Grabenstätter Pfarrei schüttelt den Kopf *Mit Voting*

Satire oder Ernst? Protestbrief gegen "menschenunwürdiges Glockengeläut"

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St. Maximilian in Grabenstätt. Hier wurde am 24. Dezember 2019 ab 6 Uhr in der Früh geläutet - wie eigentlich immer, doch jetzt kursiert ein zweifelhafter Protestbrief dagegen. Macht sich hier etwa jemand einen Spaß?
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Grabenstätt - Ein scheinbarer Protestbrief landete im Rathaus und der Kirche: Das "Sturmläuten" an Heiligabend sei "menschenunwürdig" gewesen - doch die Verfasser bleiben anonym und sorgen für Kopfschütteln bei der Pfarrei. 

"Wir haben Weihnachtsferien, viele Eltern haben sich Urlaub genommen und unsere Kinder könnten eigentlich ausschlafen. Eigentlich!", heißt es in dem Brief. Schon um 6 Uhr in der Früh hätten in Grabenstätt am 24. Dezember die Kirchenglocken geläutet - sechs Mal zur vollen Stunde und dann alle viertel Stunde: "Das ist kein lebenswertes Leben mehr im Ortskern von Grabenstätt. Spätestens jetzt sind nicht nur wir Eltern wach, sondern auch unsere Kinder. Was nun? UNO spielen?"

Brief bezeichnet Glockengeläut als "menschenunwürdig"

Max Wimmer versteht dagegen die Welt nicht mehr. Er ist Verwaltungsleiter der Pfarrei St. Maximilian in Grabenstätt. Auch bei ihm landete der Protestbrief auf dem Schreibtisch, genauso wie im Rathaus. "Ich habe extra nochmal mit dem Mesner gesprochen. Wir haben diesmal an Heiligabend nicht anders geläutet als sonst oder wie an allen anderen Tagen auch", so Wimmer im Gespräch mit chiemgau24.de. 

Von einem "menschenunwürdigen Glockengeläut" ist schon im Betreff des Schreibens die Rede. Der Brief liegt der Redaktion vor. Er ist völlig anonym verfasst. In der Pfarrverwaltung findet man das ganze bedenklich. "Auch persönlich hat sich niemand bei uns gemeldet. So eine Art und Weise ist für das Miteinander natürlich nicht förderlich", so Wimmer. 

"Wir werden weiterläuten wie bisher"

Die Verfasser des Briefes fühlen sich angeblich ungleich behandelt: Während man in Grabenstätt ab 6 Uhr mit einem "mehrminütigem Sturmgeläut" konfrontiert sei, bekämen die Menschen außerhalb des Dorfes davon nichts mit "und können in aller Ruhe weiterschlafen. Der Gleichheitsgrundsatz ist nicht mehr gegeben." Es reiche völlig aus, wenn das Stundengeläut erst um 9 Uhr beginne, meinen die anonymen Verfasser.

"Wir hatten noch nie Beschwerden bekommen und werden weiterläuten wie bisher", so Pfarrverwaltungsleiter Max Wimmer. Im Brief werden darüber hinaus eine Bürgerinitiative und Unterschriftenlisten angekündigt ("sie liegen bereits in den Geschäften, in den Kirchen und bei den Vereinen auf"). Doch weder Wimmer weiß von Unterschriftenlisten, noch haben andere Grabenstätter davon gehört. Es scheint sie schlicht nicht zu geben

Satire oder Ernst?

Stellt sich die Frage: Gibt es tatsächlich ein paar Grabenstätter, die sich des Schlafes beraubt fühlen? Schließlich macht auch ein Fall aus Regen derzeit Schlagzeilen, in dem sich Bürger ebenfalls anonym über das nächtliche Glockenschlagen beschweren. Oder erlaubt sich in Grabenstätt dann doch jemand einen Scherz zum Jahreswechsel?

xe

Quelle: chiemgau24.de

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