfälle zu einer Ermahnung, jedoch keiner Abmahnung gekommen sei. In den im "Spiegel" beschriebenen Fällen stehe aber weiterhin "Aussage gegen Aussage", die betroffenen Mitarbeiter konnten glaubhaft das Gegenteil zu den Anschuldigungen versichern.

Quelle: rosenheim24.de

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