Hätte die Stadt reagiert?

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Der Angeklagte Rüdiger S.

Bad Reichenhall - Über fünfeinhalb Jahre nach dem Einsturz der Bad Reichenhaller Eishalle muss sich ab heute erneut ein Statiker vor Gericht verantworten.

Rüdiger S. war im November 2008 vom Landgericht Traunstein freigesprochen worden. Der Richter stellte zwar eine Sorgfaltspflichtverletzung fest, allerdings nicht im aktiven Handeln, sondern wegen Unterlassens. "Erklären sie das mal einem Angehörigen, der bei dem Unglück ein Familienmitglied verloren hat, dass das Gericht zwar eine Pflichtverletzung erkennt, den Angeklagten aber freispricht", sagte Opferbeistand Thomas Kämmer im BGLand24-Interview. Die Angehörigen hatte das Urteil vom Bundesgerichtshof prüfen lassen, der es im Januar 2010 kassierte.

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Ab Donnerstag muss sich Rüdiger S. also noch einmal dem Landgericht stellen. Ihm wird vorgeworfen, der Eishalle drei Jahre vor dem Einsturz einen guten Zustand bescheinigt zu haben. Thomas Kämmer vertritt mit diversen Anwälten sechs Hinterbliebene als Nebenkläger. Er will dafür sorgen, dass auch die Verantwortlichen der damaligen Stadtverwaltung und die Stadträte von 2003 in den Zeugenstand gerufen werden. "Wenn sie erklären, dass sie reagiert hätten, wenn ihnen Rüdiger S. eine richtige Darstellung der Probleme an der Eishalle gegeben hätten, dann muss er verurteilt werden", sein Fazit. Für ihn ist also die Frage entscheidend: "Hätten sie reagiert? Und wenn ja, wie?"

Der Anwalt des Angeklagten, Andreas Kastenbauer, sieht für seinen Mandanten dagegen erneut gute Chancen auf einen Freispruch. Staatsanwalt Andreas Miller wollte sich im Vorfeld gar nicht zu dem Revisionsverfahren äußern. Insgesamt sind zehn Verhandlungstermine (15./20./22./27./29.09. und 11./13./18./25./27.10.) vorgesehen. Kämmer bezweifelt, dass diese zehn ausreichen werden. "Sollte bis zum 27. Oktober kein Urteil fallen, wird ab 8. November durchgehend dienstags und donnerstags verhandelt." Am Donnerstag wird zuerst die Anklage verlesen und dann die Zeugen- und Beweismittelliste besprochen.

Die Gedenkstätte:

Gedenkstätte für die Eishallenopfer

Beim Einsturz der Eishalle in Bad Reichenhall waren am 2. Januar 2006 15 Menschen ums Leben gekommen, die meisten davon Kinder. Im ersten Prozess ist der Konstrukteur des Hallendachs zu einer Bewährungsstrafe verurteilt worden.

cz

Quelle: BGland24.de

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