SCHATZSUCHER GRUBEN ENIGMA-NACHFOLGER AUS

Ayinger "Hitlermühle" ist Bodendenkmal - Einigung vor Gericht

+
Gehört nach dem Fund zur Sammlung des Deutschen Museums: das Schlüsselgerät 41.
  • schließen

München - Vor knapp zwei Jahren haben zwei Ayinger Schatzsucher einen Sensationsfund gemacht: Sie gruben die Verschlüsselungsmaschine "Hitlermühle" aus. Nun hat das Gericht entschieden, dass es sich bei dem Fund um ein Bodendenkmal handelt. Was das nun bedeutet:

Update, Donnerstag, 6.40 Uhr: Einigung vor Gericht

Es ist eines von ganz wenigen Exemplaren des Schlüsselgeräts 41, das sich vollständig erhalten. Und das erste dieser Art, das in Bayern gefunden wurde: Die Hitlermühle. Das Münchner Verwaltungsgericht hatte am Mittwoch zu entscheiden, ob es sich um ein Bodendenkmal handelt und wer der rechtmäßige Besitzer der Verschlüsselungsmaschine ist.

Wie der Bayerische Rundfunk berichtet, konnten sich die Parteien im Prozess einigen. Das Verwaltungsgericht München beurteilte die Chiffriermaschine zwar als Bodendenkmal, die Maschine darf jedoch weiterhin im Deutschen Museum ausgestellt werden. Der Finder soll künftig bei archäologisch wertvollen Funden sogleich das Landesdenkmalamt informieren. 

Die Vertreter des Landesamts für Denkmalpflege machten im Prozess deutlich, dass es ihnen eigentlich nicht um den Fund selbst gehe, sondern eher um den Fundort und wie das Stück nach Aying gekommen sei. „Es geht um den Bezug zum Ort“, erklärte ein Denkmalpfleger. „Wir wüssten gerne, wie es in den Wald nach Aying kam. Das könnte sich mit archäologischen Arbeiten vor Ort feststellen lassen.“ Doch offenbar hat bisher niemand von der Behörde Schöps je gefragt, WO er die Maschine gefunden hat. Die Richterin laut Bild: „Das wäre ein Anruf gewesen, und wir müssten nicht hier sitzen.“

Außerdem solle Schöps einem Archäologen die Fundstelle der "Hitlermühle" im Wald südlich von München zeigen, um dort weitere Untersuchung durchzuführen. 

Aufgrund der Einigung wurde das Verfahren eingestellt, die Kosten trägt der Freistaat. 

Doch hat das Urteil nun Auswirkungen für alle Hobby-Schatzsucher: Wie der BR weiter berichtet, sollten sich Hobby-Schatzsucher laut Gericht generell daran orientieren, dass alles, was jünger als 1945 ist, wahrscheinlich kein Denkmal darstelle. Nicht unter diesen Schutz fielen auch sogenannte "Massenfunde" wie Patronenhülsen - unabhängig von ihrem Alter.

Vorbericht

Vermutlich seit Kriegsende, also mehr als 70 Jahre lang, hat das Gerät im Waldboden bei Aying gelegen: bis zum 5. Mai 2017. Da waren Max Schöps und Volker Schranner gemeinsam mit ihren Metallsuchgeräten unterwegs. Beide haben das gleiche Hobby: Sie gehen in ihrer Freizeit „sondeln“, wie man in Bayern sagt. In jenem Waldstück zeigte Schranners Suchgerät an: Da liegt etwas Metallisches im Waldboden. Und die beiden entschlossen sich, es auszugraben. In rund 40 Zentimetern Tiefe fanden die beiden das Gerät. „Ich war zuerst einmal enttäuscht, weil ich dachte: Da haben wir eine Feldschreibmaschine entdeckt, wie sie von Soldaten im Zweiten Weltkrieg benutzt wurde“, erzählte Schranner nach dem Fund.

Möglicherweise Bodendenkmal?

Das Gerät sieht einer Schreibmaschine tatsächlich ein wenig ähnlich – es hat eine „QWERTZ“-Tastatur – im Prinzip wie unsere heutigen Computer und die damals üblichen Schreibmaschinen. Abends bekam Schranner dann aber einen Anruf von Schöps: „Weißt du, was wir da entdeckt haben?“ sagte Schöps und schickte gleich ein paar Links hinterher. Die Antwort: ein Schlüsselgerät 41, wegen der Kurbel an der Seite auch „Hitlermühle“ genannt. Die beiden Schatzsucher hatten eine der seltensten Chiffriermaschinen überhaupt gefunden. Als Leihgabe stellten es die Finder dem Deutschen Museum in München zur Verfügung.

Konsequenzen für alle Hobby-Schatzsucher möglich

Doch nun ist ein Streit um die Besitzrechte der "Hitlermühle" entbrannt. Wie der Bayerische Rundfunk berichtet, zweifle das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege daran, ob der Fund den beiden Münchnern wirklich gehört. Die Begründung: Die Verschlüsselungsmaschine sei ein sogenanntes Bodendenkmal, worauf nur der Staat Zugriffsrechte habe. Dagegen hat Finder Max Schöps nun vor dem Münchner Verwaltungsgericht Klage gegen den Freistaat Bayern eingereicht. Nun muss das Gericht am Mittwoch entscheiden, ob die "Hitlermühle" ein Bodendenkmal ist oder nicht. Verliert Schöps, könnte das laut BR  Auswirkungen auf alle Hobby-Schatzsucher haben. Diese müssten dann womöglich die Behörden über alle Funde informieren.

mh

Quelle: rosenheim24.de

Zurück zur Übersicht: Bayern

Auch interessant

Kommentare

Live: Top-Artikel unserer Leser

MEHR AUS DEM RESSORT