Unsere Gewässer – eine Mammutaufgabe

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München - Bis 2027 sollen alle Gewässer in Europa in einem guten ökologischen Zustand sein. Im Freistaat erreichen das bisher nur knapp 21 Prozent der Bäche und Flüsse. Eine Mammutaufgabe für die Zukunft, wie Umweltminister Huber bei der Vorstellung des Bayerischen Flussberichts betonte.

Wie schnell der gute Zustand eines Gewässers Makulatur werden kann, zeigt das Beispiel Alz. Im ersten Bayerischen Flussbericht, den Marcel Huber (CSU) am Montag in München vorstellte, gehört sie noch zu den Vorzeigeflüssen in Bayern. Sowohl im Hinblick auf die Belastung mit Chemikalien, als auch bezüglich ihres ökologischen Zustands schneidet sie in dem voluminösen Papier mit dem Prädikat „gut“ ab. „Jetzt ist der Fluss fast tot“, sagt ein bedrückter bayerischer Umweltminister, der sich in der vergangenen Woche selbst von dessen Zustand überzeugt hatte. Bei Löscharbeiten auslaufendes Kühlwasser hatte das Gewässer Anfang März verseucht.

Freilich, ein extremer Ausnahmefall. Schließlich erreichen 98,8 Prozent der Flüsse und Bäche in Bayern den Wert „gut“, wenn es um ihren chemischen Zustand geht. Die Ziele, die laut EU-Wasserrahmenrichtlinie (WRRL) bis 2027 erreicht werden müssen, richten sich aber nach anderen Kriterien. Wie stark ist die Gewässerstruktur, etwa durch Begradigung, beeinflusst? Wie sind die Abflussverhältnisse bei Hochwasser? Wie hoch ist die Belastung durch Nährstoffe, die gerade durch Landbewirtschaftung in die Flüsse gelangen? Mit einem Wort: Entscheidend ist der ökologische Zustand.

Der ist zwar, wie Huber sagt, an 20,7 Prozent der Fließgewässer gut (bundesweit sind es dagegen nur 9,5 Prozent). Allerdings fallen die übrigen 79,3 Prozent der bayerischen Fließgewässer unter die WRRL-Marke, gut ein Drittel aller Flüsse weisen sogar einen unbefriedigenden bis schlechten ökologischen Zustand auf.

Die Crux laut Huber: „All das, was mit Wasserbau zu tun hat, wird gleich unheimlich teuer.“ Darum will der Freistaat bis zum entscheidenden Jahr 2027 rund 750 Millionen Euro in die Hand nehmen. Das Ziel: Schon bis 2015 sollen 39 Prozent der Gewässer die Richtwerte der WRRL erreicht haben. Dabei will das Umweltministerium vor allem auf die Verbesserung des Hochwasserschutzes, die Renaturierung von Gewässern und deren nachhaltige Nutzung setzen.

Allein beim Hochwasserschutz habe Bayern seit 2001 rund 1,5 Milliarden Euro investiert, sagte Huber. Beispiel: Mangfalltal, Marktgemeinde Bruckmühl. Hier wurden 500 Meter Deiche rückverlegt, 200 Meter Straße neu gebaut, 400 Meter Ufer renaturiert und ein 600 Meter langer Seitenarm geschaffen. Damit sei die Mangfall „ein Beispiel für modernen Hochwasserschutz, der die Lebensräume von Mensch und Natur bewahrt“. Kostenpunkt: zwei Millionen Euro. Bis 2020 sollen für den Hochwasserschutz in Bayern nochmals 800 Millionen Euro fließen. Gerade die Tatsache, dass „extreme Wettersituationen“ immer weiter zunähmen, „zwingen uns in diesem Punkt noch zuzulegen“.

Maßnahmen dieser Art sind es also, die dem Freistaat langfristig eine bessere Gewässerqualität bescheren sollen. „Ich glaube, wir sind gut unterwegs“, sagt Huber und verweist unter anderem auf die 640 Kilometer Fluss- und Bachlandschaften, die seit 2001 bereits renaturiert werden konnten. „Wir haben allerdings auch noch einiges zu tun.“ Etwa in punkto Wasserkraft. In zehn Jahren sollen rund 500 000 bayerische Haushalte durch Strom aus Wasser versorgt werden. Das bedeute laut Huber einerseits, die „ökologische Verträglichkeit“ der Kraftwerke durch bessere Technik zu erhöhen. „Ich sage aber ganz klar: Wir werden aber auch No-go-areas für Wasserkraft definieren.“

Der ökologische Zustand der Flüsse im Einzelnen:

Die Amper: Der Zustand des Flusses zwischen Ammersee und Moosburg ist insgesamt „mäßig“. Im Sinne der WRRL wäre sie demnach durchgefallen. Grund: das geringe Fisch- und Wasserpflanzenaufkommen. Dabei schneidet sie in punkto Lebensraumqualität fast durchgehend mit „gut“ ab.

Die Ammer kommt auf ein stabiles Prädikat „gut“. Die Obere und Mittlere Ammer schneiden bei der Teilbewertung Wasserpflanzen noch besser ab: „sehr gut“.

Um die Untere Isar (ab Landshut) ist es eher ungut bestellt. Je nach Flussabschnitt schwankt das Fazit zwischen „mäßig“ und „schlecht“. Problematisch vor allem: die schlechte Lebensraumqualität. Dafür brilliert die Mittlere Isar (zwischen Loisach und Landshut) mit guten Werten in punkto Wasserpflanzen. Einzig das niedrige Fischaufkommen führt zu dem Gesamturteil „mäßig“. Je näher es der Isarquelle in Tirol zugeht, desto besser die Werte. Gerade im Tölzer Bereich und am Zufluss der Loisach schafft die Obere Isar den Gesamtwert „gut“. In Teilbereichen wie dem Vorkommen von Wasserpflanzen heißt das Fazit sogar überwiegend „sehr gut“.

Der Inn: Während der Mittlere Inn im Gesamturteil zwischen „gut“ und „mäßig“ schwankt, zeichnen sich die Flussabschnitte des Oberen Inn durch Gesamtwerte aus, die bis zu „gut und besser“ reichen. Auch hier ist es vornehmlich die Vielfalt an Wasserpflanzen, die zu dem positiven Urteil beiträgt. Erneutes Manko: die Fischbestände.

Ein Trend, der sich auch im Falle der Mangfall bestätigt. An der Oberen Mangfall sind die Fischbestände „mäßig“, an der Unteren gar „unbefriedigend“. Die Gesamturteile lauten genauso.

Auch die Vils kommt in punkto ökologischer Zustand nicht gut weg. Im Bereich Taufkirchen kommt sie in keiner Bewertungskategorie über die Marke „mäßig“ hinaus. Gesamturteil: „unbefriedigend“.

Als südlicher Zufluss der Isar kommt die Loisach in allen Teilwertungsbereichen zum Ergebnis „gut“. Fische und Pflanzen fühlen sich wohl, Badende auch.

Marcus Mäckler

Rubriklistenbild: © dpa

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