Für Bärli ist es nur ein Spiel

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Trotz moderner Lawinensuchgeräte und Wärmebild-Kameras können die Helfer auf die feinen Nasen der Suchhunde nicht verzichten.

Rosenheim/Flintsbach - Wenn Bärli einen Schneehang absucht, an dem eine Lawine abgegangen ist, geht es für die Verschütteten um Leben und Tod.

Für den Schäferhundmischling dagegen ist es nur ein Spiel. "Der Hund will nur seine Lieblingssachen finden. Dass er dabei Menschenleben rettet, ist ihm egal", sagt Hundeführer Rudi Kolb. Er und seine Kameraden von der Lawinenhundestaffel werden mit ihren vierbeinigen Helfern immer dann alarmiert, wenn in den Bergen jemand vermisst wird.

Wenn bei Rudi Kolb und seinen Kameraden der Funkmelder piepst, muss es schnell gehen. Dann ist irgendwo in den Bergen eine Lawine abgegangen und Personen sind abgängig. Kolb ruft bei der Rettungsleitstelle zurück. Dort versucht man, einen Hubschrauber zu organisieren, der ihn und seinen Suchhund Bärli so schnell wie möglich an den Unglücksort bringt. Denn der Faktor Zeit ist entscheidend: Je schneller ein Lawinenopfer gefunden wird, desto größer sind die Überlebenschancen. Und trotz hochmoderner Ortungsgeräte können die Helfer auf die empfindlichen Nasen der Suchhunde nicht verzichten.

Die Lawinenhundestaffel Hochland, zuständig für einen Bereich, der von Garmisch bis nach Grassau reicht, besteht aus insgesamt 17 Hundeführern mit ihren Vierbeinern. Im Bereich Rosenheim sind es vier Ehrenamtliche.

"Immer wenn es aufwärts geht, werden wir angefordert", sagt Kolb. Die Lawinenhundeführer haben die nötige Ausbildung und Ausrüstung, um sich auch in schwierigem Gelände bewegen zu können. Abseilen samt Hund gehört ebenso dazu wie das Absetzen per Hubschrauber aus der Luft.

Im Sommer ist die Hundestaffel vor allem bei Vermisstensuchen im Einsatz. In den Wintermonaten wird sie fast ausschließlich nach Lawinenabgängen alarmiert. Im letzten Winter gab es mehrere Großeinsätze, etwa an der Kampenwand und am Wildalpjoch im Wendelsteingebiet. Nach stundenlanger Suche stand in beiden Fällen fest, dass niemand verschüttet worden war - zum Glück. "Aber das kann vorher niemand wissen", sagt Kolb. Er war schon bei vielen Einsätzen mit dabei. Manchmal kamen die Helfer zu spät.

Für die Hunde dagegen ist das Ganze nur ein Spiel. Für sie beginnt die Ausbildung im Alter von sechs Monaten. Zunächst versteckt man das Lieblingsspielzeug des Vierbeiners und belohnt ihn, wenn er es findet. Später lässt sich der Hundeführer suchen, irgendwann sind es fremde Personen. Die Verstecke werden komplizierter, die Suchfelder größer, man inszeniert Ablenkungen, mehrere Personen müssen gefunden werden. Am Ende muss der Hund drei Prüfungen ablegen, um vollständig einsatzfähig zu sein.

"Fertig ist man aber nie, denn man muss täglich mit dem Hund etwas tun", sagt Kolb. Auch deshalb, weil sich die vierbeinigen Bergwachtler jedes Jahr zwei Prüfungen stellen müssen. Doch auch die ehrenamtlichen Hundeführer absolvieren aufwändige Lehrgänge. Neben der allgemeinen Bergwachtausbildung gibt es eine eigene Ausbildung zum Lawinenhundeführer.

Im Januar geht es für die Staffel eine Woche lang auf die Aiplspitze. Theorie, Wetter- und Lawinenkunde, Hundepsychologie und praktische Übungen mit dem Hund stehen auf dem Programm. Schließlich wollen sie gut vorbereitet sein, wenn der Piepser losgeht.

Weniger werden die Einsätze wohl auch in Zukunft nicht, trotz aller Technik. Tourengehen liegt im Trend, immer mehr Freizeitsportler suchen das Erlebnis abseits der Pisten. Eine komplette Sicherheitsausrüstung, bestehend aus Sonde, Schaufel und Lawinensuchgerät, sollte immer mit dabei sein. Doch dabei haben reicht nicht: "Man muss sie auch im Stress des Ernstfalls benutzen können", so Kolb. Denn wenn jemand verschüttet wird, entscheiden Minuten über Leben und Tod: "Die Kameradenhilfe ist viel wichtiger als unsere Suchhunde."

Klaus Kuhn/Oberbayerisches Volksblatt

Quelle: rosenheim24.de

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