Attacke auf Familie - Urteil gefallen

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Rosenheim/Freiburg - Die Mühlen der Justiz mahlen langsam, heißt es oft. Im Fall der Familie Paule haben sich die viel beschworenen Mühlen besonders viel Zeit gelassen - mit einem überraschend milden Urteil! **Jetzt mit Video**

Jetzt aber ist das Urteil gegen die Schläger, die die Rosenheimer Familie im Februar 2007 bei einem Restaurantbesuch in Freiburg attackiert haben (wir berichteten), endgültig. Das Landgericht Freiburg hat die Berufung der Angeklagten verworfen.

Späte Genugtuung für die Paules: Fast vier Jahre lang zog sich das Verfahren gegen drei Jugendliche hin, die die Rosenheimer Familie verprügelt hatten. Die drei Haupttäter sind vom Amtsgericht Freiburg wegen gefährlicher Körperverletzung verurteilt worden. Das Strafmaß hätte allerdings kaum geringer ausfallen können: Sie wurden lediglich verwarnt und müssen nicht einmal die Kosten des Verfahrens tragen. Nur der älteste der Angeklagten muss für die Auslagen der Familie Paule aufkommen. Selbst gegen dieses milde Urteil haben die drei Berufung erhoben. Diese wurde nun vom Freiburger Landgericht zurückgewiesen.

Begonnen hat die Geschichte am 24. Februar 2007. Claudia und Hans-Jürgen Paule besuchten in Freiburg ihren Sohn. Bei einem Restaurantbesuch wurden sie von mehreren Jugendlichen zunächst angepöbelt und schließlich attackiert. Während die Eltern mit Blutergüssen, blauen Augen und Prellungen davonkamen, wurde der 27-jährige Sohn erheblich verletzt. Er erlitt einen Schädelbruch, Stichverletzungen, Hämatome und eine stark blutende Risswunde am Arm, verursacht von einem Stich.

Täter auf Toilette festgenommen

Die Polizei hatte die mutmaßlichen Schläger schnell ausgemacht: Zeugen hatten Jugendliche weglaufen sehen und machten die Beamten auf sie aufmerksam. In der Toilette eines Restaurants nahe des Tatorts spürte die Polizei drei junge Männer auf, damals 16, 17 und 20 Jahre alt. Sie trugen blutverschmierte Kleider. In einer Toilette lag ein Messer.

Kurz vor Weihnachten 2007 bekamen die Paules Post vom Amtsgericht Freiburg – mit überraschendem Inhalt: Das Verfahren werde mit Zustimmung der Staatsanwaltschaft eingestellt. Ein Einspruch war nicht zugelassen. Die Paules verstanden die Welt nicht mehr. Als sie sich bei der Staatsanwaltschaft beschwerten, reagierte man dort verwundert: Der zuständige Staatsanwalt habe gar nicht, wie der Amtsrichter behauptete, am Telefon der Einstellung zugestimmt. Dem widersprach aber der Amtsrichter. Daraufhin legte die Staatsanwaltschaft Beschwerde ein. Nun nahm der Fall eine groteske Wendung: Bei der erneuten Überprüfung durch das Amtsgericht erklärte sich der zuständige Amtsrichter selbst für befangen. Seine Kollegin, die den Fall übernahm, lehnte die Beschwerde der Staatsanwaltschaft und damit die Eröffnung eines Verfahrens erneut ab: Sie glaubte ihrem Richterkollegen mehr als dem Staatsanwalt.

Die Staatsanwaltschaft rief daraufhin das Landgericht Freiburg an. Die dortigen Richter verwiesen den Fall zur erneuten Prüfung zurück an das Amtsgericht. Dort prüfte man fünf Monate lang, um die Eröffnung eines Hauptverfahrens erneut abzulehnen! Die Wahrscheinlichkeit einer Verurteilung sei zu gering. Die Staatsanwaltschaft ließ aber nicht locker und wendete sich erneut ans Landgericht. Die Richter dort hoben auch den neuen Einstellungsbeschluss auf.

Wurde in Freiburg attackiert: Claudia Paule

Endlich, nach mehr als drei Jahren, kam es vor dem Amtsgericht zum Hauptverfahren. Nach vier Verhandlungstagen wurden die drei Angeklagten wegen gefährlicher Körperverletzung verurteilt, zur Strafe allerdings nur verwarnt. Die Richterin brachte das Jugendstrafrecht zur Anwendung und sah in der lange Dauer zwischen Tat und Hauptverhandlung einen starken Milderungsgrund, weil eine Strafe damit keinen erzieherischen Charakter mehr habe. Eine Übernahme der Kosten wurde ebenfalls mit Verweis auf das Jugendstrafrecht abgelehnt. Angesichts der finanziellen Situation der Beklagten, die überwiegend von Hartz IV leben, käme dies einer Geldstrafe gleich, was das Jugendstrafrecht nicht vorsehe.

Claudia Paule hat das Urteil mit Erleichterung aufgenommen. Doch der juristische Erfolg ist bislang nur ein moralischer Sieg. Der Familie hat die Sache viel Geld gekostet. Rund 15.000 Euro sind zusammen gekommen, rechnet Claudia Paule vor. Wann und ob sie diese Kosten ersetzt bekommt, ist noch offen. Von Schmerzensgeld für die körperlichen und seelischen Folgen des Überfalls ganz zu schweigen. Die Paules überlegen nun, zivilrechtlich weiter gegen die drei Jugendlichen vorzugehen.

Klaus Kuhn (Oberbayerisches Volksblatt)

Quelle: rosenheim24.de

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