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Corona-Pandemie könnte zurückkommen

Rosenheimer Experte zur Delta-Variante: „Ich fürchte, dass da noch was kommt“

Dr. Thomas Schulzki. Foto: privat
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Dr. Thomas Schulzki.
  • Michael Weiser
    VonMichael Weiser
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Die Corona-Lage ist entspannt – im Moment. für die Zeit nach den Ferien aber warnen Experten. Etwa Dr. Thomas Schulzki, Laborleiter und Geschäftsführer des Medizinischen Labors in Rosenheim. Seine Einschätzung der Delta-Variante: “Definitiv infektiöser“.

Die Delta-Variante löst bei Experten Alarm aus. Auch bei Ihnen?

Schulzki: Diese Variante macht mir nicht direkt Angst, aber ich beobachte die Entwicklung mit Interesse. Das „Problem“ ist, dass wir aktuell nur sehr wenige positive Tests haben, dem allgemeinen Trend folgend, und daher derzeit nur wenige Proben haben, um neu eingeführte Tests zu prüfen. Wir hatten bis vor kurzem noch 50 Tests pro Woche, die für die VOC-PCR geeignet sind. (VOC ist gleich Variants of Concern, also eine „besorgniserregende Variante“, Anm. der Red.), die wichtigen Varianten wie Alpha (ehem. UK) und weiteren.

Letzte Woche waren es noch 20. Meine Sorgen betreffen die Zeit nach den Ferien. Allenthalben gibt es Lockerungen, und ich befürchte, dass da noch was kommt.

Wie stellen Sie die Delta-Variante fest?

Schulzki: Momentan haben wir noch keine eigene Möglichkeit dazu, sie wird durch Gen-Sequenzierung nachgewiesen. Dazu schicken wir Proben ans Landesamt für Gesundheit in Erlangen oder ein Labor in Heidelberg. Das sind sehr teure und sehr aufwendige Verfahren, das Ergebnis benötigt einige Tage.

Wir prüfen gerade die Möglichkeit eine VOC-PCR auf das Delta-Virus einzuführen und werden wahrscheinlich in einer Woche beginnen. Um das Ganze zu validieren, benötigen wir aber eine gewisse Mindestmenge an Tests.

Gibt es Verdachtsfälle?

Schulzki: Wir hatten vergangene Woche 20 Tests mit Hinweis auf eine VOC. Etwa die Hälfte davon war die britische Variante, zwei waren unklar, und dann waren noch sechs übrig, die wir weggeschickt haben. Bis wir die Ergebnisse der Gen-Sequenzierung haben, gelten diese als uncharakterisiert.

Im Internat in Neubeuern gab es einen massiven Ausbruch. Wurde dort die Delta-Variante festgestellt?

Schulzki: Wir haben ein paar der dort gezogenen Proben positiv gemessen. Einzelne wurden zu Sequenzierung geschickt. Erste Untersuchungen mit der eigenen, in Validierung befindlichen VOC-PCR legen die Vermutung nahe, dass es sich um die Delta-Variante handelt.

Lesen Sie auch: Wie Rosenheimer Musiker in der Corona-Zwangspause in Indien helfen (Plus-Artikel ovb-online.de)

Was macht die Variante so gefährlich?

Schulzki: Sie scheint definitiv infektiöser zu sein. Offenbar führt die Kombination mehrerer Mutationen dazu. Diagnostisch problematisch ist, dass sie bei den bisherigen Tests als Wildtyp (=normal) durch, erst nachgelagerte Tests weisen sie als Delta-Variante nach.

Bis dahin kann man nur sagen, daß das Ergebnis ein Hinweis auf die delta-Variante sein kann. Das ist die Tücke an der Sache. Die Datenlage ist bisher also eher dünn, da im Verhältnis erst wenige positiv sind.

Sie sagten, es komme so unauffällig daher…

Schulzki: Es gibt PCR-Tests zur Testung von VOCs. Diese können aber nur bei ct-Werten bis zu 32 erfolgversprechend angesetzt werden. Für die Sequenzierung sind sogar niedrigere ct-Werte, möglichst unter 27, erforderlich. So lange ein Mensch schwach positiv kann man also den VOC-Typ nicht erkennen.

Den Pegelstand der Pandemie im Blick: In einem medizinischen Labor analysiert eine Mitarbeterin Proben.

Was ist nochmal der Ct-Wert?

Schulzki: Ct ist die Anzahl der Durchläufe zur Anreicherung des Testmaterials, die nötig sind, um das Corona-Virus bei einem PCR-Test nachzuweisen. Je niedriger die Ct-Zahl, desto höher die ursprüngliche Viruslast. Während man mit der PCR-Methode Konzentrationen bis in den Bereich von 100 Kopien/ml messen kann, benötigt man mit Schnelltest etwa eine 500-fach höhere Konzentration. Dazu kommt die Schwierigkeit der Probennahme, die auch zu großen Unterschieden bei der Nachweisgenauigkeit führen kann.

Tarnt sich das Virus sozusagen?

Schulzki: Tarnen? Den Ausdruck schätze ich nicht besonders. Das Virus veranlasst ja nichts, es verwandelt sich ja nicht zielorientiert. Nein, es verändert sich eben, und da müssen wir bei der Diagnostik nachziehen. Das läuft bereits.

Wir werden Probleme bekommen, wenn die ersten Reiserückkehrer zurück sind, bis dahin aber wird man die Tools für diese neue Herausforderung in der Hand haben.

Sie konnten in Ihrem Labor bereits die rasante Dynamik der britischen Variante beobachten.

Schulzki: Ja, das ging sehr schnell, innerhalb von wenigen Wochen übernahm diese Variante das Zepter. Am Anfang waren es einzelne Fälle, und auf einmal, wenig später, gingen 90 Prozent der positiven Tests bei uns im Labor auf diese Variante zurück. Man musste also nur noch die extra prüfen, die nicht britische Variante waren. Bislang verzeichnen wir in der Region weiterhin sehr wenige Fälle aus Südafrika und Brasilien.

Da könnte sich mit dem Reisen aber auch ändern.

Schulzki: Das ist meine Sorge. Natürlich gibt es Schnelltests – ob aber die positiven Schnelltests immer nachgeprüft werden, hm, da bin ich skeptisch. Schnelltests sind längst nicht so zuverlässig. (s.o.)

Wie gut schützen Impfungen gegen diese neuen Varianten?

Schulzki: Schulzki: Da weiß ich auch nur das, was in den Medien und in Fachmagazinen berichtet wird und innerhalb der einschlägigen Grippen ausgetauscht wird. Da wird durchaus berichtet, dass es immer wieder Durchbrüche gibt, dass also Menschen positiv getestet wurden, obwohl sie bereits geimpft waren oder Covid bereits überstanden hatten. Das sind oft mildere Verläufe. Insgesamt aber ist die Datenlage gering. Wir wissen aber, daß trotz durchgemachter Infektion in einigen Fällen keine nachweisbaren Antikörper gebildet werden.

Fürchten Sie eine vierte Welle?

Schulzki: Ab August wird man genau hinschauen müssen. Ich befürchte, dass da wieder was heraufzieht. Wir können nur hoffen, dass die Impfkampagne schneller vorankommt als die Varianten auftauchen. In der Masse nützt das Impfen extrem, auch wenn es vereinzelte Durchbrüche gibt. Es könnte also eine vierte Welle geben, aber die dürfte deutlich schwächer ausfallen als ihre Vorgänger.

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