Großer Rummel um den Wolf

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Bad Feilnbach - Der Wolf beschäftigt alle: Riesen-Andrang herrschte beim Diskussionsabend in Bad Feilnbach. Experten und Bürger tauschten sich aus.

Großer Andrang beim Infoabend

„Mehr Stühle!“ war schon eine halbe Stunde vor Veranstaltungsbeginn im Saal des Gasthofs Kistlerwirt zu hören. Über 300 interessierte Bürger, Landwirte, Jäger, Volksvertreter aus der Region und Naturschützer füllten schnell den Veranstaltungssaal bis auf den letzten Platz. Sogar bis auf die Gänge standen am Dienstagabend die Besucher. Auf dem Podium nahmen auf Einladung des Kur- und Tourismusvereins Bad Feilnbach die Landtagsabgeordnete Maria Noichl, Manfred Wölfl, Bayerisches Landesamt für Umwelt, und Markus Bathen, NABU-Wolfsexperte aus der Lausitz, Platz.

Manfred Wölfl vom Bayerischen Landesamt für Umwelt

Der erste Teil des Abends bestand aus Referaten der Experten auf dem Podium. Manfred Wölfl bat (wie später auch Maria Noichl) um eine faire und sachliche Gesprächskultur beim emotionalen Thema Wolf. Der LfU-Experte stellte den aktuellen Stand des Wolfsmanagement in Bayern vor und sprach über die eingetretenen Schadensfälle. Rund 3500 Euro an Entschädigungszahlungen wurden an betroffene Landwirte ausgezahlt. Wölfl betonte, dass es sich bei „unseren“ Wolf nur um ein Tier handele, Gerüchte um mehr Wölfe würden durch die Untersuchungen des Amtes nicht bestätigt.

Bilder vom Infoabend

Infoabend Wolf

Maria Noichl freute sich, dass der Wolf derzeit ein weitgehend „überparteiliches Thema“ sei – damit erhöhe sich die Sachlichkeit der Diskussion. Da sich an dem gesetzlichen Schutz des Wolfes nicht so schnell etwas ändern werde, müssten konstruktive Lösungen gesucht werden. In den zuständigen Ausschüssen des Landtages sei der Wolf noch nicht diskutiert worden, die Auseinandersetzung mit dem Thema in den Gremien werde aber bald geschehen.

Wölfe brauchen keine Wildnis

Landtagsabgeordnete Maria Noichl und Markus Bathen, Wolfsexperte aus der Lausitz

Über das Zusammenleben von Wolf und Mensch berichtete Markus Bathen aus der Lausitz. Fünf Wolfsrudel sind dort nachgewiesen, jedes Rudel besteht aus ungefähr fünf bis zehn Wölfen. Dank GPS-Sendern werden die Wanderungen einzelner Wölfe beobachtet. Wölfe scheuen zwar den Menschen, aber nicht die menschliche Infrastruktur.

„Wölfe brauchen keine Wildnis“, meinte der Experte und zeigte dem erstaunten Publikum die Nacht-Wanderung eine „Rudelmutter“. Die Wolfsdame spazierte von einem Wald aus über Straßen, durch Ortschaften, über Bahnstrecken, durch ein Gewässer und überwand sogar ein Kohletagbau-Gelände. Zu Ruhe begab sich die Wölfin dann auf einem Truppenübungsplatz der Bundeswehr.

Grund zur Sorge seien diese Wanderung aber nicht: Die Wölfe sind nachts unterwegs und gehen Menschen aus dem Weg. Die Schadensfälle bei den Landwirten in der Lausitz sind durch Schutzmaßnahmen massiv gesenkt worden, gerissene Tiere werden ersetzt. Die Höhe der Entschädigung bestimme der Verband der Bauern. Zäune wie in der flachen Lausitz seinen für die Bayerische Almwirtschaft wahrscheinlich nicht sinnvoll – der NABU-Experte riet den Betroffenen zu Schutzhunden, die auch in anderen europäischen Bergregionen eingesetzt werden.

Rosarote Wolfs-Brille?

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Der Wolf darf erst mal bleiben

Hitziger wurde es beim Diskussions-Teil des Abends: Almbauern, Jäger und Bürgermeister aus der Region meldeten sich mit kritischen Fragen zu Wort. Oft wurde die „rosarote Wolfs-Brille“ bei den Referenten beklagt, viele Gäste des Informationsabend hätten sich eine „Contra Wolf“-Stimme auf dem Podium gewünscht. Problematisch für die Landwirte sind die größere Zahl an Rinderabstürzen, die Kosten für Schutzmaßnahmen und der hohe, nicht entschädigte Zeitaufwand bei der Suche nach gerissenen Tieren. Alle Referenten sprachen sich für den Erhalt der heimischen Almwirtschaft aus. Man könne gleichzeitig für den Wolf und für die Almwirtschaft sein, so Maria Noichl. Wenn die Gesellschaft den Wolf wolle, müsse auch die Gesellschaft den Geschädigten beistehen.

Quelle: rosenheim24.de

Rubriklistenbild: © cs dpa

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