Protestaktion gegen geplantes Krematorium in Kolbermoor

"Wir werden demonstrieren und uns da hin setzen, da wird nix gebaut!"

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Kolbermoor - Am Mittwochabend kamen rund 200 aufgebrachte Bürger zu einer Protestaktion gegen die Planungen eines neuen Krematoriums am Rothbachl vor dem neuen Friedhof zusammen. Anwohner hatten in den sozialen Medien zu dieser Aktion aufgerufen. 

Das geplante Krematorium im nordwestlichen Teil des neuen Friedhofs am Rothbachl in Kolbermoor erhitzt die Gemüter. Über Facebook riefen Anwohner zu einer Protestaktion auf. Auch ein anonymes Schreiben wurde bereits via Briefkästen und über die sozialen Medien verbreitet, in dem Argumente gegen das Krematorium aufgeführt wurden.

"Es wurden noch keine Verträge geschlossen"

Am Dienstagabend kamen schließlich rund 200 aufgebrachte Anwohner zusammen, um gegen das Vorhaben allgemein und gegen den geplanten Standort am neuen Friedhof zu protestieren. Auch Zweiter Bürgermeister Dieter Kannengießer (Freie Wähler) und Stadtrat Sebastian Daxeder (CSU) waren gekommen, um sich ein Bild zu machen und standen den Bürgern spontan Rede und Antwort. "Es existieren noch keine Verträge und es wurden in der nichtöffentlichen Sitzung des Stadtrates auch keine Vorverträge geschlossen sondern lediglich Vertragsentwürfe besprochen", entgegnete Kannengießer auf die Vorwürfe einiger Anwohner, dass die Sache schon längst unter Dach und Fach sei, ohne die Bürger einzubinden. "Es wurde abgefragt, wie man zu dem Vorhaben steht und der Stadtrat signalisierte die Tendenz, dass dort ein Krematorium denkbar wäre." Ihn störe, dass man einfach anonym Blätter einwerfe und nicht dazu stehe sagte er zu unserer Reporterin vor Ort. 

Auch Daxeder pflichtete bei, dass im Stadtrat eine Tendenz für die Feuerbestattungsanlage da sei. "Man muss jetzt aber erst einmal Eckpunkte sammeln und darstellen und schauen was die Leute wollen. Das Thema Geruch und Verkehr und weitere Dinge gehören nun geprüft." Am 25. Juni wird es um 18.30 Uhr im Sitzungssaal des Rathauses eine Informationsveranstaltung von Seiten der Stadt geben.

Das sagen die Bürger zu den Planungen

Bilder von der Protestaktion

"Ich will nicht tagtäglich mit Leichenwagen konfrontiert werden", sagt eine Anwohnerin gegenüber unserer Reporterin. "Warum plant man so etwas nicht im Industriegebiet oder außerhalb?" Eine andere will das Krematorium überhaupt nicht: "Wir brauchen das hier generell nicht in Kolbermoor." Ein weiterer wünscht sich mehr Aufklärung: "Wir alle wissen, was ein Krematorium ist, wir wissen aber nicht wie das mit der Verbrennung dort überhaupt abläuft. Was soll dann mit der Aussegnungshalle werden, die daneben steht?" "Wir werden demonstrieren und uns da hinsetzen, da wird nix gebaut", kündigt ein Anlieger an. Bezirksrat Christian Demmel (AfD), der ebenfalls gekommen war meint, dass es immer Pro und Contra gebe. "Es sollten die Bürger befragt werden." Außerdem müsse auch der Anlieferungsverkehr berücksichtigt werden.

"Wir sind nicht grundsätzlich gegen ein Krematorium, sondern nur nicht an dem Standort", sagt Klaus Zirngast aus Mitterhart. "Das passt dort einfach nicht, dort ist Wohnbebauung, der Sportplatz und der Skateplatz, bald soll eine BMX-Bahn kommen. Die Leute haben dort Spaß und werden 365 Tage mit dem Tod konfrontiert." In Traunstein - Zirngast hatte zwei Tage zuvor das dortige Krematorium besichtigt - habe er im Umkreis von 50 Metern um das Krematorium herum süßlichen Leichen- und Verwesungsgeruch wahrgenommen. "Es riecht so, als ob im Garten ein großes Tier verwest." Kannengießer hingegen berichtete, dass er bei seinem Besuch keinen Leichengeruch wahrgenommen hat. Laut Zirngast sei dort auch die Geräuschkulisse enorm gewesen. "Die Lüfter- und Kühlungsanlagen sind dort deutlich zu hören." Zudem habe er Angst, dass auf Grund von technischen Defekten Schadstoffe in die Luft gelangen könnten

In Raum bei dem Protest am Dienstag stand auch ein Bürgerbegehren gegen das Vorhaben zu initiieren. Rund 1.200 Unterschriften wären nötig, um das Begehren bei der Stadt einreichen zu können, die es dann weiter prüfen werde.

Quelle: mangfall24.de

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