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„Das ist schon sehr erstaunlich“

Forscher aus Würzburg errechnen: So viele Ameisen besiedeln unsere Erde

Ameise Blatt
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Würzburger Forscher haben berechnet, wie viele Ameisen unsere Erde besiedeln.

Würzburger Forscher haben sich einer ganz besonderen Rechenaufgabe gestellt. Sie haben ermittelt, wie viele Ameisen unsere Erde besiedeln. Das Ergebnis beschreiben sie selbst als „sehr erstaunlich“. Im Interview erklären Sabine Nooten und Patrick Schultheiss, Biologen an der Universität Würzburg, wie sie die Ameisen gezählt haben.

Würzburg – Wissenschaftler stehen nicht oft im Rampenlicht, aber bei Sabine Nooten (45) und Patrick Schultheiss (44) – beide promovierte Biologen an der Universität Würzburg – klingelt das Telefon seit Montag andauernd. Medien und Forscher aus aller Welt stellen Fragen zu ihrer Studie. Thema: Ameisen. Die Biologen haben mit ihrem Team sensationelle Zahlen über die kleinen Krabbler herausgefunden.

Warum forscht man über Ameisen? 

Sabine Nooten: Ameisen werden gerne übersehen, aber sie sind unheimlich wichtig in nahezu allen Ökosystemen. Wenn Tiere im Wald verenden, sind die Ameisen die ersten, die herkommen und den Kadaver abbauen. Sie machen ihn so zugänglich etwa für Fliegen und bringen die Nährstoffe zurück in den Kreislauf.

Patrick Schultheiss: Ameisen sind auch sehr wichtig für die Verbreitung von Samen oder die Bodendurchlüftung. Sie können pro Hektar im Jahr bis zu 13 Tonnen Erdmasse bewegen.

Wie viele Ameisen gibt es? 

Nooten: Wir gehen von 20 Billiarden Ameisen auf der Erde aus. Das ist eine 20 mit 15 Nullen, das kann man sich schwer vorstellen. Eine unglaublich riesige Zahl! Auf einen Menschen kommen 2,5 Millionen Ameisen.

Schultheiss: Die Ameisenzahl entspricht einer Biomasse von zwölf Megatonnen Kohlenstoff – das übersteigt die Biomasse von wilden Vögeln und Säugetieren und entspricht rund 20 Prozent der Biomasse der Menschheit. Das ist schon sehr erstaunlich. Wir wissen im Moment übrigens von etwa 16.000 Arten und Unterarten. Jedes Jahr werden hunderte neu beschrieben.

Wie zählt man Ameisen?

Nooten: Da gibt es standardisierte Methoden. Man nimmt von einem Quadratmeter zum Beispiel das ganze Laubstreu, packt es in einen Sack und schüttelt das durch. Dann wird das in großen Jutesäcken aufgehängt, zusammen mit ein wenig Ethanol – irgendwann fallen die Ameisen und andere Lebewesen raus und werden gezählt. Die Zahl der Insekten rechnet man auf die Fläche hoch.

Für Ihre Studie haben Sie aber nicht 20 Billiarden Ameisen gezählt? 

Schultheiss: Nein. Wir saßen ein Jahr lang zu sechst am Schreibtisch, haben uns 12.000 Quellen angeschaut und letztlich knapp 500 Studien ausgewertet. Unterschiedliche Arbeiten, aus aller Welt, in vielen Sprachen. Wir hatten das Glück, dass wir ein internationales Team waren und die meisten Sprachen übersetzen konnten.

Nooten: Mit Sicherheit gibt es noch viel mehr Ameisen. Wir haben sehr viele Daten, trotzdem bleiben weiße Flecken. Es fehlen etwa Zahlen aus Teilen Afrikas oder der Steppe in Asien. Die Zahl der Ameisen dort muss riesig sein. Und zu unterirdisch lebenden Ameisen gibt es auch keine Daten.

Wo gibt es die meisten Ameisen? 

Schultheiss: Außer in den Polarregionen kommen sie in fast allen Lebensräumen vor. Aber die Verbreitung auf der Erde ist nicht gleichmäßig. In den Tropen ist die Ameisendichte besonders groß. Und auch in Wäldern und Trockengebieten. 

Ist Ameise gleich Ameise? 

Schultheiss: Auf keinen Fall! Manche Ameisen sind sehr sozial, andere kämpfen gegeneinander. Manche nützen Menschen, andere schaden uns. Es gibt faszinierende Arten: Die Blattschneiderameisen in Südamerika schneiden riesige Massen von Blättern ab – und züchten Pilze, die sie dann fressen. Die sind Gärtner und Landwirte, bauen ihre Anlagen 50 Meter tief in die Erde! Ich habe lange an Ameisen gearbeitet, die die Sonne zur Navigation verwenden. Die können auch lernen, dass links am Nest drei Bäume stehen – das merken die sich.

Also werden Ameisen heillos unterschätzt? Den meisten gehen sie ja vor allem auf die Nerven… 

Nooten: Allerdings! Das ist eine sehr Menschen-bezogene Perspektive, dass sie uns nerven. Ohne Ameisen könnten große Teile unserer Ökosysteme kollabieren.

Wie kann man Ameisen unterstützen? 

Schultheiss: Schwierig, weil jede Art andere Bedürfnisse hat. Aber es hilft schon mal, nicht so viel zu spritzen. Mittel, die Insekten töten, töten auch Ameisen. Und Pflanzenvielfalt hilft auf jeden Fall. 

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