Altmühltal: Oase der Vollbeschäftigung

Eichstätt  - Das Altmühltal ist nicht nur ein idyllisches Fleckchen, die Gegend bietet noch andere Vorteile für ihre Bewohner: Die meisten Menschen haben einen Job. Warum es dort wenig Arbeitslose gibt:

Etwa 125 000 Menschen leben im oberbayerischen Landkreis Eichstätt, mitten im idyllischen Altmühltal. Die Bevölkerung lebt in einer Oase der Vollbeschäftigung: Die Arbeitslosenquote lag im Dezember bei 1,2 Prozent. “In dieser Region sind alle Arten an Arbeitsplätzen vorhanden, von denen viele sehr sicher sind: Behörden, Universität, Tourismus und mittelständische Betriebe mit der Steinindustrie“, sagt Rolf Zöllner, Leiter der Arbeitsagentur Ingolstadt, die den Landkreis betreut. “Und natürlich pendeln viele Einwohner nach Ingolstadt, zum Beispiel zu Audi.“

Die breite Aufstellung unterscheidet nach Worten Zöllners den Landkreis Eichstätt auch vom Landkreis Freising, der zwar ebenfalls eine niedrige Arbeitslosenquote verzeichnet, die allerdings zum größten Teil aus dem Münchner Flughafen resultiere. Auch bei der hohen Facharbeiterdichte liegt Eichstätt vor Freising.

Geografische Lage als Vorteil

40 Prozent der Arbeitnehmer im Landkreis Eichstätt sind im produzierenden Gewerbe tätig - deutschlandweit sind es rund 24 Prozent. Wegen des hohen Anteils an Behördenarbeitsplätzen und an der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt sind laut Zöllner darüber hinaus viele Arbeitsplätze vorhanden, die gern von Frauen genutzt werden. Hinzu kommt als Standortvorteil die geografische Lage: Durch den Landkreis führt die Autobahn München-Nürnberg (A9) sowie die ICE-Trasse zwischen Nürnberg und München.

Unter 100 Jobsuchende für einen Vermittler

Die geringe Zahl an Arbeitslosen hat auch zur Folge, dass sich die Mitarbeiter der Arbeitsagentur intensiver um die verbleibenden Arbeitslosen kümmern können. “Kommen woanders bis zu 1000 Arbeitssuchende auf einen Vermittler, sind wir hier bei unter 100. Wir haben Integrationsvermittler, die sich um die besonders schweren Fälle kümmern - da liegt die Quote bei 1 zu 65“, erläutert Zöllner.

Kein Wunder, dass auch der Eichstätter Landrat Anton Knapp zufrieden ist: “Aus einer guten Beschäftigungssituation leiten sich viele Dinge ab. Die Sozialausgaben sind geringer, die Kaufkraft steigt und das wiederum fördert neue Arbeitsplätze und zufriedene Menschen.“ Sich selbst bezeichnet er als Wirtschaftsförderer. Knapp spricht von einem Drei-Säulen-Modell: “Die Gemeinden, die die Gewerbeflächen bereitstellen, der Landkreis, der alles zügig genehmigt und die Unternehmen, die sich ansiedeln.“

Karl-Heinz Katzki, Vorsitzender des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) in der Region, gießt etwas Wasser in den Wein, wenn er feststellt: “Auch hier gibt es prekäre Beschäftigungsverhältnisse, zum Beispiel in der Gastronomie sowie Leih- und Zeitarbeit. Da dürfen wir als Gewerkschaften nicht die Augen verschließen, sondern müssen den Finger in die Wunde legen.“

zu wenig Fachkräfte

Bedenken melden die Vertreter der Arbeitgeber an. “An sich ist die quasi-Vollbeschäftigung ein Segen. Aber der Fachkräftemangel macht sich immer deutlicher bemerkbar“, sagt Wilhelm Kapfer von der Industrie- und Handelskammer (IHK) Ingolstadt. “Die Unternehmen müssen jetzt neue Wege gehen, um Arbeitnehmer zu finden. Sie müssen noch stärker in die Ausbildung einsteigen und auch schwächeren Schülern eine Ausbildung anbieten.“ Jens Christopher Ulrich von der Handwerkskammer für München und Oberbayern ergänzt: “Grundsätzlich ist die Konjunktur für das Handwerk gut. Allerdings gibt es keine Fachkräfte in dem Maß, wie es nötig wäre.“

Einen weiteren Nachteil nennt die ansonsten optimistische Arbeitsagentur: Nicht vorhandene Arbeitskräfte seien ein Argument gegen eine Betriebsansiedlung. Deshalb habe die Region die Initiative Regionalmanagement Region Ingolstadt e.V. mit ihrer Marke IngolStadtLandPlus gegründet. Sie soll helfen, der Region ein positives Image zu geben, so dass sich mehr Menschen ansiedeln.

dpa

Rubriklistenbild: © Symbolbild (dpa)

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