Schwulenfeindlichkeit in Großkarolinenfeld

"Geistig fehlgeleitete Schmierereien"

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Diese Schmierereien fand ein homosexuelles Paar auf ihrer Mülltonne.
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Großkarolinenfeld - Die schwulenfeindlichen Schmierereien in Großkarolinenfeld haben für Aufsehen gesorgt. Im Interview bezieht Bürgermeister Bernd Fessler Stellung.

Groß war die Empörung über die schwulenfeindlichen Schmierereien auf einer Mülltone in Großkarolinenfeld. Darauf waren Parolen "Schwule raus" geschrieben. Nun bezieht Bürgermeister Bernd Fessler im Interview mit rosenheim24.de klar Stellung.

Herr Fessler, wie haben Sie den Vorfall mitbekommen?
Bernd Fessler: Ich habe von dem Vorfall über die Medien erfahren. Ich habe mit den Betroffenen zwar nicht persönlich gesprochen, ihnen aber geschrieben, dass sie jederzeit mit ihren Anliegen zu mir kommen können. Auch der Polizei haben wir das Angebot gemacht, dass wir jederzeit kontaktbereit sind, auch wenn ich glaube, dass sich eine solche Aktion wahrscheinlich nicht wiederholt.

Seit der Gründung Integrationsaufgaben

Wie war Ihre Reaktion auf die Vorkommnisse?

Das hat mich überrascht, weil unsere Gemeinde eigentlich sehr offen ist. Solche dümmlichen Aktionen passen eigentlich hinten und vorne nicht zu Großkarolinenfeld. Unser Selbstverständnis ist ein ganz ein anderes, schon allein aus der Historie. Wir haben seit unserer Gründung Integrationsaufgaben, und denen sind wir immer gerecht geworden. Als erste evangelische Gemeinde in ganz Bayern haben wir schon immer eine gute und gelebte Ökumene gehabt. Und man sollte einfach generell eine gewisse Weltoffenheit haben.

Was sagen Sie Leuten, die Großkarolinenfeld jetzt als schwulenfeindlich ansehen?

Man darf nicht den Fehler machen und von einer dummen Einzelaktion auf alle anderen Einwohner zu schließen. Ich will auch klarmachen, dass solche geistig fehlgeleiteten, intoleranten und scheuklappenbehafteten Schmierereien in Großkarolinenfeld keinen Platz haben.

"Man kann sich nicht aussuchen, wo Wahnsinnige unterwegs sind"

Wie schätzen Sie denn die allgemeine Lage in der Region in Bezug auf Intoleranz gegenüber Minderheiten ein?

Man kann sich halt nicht aussuchen, wo solche Wahnsinnige unterwegs sind. Aber ich denke, dass solche Einstellungen in Großkarolinenfeld und in der Umgebung keinen großen Nährboden finden.

Mit Blick auf die Zukunft: Welche Maßnahmen werden in ihrer Gemeinde jetzt unternommen, um solchen Taten vorzubeugen?

Ich halte es zum jetzigen Zeitpunkt und mit meinem jetzigen Wissenstand nicht für erforderlich, spezielle Maßnahmen zu ergreifen. Die Aktion ging von einer Einzelperson aus, die nach meinen Informationen äußerst wahrscheinlich gar nicht mehr hier wohnt. Und derartige Aktionen werden auch von der Mehrheit der Einwohner nicht unterstützt. Falls es trotzdem wieder zu solchen Anfeindungen und einer längeren Belästigung kommt, werden wir natürlich weitere Schritte ins Auge fassen.

Das Interview führte Andreas Hundseder

Quelle: rosenheim24.de

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