Haiti: Immer noch werden Beine amputiert

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Bei vielen Operationen müssen die Erdbebenopfer große Schmerzen ertragen.

Rosenheim/Haiti -"Drei Wochen nach dem Erdbeben ist die Situation auf Haiti weiterhin erschütternd", erklärte Ulrich Brunner, Vorsitzender von "Apotheker ohne Grenzen Deutschland", aus Oberaudorf.

Und: "Es gibt noch immer keine effiziente Koordination der Hilfe." Trotzdem ist der Einsatz von derzeit vier Mitarbeitern von "Apotheker ohne Grenzen" für viele Erdbeben-Opfer ein Segen. Brunner steht von seiner Oberaudorfer Apotheke aus in engem Kontakt zu ihnen. Zu dem Quartett gehört Apothekerin Karin Gröschner, die während der eineinhalbstündigen Fahrt von Port-au-Prince ins 80 Kilometer westlich gelegene Leogane nichts als zerstörte Häuser sieht. Leogane ist einer der Standorte, an denen die "Apotheker ohne Grenzen" die medizinischen Teams der Kaufbeurer Hilfsorganisation "Humedica" unterstützen.

"Trotz der großen Not hat man das Gefühl, dass die Haitianer aus einer gewissen Schockstarre erwachen und sich allmählich wieder alltäglichen Dingen zuwenden", so Gröschner. In Leogane warten bereits viele Patienten vor dem Zelt. Den Einsatztag schildert die Apothekerin so: "Wir beginnen unverzüglich, zunächst die bestellten Patienten zu versorgen. Dafür wird man als Apotheker auch zur Krankenschwester und unterstützt den Arzt beim Verbandwechsel und Wundenspülen. Den Rest des Tages können wir etwa 110 Patienten versorgen. Es gibt nur noch wenige akute Verletzungen. Viele Mütter kommen mit ihren Kindern, die meist Bronchitis oder Hautinfektionen haben. Die Patienten drängen sich ungeduldig ins Zelt, und unsere Dolmetscher müssen sie immer wieder zur Zurückhaltung drängen."

Die Zeit ist knapp: Bis 18 Uhr müssen die Helfer ihr Lager in der Hauptstadt wieder erreicht haben. Danach können die UN die Sicherheit nicht mehr garantieren. So geht es spätnachmittags zurück nach Port-au-Prince. Vorher werden noch die drei "stationären" Patienten behandelt. Sie verbringen die Nacht auf Feldbetten hinter dem Zelt.

Im Krankenhaus "Espoir" gelingt es mit großem Aufwand, eine Art Apotheke zu errichten. Gröschner: "Die Chirurgen aus unserem Team operierten fünf Opfer. Die Ruhe, mit der sie unter diesen Bedingungen Eingriffe und Schmerzen ertragen, ist beeindruckend."

Im Hospital "Espoir" arbeitete auch Dr. Julia Micklinghoff, eine weitere "grenzenlose" Apothekerin. Dort werden - anders als in Leogane - schwere Verletzungen versorgt, also Patienten mit komplizierten Knochenbrüchen oder großen Wunden. Micklinghoff: "Viele haben lange unter Trümmern gelegen, oft bleibt nur eine Amputation, um das Leben der Patienten zu retten." Selbst dann kann es zu lebensbedrohlichen Infektionen kommen, da sterile Bedingungen wie in einem deutschen Krankenhaus auf Haiti nicht annähernd erreicht werden.

Micklinghoff ist oft im OP, assistiert der Anästhesistin. "Oft haben die Menschen große Schmerzen während der OP", berichtet sie. "Auch aufwändige Eingriffe werden meist nur unter Ketamin und Midazolam vorgenommen, andere Narkosemöglichkeiten haben wir nicht." ls

Quelle: rosenheim24.de

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