Gut 40 Gekündigte am Standort Grabenstätt

Entlassungswelle bei Fossil: Was könnte ein Betriebsrat ausrichten?

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Gut 40 Mitarbeitern bei Fossil in Grabenstätt wurde gekündigt, einige wenige wechseln in die Zentrale nach Basel. Der Store im Erdgeschoß und das Vertriebslager der Fesco GmbH bei Eggstätt sind nicht betroffen. 
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Grabenstätt - Gut 40 Mitarbeiter bei Fossil müssen gehen, der Großteil wurde betriebsbedingt gekündigt - nun rächt es sich, dass es am Standort in Grabenstätt keinen Betriebsrat gibt.

Fossil will nach eigenen Angaben bei den "Abläufen innovativer werden" und Prozesse und Verantwortlichkeiten "neu strukturieren" - heißt für die Belegschaft: Abteilungen werden in Fossil Grabenstätt aufgelöst, über 40 Angestellte sind betroffen. Ein Mitarbeiter berichtet von der fehlenden Sozialverträglichkeit der Kündigungen: "Alleinstehende ohne Kinder können bleiben, einem jungen Familienvater mit der gleichen Qualifikation wird dagegen gekündigt."

Betroffener: Niemand "traute" sich Betriebsrat zu gründen

Einen Betriebsrat haben die rund 200 Mitarbeiter bei Fossil Grabenstätt nie gegründet: "Gedanken dazu gab es durchaus, vor allem als im Logistikzentrum von Fesco bei Eggstätt einer eingefordert wurde", berichtet uns einer der gekündigten Angestellten. Doch niemand habe sich "getraut" das Thema in Grabenstätt anzustoßen - der Mitarbeiter vermutet auch "unterschwelligen Druck" der Geschäftsleitung gegen eine Betriebsratsgründung. 

Katarina Koper rät den Betroffenen Kontakt zur Gewerkschaft ver.di herzustellen.

"Vor allem bei betriebsbedingten Kündigungen kann man ohne Betriebsrat kaum was tun. Mehr oder weniger alles kann schließlich 'betriebsbedingt' sein", so Katarina Koper vom Deutschen Gewerkschaftsbund im Gespräch mit chiemgau24.de. Unternehmen mit Betriebsrat müssen bei Kündigungen dagegen zumindest angehört werden - und wenn ganze Abteilungen geschlossen werden, wie jetzt bei Fossil in Grabenstätt, wäre das Unternehmen zumindest zu einem Sozialplan gezwungen.

Mit Betriebsrat wäre Sozialplan bei Fossil jetzt Pflicht

Versetzungen in andere Abteilungen, Fortbildungen, die Verlegung aufgelöster Abteilungen in die nächstmögliche Niederlassung - all dies seien laut Koper Möglichkeiten, die ein Betriebsrat im Fall einer Kündigungswelle ausverhandeln kann. "Es ist dann einfach eher ein Verhandeln auf Augenhöhe, als ohne Betriebsrat", so die Gewerkschafterin - nicht nur in Krisenzeiten: Auch bei Versetzungen, Urlaub oder Einstellungen haben Betriebsräte ein Wort mitzureden.

Doch die Initiative dafür muss von der Belegschaft ausgehen, eine Pflicht zur Einsetzung eines Betriebsrates ab einer bestimmten Mitarbeiterzahl gibt es nicht. "Es gibt immer wieder Beispiele, wo Unternehmen versuchen, die Gründung eines Betriebsrates zu verhindern. Dabei zeigen Studien, dass das Betriebsklima in Firmen mit Betriebsrat besser ist", so Katarina Koper. Wer die Initiative zur Gründung eines Betriebsrat ergreifen will, solle sich in jedem Fall an die Gewerkschaft wenden ("Damit hat man Profis an seiner Seite") - ob man selbst Mitglied ist, spielt keine Rolle.

xe

Quelle: chiemgau24.de

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