Franz Müller: Keine neue heiße Spur

  • schließen
  • Weitere
    schließen

Rosenheim -  Der als mutmaßlicher Doppelmörder gesuchte Franz Müller ist weiter auf der Flucht. Trotz fieberhafter Suche der Polizei im Stadtgebiet von Rosenheim am Donnerstag und in der Nacht hat die Polizei keinen Erfolg zu vermelden.

Die Aussage hatte äußert vage geklungen, aber auch vielversprechend. Angeblich hatte die Polizei am Donnerstagnachmittag eine Person gefunden, "auf die die Beschreibung passt". Gemeint ist die Personenbeschreibung, mit der nach Franz Müller als mutmaßlichem Doppelmörder gesucht wird. Kurz nach 16 Uhr durchsuchten deshalb Beamten ein leerstehendes Haus in unmittelbarer Nähe zum Wohnort des 48-Jährigen. Ein Augenzeuge erzählt von zehn mit Maschinenpistolen bewaffneten Beamten. Die Aktion dauerte nicht lang. Wieder kein Erfolg für die Polizisten. Auf die Frage unseres Reporters vor Ort: "Habt ihr ihn jetzt?" gab es zur Antwort: "Nein, haben wir nicht. Wir müssen weitersuchen."

Großfahndung nach Franz Müller

Ein rosenheim24-User hat diesen Fahndungs-Schnappschuss in der Klepperstraße gemacht.

Nahezu den ganzen Donnerstag schon kreiste über dem Brückenberg ein Hubschrauber. Das bestätigte Polizei-Pressesprecher Franz Sommerauer auf Anfrage von rosenheim24. "Wir können den genauen Ort natürlich nicht preis geben, aber wo der Hubschrauber kreist, ist die Suche intensiviert." Vor allem da man noch keine heiße Spur hat, wird jedem Hinweis sofort nachgegangen. Zwischenzeitlich wurden die Passanten auf dem Brückenberg aufgehalten. In der Münchener Straße soll es einen Einsatz der SOKO gegeben haben.

Die Polizei ist seit ca. 12 Uhr mit sieben Bussen im Einsatz und hat auch in einem kleinen Waldstück an der Hochgernstraße nach dem 48-Jährigen gesucht.

Taxifahrer will Flüchtigen gesehen haben

Auslöser für den gewaltigen Sucheinsatz war nach unbestätigen Informationen der Hinweis eines Rosenheimer Taxifahrers. Dieser habe angegeben, den gesuchten Franz Müller am Vormittag in der Fürstätt Straße gesehen zu haben.

Augenzeugin berichtet vom Fund der Opfer

Die Polizei fahndet derzeit nach Franz Müller, der zirka 1,70 Meter groß ist. Über seine aktuelle Bekleidung ist nichts bekannt.

Eine Augenzeugin aus der Nachbarschaft erinnert sich mit Grausen an den schrecklichen Anblick im Keller der Hochgernstraße. "Ich bin durch die Garage in den Keller gegangen, dieser Zugang war von der Polizei noch nicht abgesperrt." Als sie die Leiche von Lacramioara M. sieht, läuft sie schockiert weg. In der Nachbarschaft hatte sich herumgesprochen, dass Franz Müller seine Frau schlug und im Gefängnis saß. Er soll sie sogar "mit dem Bügeleisen verprügelt haben. Aber damit haben wir nicht gerechnet".

Heiße Spur schon Dienstagfrüh - Pension gestürmt

Wie jetzt bekannt wurde, hatte die Polizei in der Nacht von Montag auf Dienstag bereits eine heiße Spur. Sie vermutete, dass der gesuchte Franz Müller bei einem Bekannten in einer Pension in der Innenstadt untergeschlüpft sein könnte.

Um drei Uhr morgens, so sagen Bekannte der betroffenen Pensionswirtin, seien die Polizisten bei der Frau vor der Tür ihrer privaten Wohnung gestanden. Ohne vorherigen Anruf. Sie hätten sie aufgefordert, mit ihnen zur Pension zu fahren.

Dort brachen die Beamten dann die Tür eines Zimmers auf. Gefunden hätten sie aber weder Franz Müller noch einen Hinweis, wo er stecken könnte.

Die Pensionswirtin ist nicht nur durch den nächtlichen "Überfall" der Ermittler immer noch geschockt: "Sie ist herzkrank. Die ganze Sache nimmt sie ziemlich mit. Auch weil sie selbst ein kleines Kind hat", sagen ihre Bekannten.

