A8-Großprojekt in der Warteschleife

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Da kommt Einiges auf Autofahrer und Anwohner zu: Die A8 wird über Jahre hinweg zur Großbaustelle. Los gehen soll es im vordringlichen Bedarf zwischen Rosenheim und Bernau - wohl frühestens 2014.

Landkreis - Marode Brücken und vom Salz zerfressene Betonsäulen. - Die Autobahn 8 zwischen Rosenheim und Salzburg wird immer mehr zum Sicherheitsrisiko. Aber wann rollen die Bagger an?

Beim dringend erforderlichen Neubau - einem 850-Millionen-Projekt - läuft den Planern die Zeit davon. Eigentlich sollte es im Abschnitt zwischen Rosenheim und Achenmühle 2011 oder 2012 losgehen. Doch daraus wird nichts. Das Verfahren zieht sich hin. Frühestens in drei bis vier Jahren werden wohl die ersten Bagger anrollen.

So wird es an den kritischsten Stellen im Verlauf der Vorkriegsautobahn - gebaut zwischen 1935 und 1939 - zu grotesken Baustellen kommen. Dort müssen Brückenbauwerke, deren Tragfähigkeit besonders gelitten hat, aus Sicherheitsgründen mit einem hohen Aufwand saniert werden, um wenige Jahre später, wenn die neue Trasse kommt, wieder abgerissen zu werden.

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Weil die A8 zwischen Rosenheim und der Landesgrenze nicht nur viel zu alt, sondern auch viel zu schmal und gefährlich ist, stand eine reine Instandsetzung in den vorhandenden Abmessungen, ohne Sicherheit und Kapazität zu verbessern, von Anfang an nicht zur Debatte. Nur zwei Spuren in jede Richtung, keine Standstreifen, ein 1,20 Meter breiter Grünstreifen zwischen den Mittelleitplanken und viel zu kurze Einfahrten. - Diese Risikofaktoren können die Fahrt auf der A8 zu einem nervenaufreibenden Abenteuer machen. Hinzu kommen unübersichtliche Kurven und Gefällstrecken.

Ernsthaft diskutiert und von der Autobahndirektion Südbayern beleuchtet wurden deshalb nur zwei Varianten: Der Ausbau von vier auf sechs Fahrstreifen plus Standstreifen oder der beidseitige Ausbau der Standspuren, die man bei viel Verkehr als dritte Fahrbahn freischalten könnte.

Bei der großen sechsspurigen Lösung müsste die Autobahn von jetzt 17 auf 36 Meter verbreitert werden, wie Paul Lichtenwald, Präsident der Autobahndirektion Südbayern erläutert. Doch der Flächenbedarf in der Breite wäre bei der kleinen 4+2-Variante mit einem Querschnitt von 31 Metern nur unwesentlich geringer. Vorwiegend wegen zahlreicher Nothaltebuchten, die man im Abstand von 500 Metern schaffen müsste, sowie der dringend erforderlichen Verbreiterung der Mittelstreifens von 1,20 auf vier Meter.

Im Laufe des landkreisübergreifenden Planungsdialoges mit allen betroffenen Landkreisen, Kommunen, Anliegern und Interessengruppen, der sich inzwischen zwei Jahre hinzieht, hat sich die Mehrheit der Beteiligten schon früh auf sechs Spuren verständigt. Dafür rückte das Thema Lärmschutz in den Vordergrund. Schließlich sehen Anwohner nicht ein, dass sie mit ihrer Lebensqualität dafür zahlen sollen, dass Urlauber und Pendler auf der A8 komfortabler und sicherer unterwegs sind.

Also wurden Galerie- und Tunnellösungen entworfen, um Anwohnern möglichst wenig Lärm und Gestank zuzumuten - vor allem im 16 Kilometer langen Teilstück zwischen Rosenheim und Frasdorf, das im Bundesfernstraßenplan mit vordringlichem Bedarf ausgewiesen ist.

Die mehrere hundert Meter langen Tunnel, Einhausungen und Galerien, die im Bereich von Achenmühle und bei Frasdorf entstehen sollen, haben allerdings bereits genehmigte Vorentwürfe und damit den Zeitplan über den Haufen geworfen. Jetzt entwirft die Autobahndirektion neue Vorentwürfe. Dass die teuren Galerielösungen vom Bundesverkehrsministerium und der obersten Baubehörde auch genehmigt werden, haben Vertreter des Ministeriums während des Planungsdialoges bereits signalisiert.

Danach geht es ins Planfeststellungsverfahren. Mit Klagen und Gerichtsverfahren ist zu rechnen, ehe es an die Vergabe der Bauarbeiten geht. So werden wohl mindestens drei oder vier weitere Jahre verstreichen, ehe das Mammutprojekt A8-Ausbau zwischen Rosenheim und Frasdorf angepackt wird. Nach Angaben der Statiker zu viel Zeit, um mit der Sanierung der Brückenpfeiler weiter zu warten.

Die Hälfte der 70 Bauwerke zwischen Inntaldreieck und Freilassing ist in einem kritischen oder sogar ungenügenden Zustand. Manche müssen von Grund auf erneuert werden, teilweise bis zum Fundament hinunter, obwohl sie schon ein paar Jahre später wieder der Abrissbirne zum Opfer fallen.

Die Brücken nachhaltig auf die spätere Sechsspurigkeit hin zu erneuern, ist aus baurechtlichen Gründen unmöglich. Zudem steht die exakte Trassenführung noch nicht fest. So weit es geht, wird asymmetrisch gebaut. Das heißt neben der bestehenden Autobahn werden neue Fahrbahnen entstehen. An bestimmten Stellen dürfte aber ein symmetrischer Ausbau - hier wird die Autobahn links und rechts erweitert - unvermeidbar sein.

Völlig offen ist noch die Frage der Finanzierung des A8-Ausbaus, dessen Kosten auf 820 bis 850 Millionen Euro geschätzt werden. Zur Verfügung hat die Autobahndirektion Südbayern jährlich nur 100 bis 120 Millionen Euro. Und sollte Garmisch-Partenkirchen den Olympia-Zuschlag erhalten, muss sie sich wohl auf größere Baumaßnahmen im Loisachtal einrichten.

Ludwig Simeth (Oberbayerisches Volksblatt)

Quelle: rosenheim24.de

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