Nürnberger Blindgänger

Bombe entschärft: "Nur Sektkorken knallen"

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Sprengmeister Michael Weiß legt seine Hand lässig auf die entschärfte und bereits verladene Fliegerbombe.

Nürnberg - Der Sprengmeister konnte die Fliegerbombe entschärfen. Ein Blindgänger, der am Montag beim Nürnberger Hauptbahnhof entdeckt wurde, löste eine Großaktion aus. Alles lief gut.

Ein Blindgänger aus dem Zweiten Weltkrieg legt Nürnberg einen halben Tag lahm: Anwohner müssen ihre Häuser räumen, Läden schließen, Züge und Busse fahren nicht. gegen Mittag setzt der Sprengmeister dem Ausnahmezustand ein Ende.

Blaulicht flackert durch die Straßen, rot-weißes Absperrband versperrt den Weg, an jeder Kreuzung rund um den Nürnberger Hauptbahnhof stehen Polizisten in neongelben Warnwesten. Hinter den Beamten sind die Straßen wie leer gefegt: Rund 1300 Anwohner mussten am Mittwoch ihre Wohnungen räumen, weil in unmittelbarar Nähe des Bahnhofs ein zehn Zentner schwerer Blindgänger aus dem Zweiten Weltkrieg entschärft wurde.

Genau 52 Minuten brauchte Sprengmeister Michael Weiß mit seinem Kollegen Tobias Oelsner, um die zwei Zünder der Bombe zu entfernen. Nach getaner Arbeit steht Weiß in Blaumann und T-Shirt neben der knapp einen Meter langen Bombe. Aufgeregt war er vor der Entschärfung nicht, Respekt hat er aber bei jedem Einsatz aufs Neue: "Jede Bombe ist wie die erste Bombe." Weiß stützt sich mit einer Hand lässig auf der mit einer Erdkruste bedeckten Bombe ab. Verladen und festgegurtet sieht sie fast harmlos aus.

Ist sie aber nicht - nicht umsonst hält der Blindgänger eine Großstadt wie Nürnberg fast einen halben Tag lang fest im Griff: In den Straßen rund um den Bahnhof ist weder mit dem Auto noch zu Fuß ein Durchkommen. Mehr als 100 Züge werden umgeleitet oder kehren vorzeitig um. Auch der zentrale Busbahnhof ist gesperrt - das trifft besonders Besucher des Christkindlesmarktes, deren Busse aber auf andere Haltestellen ausweichen können.

Mehr als 500 Einsatzkräfte begleiten die größte Evakuierungsaktion der vergangenenen Jahre in Nürnberg. Von 8 Uhr morgens an gehen sie von Tür zu Tür, um sicherzustellen, dass keiner der Anwohner mehr in den Wohnungen ist. So haben sie auch Lutz Glombeck und seine Frau aus ihrer Wohnung geklingelt. Die beiden hoffen, dass bei der Entschärfung alles gut geht und sie keinen lauten Knall hören. "Das einzige, was heute knallt, sind die Sektkorken", ruft ihnen einer der Feuerwehrmänner zu.

Glombeck ist da noch skeptisch. "Bedenken habe ich schon. Es kann alles Mögliche passieren", sagt er und macht sich auf den Weg in die Innenstadt - dort will er sich die Zeit vertreiben. Die Anwohner auf der gegenüberliegenden Straßenseite dürfen hingegen zu Hause bleiben. Ein paar lehnen an den offenen Fenstern und beobachten die Evakuierung.

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Vor allem ältere Menschen nehmen das Angebot der Stadt an, das Ende der Sperrungen in einer Turnhalle abzuwarten. Gut ein Dutzend Menschen sitzt am Vormittag an den Bierzelttischen. Sie sind mit Shuttle-Bussen hergefahren worden. René Kreutz etwa wohnt "direkt neben der Bombe", wie er sagt. Er ist in die Turnhalle gekommen, weil er seine Katze mitbringen durfte. "Ohne meine Katze wäre ich nicht aus der Wohnung gegangen", sagt er. Während das Tier sicher in seinem Transportkäfig sitzt, macht sich Kreutz ein bisschen Sorgen um seinen Nachbarn - der sei nämlich Langschläfer.

Auch ein Geschäftsmann macht sich Sorgen, er betreibt ein Gesundheitszentrum direkt am Hauptbahnhof. "Von heute auf morgen kann die ganze Existenz in die Luft fliegen", fürchtet er. Gas und Wasser musste er abstellen, die Türen offen stehen lassen, als Fluchtwege.

Um12.04 Uhr ist es geschafft: Sprengmeister Weiß hat sein Werk vollendet. Schon kurz danach kehrt in Nürnberg langsam wieder Normalität ein: Die ersten Züge fahren in den Hauptbahnhof ein, die Absperrbänder werden eingesammelt, Autos können wieder passieren, und die Polizei räumt langsam ihre Posten an den Kreuzungen. Auch Sprengmeister Weiß hat noch einen ganz normalen Tag vor sich - er muss wie üblich noch bis 18 Uhr arbeiten.

dpa

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