Hinweise an die Polizei:

Haben Sie den gesuchten Franz Müller gesehen oder andere Hinweise, die zur Aufklärung des Verbrechens an Lacramioara M. (37) und ihrem Sohn (3) führen können? Die Hinweistelefone der Polizei, Telefon  0803... und –3016, sind rund um die Uhr besetzt.

Bereits Mittwochmorgen schien es eine heiße Spur zu geben: Polizisten suchten den Bereich zwischen dem Rosenheimer Nordwesten und Großkarolinenfeld ab. Gegen Mittag allerdings drehte der Hubschrauber ab, die Suche brachte kein Ergebnis. "Wir gehen derzeit jedem Hinweis der Bevölkerung nach", erklärte Polizeisprecher Konrad Rutzinger. Denn wenn auch noch nicht hundertprozentig feststehe, dass Müller der Mörder seiner Exfrau und seines Sohnes ist, so sei dennoch klar: "Er hat mit der Sache etwas zu tun."

Gewalttätig sei Franz Müller auch gegenüber seiner ersten Frau regelmäßig gewesen. Ein heute 25-Jähriger, der als Kind ein Nachbar der Familie gewesen war, erzählt, dass Franz Müller seine Ehefrau oft misshandelt habe: "Meine Mutter ist dann immer nach oben zu ihr, um sich um sie zu kümmern."

Staatsanwalt Volker Ziegler nimmt Stellung

Auch wenn jedem Hinweis nachgegangen wird - viele rosenheim24-User haben den Eindruck, dass die Polizei am Montag und Dienstag zu langsam reagiert hat. Viele Bürger fühlen sich bedroht. Deswegen haben wir bei den Behörden nachgefragt, wie dieser Eindruck entstehen konnte und ob man ihn entkräften kann. Der Sprecher der verantwortlichen Staatsanwaltschaft Traunstein, Volker Ziegler, hat geantwortet:

Warum wurde angesichts der Vorstrafe und des dringenden Tatverdachts gegen Franz Müller nicht früher eine Fahndung eingeleitet?

Ziegler: "Zu den möglichen Vorstrafen des Tatverdächtigen gibt die Staatsanwaltschaft weiterhin keine Auskünfte. Die Fahnungsmaßnahmen nach dem Tatverdächtigen liefen unmittelbar nach der Tat an."

Warum haben Sie nicht früher ein Fahndungsfoto herausgegeben und die Plakat-Aktion gestartet?

Ziegler: "Eine Öffentlichkeitsfahndung kann von der Staatsanwaltschaft gemäß § 131 Abs.3 StPO erst veranlasst werden, wenn andere Formen der Aufenthaltsermittlung erheblich weniger Erfolg versprechen oder wesentlich erschwert wären. Insbesondere die Veröffentlichung von Abbildungen ist auch nur unter diesen Voraussetzungen möglich. Aus Gründen der Verhältnismäßigkeit ist deshalb zunächst immer eine örtliche Fahndung durchzuführen. Über die konkreten Abläufe kann ich im Hinblick auf die noch laufende Fahndung keinerlei Auskunft erteilen."

Warum gab es bislang keine Pressekonferenz? Je weniger offizielle Informationen es gibt, desto mehr Gerüchte entstehen und desto verunsicherter ist die Bevölkerung.

Ziegler: "Für eine Pressekonferenz besteht ebenso wenig Anlass, wie für Äußerungen der Polizei und der Staatsanwaltschaft vor laufenden Kameras bzw. Mikrofonen. Vorrangig sind jetzt die Fahndung und die Ermittlungsmaßnahmen nach der Tat. Eine Information der Öffentlichkeit über einzelne Maßnahmen scheidet aus. Solange keine Informationen vermittelt werden können, ist auch eine öffentliche Äußerung nicht veranlasst."

Was tut man, um das subjektive Sicherheitsempfinden der Bevölkerung zu stärken? Viele Bürger haben spätestens nach Einbruch der Dunkelheit Angst, das Haus zu verlassen.

Ziegler: "Die Fahndung nach dem Tatverdächtigen wird mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln und unter großen personellen Einsatz durchgeführt. Anhaltspunkte für eine Gefährdung der Sicherheit der Öffentlichkeit bestehen derzeit nicht."

ro24

Quelle: rosenheim24.de

Rubriklistenbild: © reisner/ro24

Zurück zur Übersicht: Bayern

  • schließen
  • Weitere
    schließen

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Live: Top-Artikel unserer Leser