Erinnerung an knallgrüne Zeiten

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Drei Frauen, drei Generationen, drei Geschichten: Oma Brigitta, Mutter Annette und Enkelin Magda-Lina haben verschiedene Meinungen zum Thema Telefon. Foto schlecker

Rosenheim - Eine Familie, drei Generationen und damit drei völlig verschiedene Erfahrungen und Ansichten in Sachen Telefon. Eine Geschichte zu einem Gerät, das in dieser Woche seinen 150. Geburtstag feiert:

Die 14-jährige Magda-Lina Bahr betrachtet ihr Handy als "praktisch lebensnotwendig". Ihre Mutter Annette sieht in dieser technischen Errungenschaft vor allem einen "praktischen Nutzen" und Oma Brigitta wuchs in einer Zeit auf, als es noch ohne ging.

In dieser Woche feierte das Telefon seinen 150. Geburtstag. Am 26. Oktober 1861 stellte Johann Philipp Reis den ersten funktionsfähigen Prototypen seines "Telephons" vor. Mit der Durchsage "Das Pferd frisst keinen Gurkensalat" gelang es dem deutschen Physiker als erstem Menschen, eine elektrische Fernsprechverbindung aufzubauen. Welchen Siegeszug diese Gerätschaft danach antrat, konnte er wohl damals kaum erahnen. Tatsache ist, heute geht ohne Telefon fast nichts mehr.

Ein Tag ohne ihr Handy - das ist für Magda-Lina "kaum vorstellbar". Das Rosenheimer Mädchen ist ganz selbstverständlich mit Telefonen aufgewachsen. Vor einigen Jahren bekam sie ihr erstes eigenes Handy, hauptsächlich deshalb, weil sie damit jederzeit mit ihrer berufstätigen Mutter in Verbindung treten kann. Doch mittlerweile nutzt die junge Dame ihr Handy für viel mehr. Sie hört Musik, fotografiert und surft im Internet.

Auch ihre Mutter und Großmutter besitzen mittlerweile ein Handy, doch so routiniert wie Magda-Lina gehen sie damit längst nicht um.

"Mir genügt es, wenn ich telefonieren und manchmal auch ein Foto machen kann", erzählt Annette Bahr. Für die 50-Jährige ist ein Telefon schon nichts mehr ganz so Selbstverständliches wie für ihre Tochter. "Als ich geboren wurde, hatte noch nicht jeder Mensch automatisch so ein Gerät", erzählt sie. Selbst in Berlin, wo sie aufgewachsen ist, sei noch vor 45 Jahren kaum ein Haushalt mit einem eigenen Telefon ausgestattet gewesen.

Erst als Jugendliche kam sie in den Genuss eines Privatanschlusses. "Dann habe ich natürlich gerne und viel mit meinen Freundinnen telefoniert. Manchmal zum Ärger meiner Mutter", schmunzelt sie. Gut erinnern kann sich die Rosenheimerin auch noch an schlechte Verbindungen, besonders zur Verwandtschaft in der damaligen DDR: "Wieder und wieder musste man die Nummer der Vermittlung wählen. Oftmals für so lange Zeit, dass uns schon die Finger vom Wählen weh taten und wir dafür einen Bleistift verwendeten."

"Knallgrün" ist in der Erinnerung von Annette Bahr ihr erstes eigenes Telefon, "passend zur damaligen Tapete". Gewählt wurde zu dieser Zeit noch mittels Wählscheibe. Für optische Abwechslung sorgte einige Jahre später ein "teppichartiger, brauner Überwurf".

Auch Oma Brigitta kann sich noch gut an ihre ersten Erfahrungen im Umgang mit einem Telefon erinnern. Von Privatanschlüssen war zu ihrer Kinderzeit noch überhaupt nicht die Rede. Da war es schon eine "kleine Sensation", als irgendwann der "Tante-Emma-Laden" in der Straße über dieses "Wunderwerk" verfügte. Das wurde dann nicht nur von den Besitzern des Geschäfts genutzt, sondern auch von vielen umliegenden Bewohnern. Allerdings nur in Notfällen. Für Oma Brigitta traf so ein "Notfall" ein, als sie zwölf Jahre alt war: "Da war ich gerade in einem Landschulheim. Ich wollte aber unbedingt einen Tag nach Hause, weil mein Vater Geburtstag hatte. Also beschloss ich, in dem Tante-Emma-Laden anzurufen."

Telefoniert habe man zu dieser Zeit mit großer Ehrfurcht und manchmal auch wild gestikulierend mit Händen und Füßen, weil es so ungewöhnlich war, mit jemanden zu sprechen, den man nicht sieht.

Ganz hat die heute 70-Jährige dieses Denken nach wie vor nicht aus ihrem Kopf verbannt: "Für mich ist es immer noch ein Wunder, dass diese Art der Kommunikation funktioniert."

Derartige Gedanken macht sich ihre Enkelin Magda-Lina wohl kaum, wenn sie wieder einmal noch kurz vor dem Schlafengehen mit ihren Freundinnen mittels Handy ausgiebig über alles "quatscht" was sie am Tag erlebt hat.

Ein Telefongespräch bei der heutigen Jugend verläuft allerdings anders, als bei den meisten Eltern und Großeltern noch üblich. "Bei uns wird fast nur noch gesimst", erklärt die 14-Jährige. "Das heißt", erklärt der Teenager an ihre Oma gerichtet, "es werden schriftliche Kurzbotschaften verschickt." Ihren bisherigen Rekord hält Magda-Lina mit 1000 SMS in einem Monat. Die immer größer werdende Beliebtheit dieser neuen Art der Kommunikation erklärt die junge Dame so: "Da kann man erst einmal überlegen, was man den anderen mitteilen will."

Auch ihre Mutter schreibt mittlerweile SMS, allerdings bei weitem nicht so viele wie Magda-Lina. Sie zieht die altmodische Art des Telefonierens vor und weiß auch genau, wo bei ihr in Sachen "neuer Technik" endgültig Schluss sein wird: "Bei Bildtelefonen. Ich will selbst entscheiden können, wer mich wann und wo sieht."

Oberbayerisches Volksblatt

Quelle: rosenheim24.de

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