Familiendrama von Burkardroth: Schwester sagt aus

Burkardroth - Der Prozess um das Familiendrama von Burkardroth (Landkreis Bad Kissingen) ist am heutigen Mittwoch in die entscheidende Phase gegangen. Jetzt hat die Schwester des Opfers ausgesagt.

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Im Prozess zum Familiendrama von Burkardroth (Landkreis Bad Kissingen) hat die Schwester des Opfers ein widersprüchliches Bild des Angeklagten gezeichnet. Der 37-jährige Vater von vier Kindern sei sehr dominant, aber auch sehr nett gewesen, schilderte die Schwester am Mittwoch vor dem Landgericht Schweinfurt. Dirk H. habe seine Frau zwar nicht geschlagen, sie aber häufig beleidigt, gedemütigt und sich aus der Haushaltskasse bedient.

Auslöser für den tödlichen Messerstich in der Nacht zu Silvester sei schließlich die Ankündigung der 36-Jährigen gewesen, sich endgültig von ihrem Mann trennen zu wollen. Simone H. war wenige Monate vor ihrem Tod eine neue Beziehung eingegangen. "Sie hat jemandem zum Reden gesucht, war einsam und alleine", erklärte ihr neuer Partner am vierten Verhandlungstag. Sie habe sich alleine um die Kinder kümmern müssen, ihr Mann sei selten zu Hause gewesen.

Aber: "Er hatte einen richtigen Kontrolldrang, sie durfte nicht alleine weg." Als er wenige Stunden vor ihrem Tod letztmals mit Simone H. telefoniert habe, hätte sie ihm von einem unguten Gefühl berichtet. Ihr Mann verhalte sich "ganz komisch".

Gut eine Stunde lang schilderte die Schwester ihre Erfahrung mit dem Angeklagten und die Stimmung während den Weihnachtsfeiertagen, die sie in Burkardroth verbrachte. In ihrer anfangs glücklichen Ehe sei die lebenslustige Simone H. mit den Jahren immer trauriger, ruhiger und in sich gekehrter geworden. "Sie wirkte am Telefon, wie wenn sie hinter einer Gardine steht", sagte die 39-Jährige.

Simone habe auch häufig kein Geld gehabt. "Sie hatte eigentlich immer das gleiche T-Shirt an, außer ich oder eine Freundin haben ihr mal ein Neues geschenkt." Erst als sie im vergangenen Jahr einen Job als Putzfrau angenommen habe, sei Simone wieder selbstbewusster geworden.

Weihnachten verlief der Schwester zufolge ohne Spannungen. Die Ehekrise eskalierte erst, nachdem sie wieder zurückgefahren war. Am 27. Dezember habe Simone H. am Telefon berichtet, sie habe ihrem Mann erklärt, dass sie sich endgültig scheiden lassen wolle.

Dirk H. habe ständig versucht sie umzustimmen und ihr vorgeworfen, sie wolle ihn finanziell ruinieren. In mehreren Punkten widersprach die Zeugin der Darstellung des Angeklagten: Während ihres Besuches lag kein Messer im Schlafzimmer, mit dem Dirk und Simone H. angeblich das Weihnachtspaket ihrer Eltern bereits vor der Bescherung geöffnet hatten. Das Paket habe ungeöffnet neben dem Weihnachtsbaum gelegen. Auch von dem Bier, dass der ehemalige Alkoholiker vor und nach der Tat getrunken haben will, habe sie weder in der Wohnung noch in der Garage etwas gesehen.

Die vier Kinder des Opfers leben mittlerweile in einer Wohngruppe in Greifswald und verbringen das Wochenende bei ihren Großeltern. "Sie sind noch immer sehr verunsichert, weinen und fragen viel", berichtete die Schwester und ergänzte: "Ich kann es immer noch nicht glauben, dass sie tot ist."

An diesem Freitag sollen die Plädoyers gehalten werden. Das Urteil ist für 1. Oktober geplant.

dpa

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