Ein Jahr Pandemie in Deutschland

Webasto-Chef zu erstem Corona-Ausbruch: Es ging um schnelles Handeln

Holger Engelmann, Vorstandsvorsitzender der Webasto SE., gibt im Foyer des Standorts ein Pressestatement.
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Holger Engelmann, Vorstandsvorsitzender der Webasto SE., gibt im Foyer des Standorts ein Pressestatement.

Homeoffice, engmaschige Tests und Quarantäne für Kontaktpersonen Infizierter - das sind zentrale Mittel im Kampf gegen die Pandemie. Senkt das heute nur noch die Zahlen, so brachte das Vorgehen bei den bundesweit ersten Corona-Fällen noch vollen Erfolg.

Vor einem Jahr machte der Autozulieferer Webasto in branchenferner Sache Schlagzeilen: Mitarbeiter der Zentrale in Stockdorf bei München hatten sich mit dem Coronavirus infiziert - am Abend des 27. Januar kam die Nachricht über die bundesweit ersten nachgewiesenen Fälle.


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Das Unternehmen reagierte radikal: Es schloss den Standort für zwei Wochen, schickte Mitarbeiter ins Homeoffice und testete Kategorie-1-Kontakte konsequent durch. Damals hielten manche das strikte Vorgehen für überzogen. Doch es hatte Erfolg: Das Virus verbreitete sich nicht weiter. Vor allem sei es um schnelle Kommunikation, schnelle Entscheidungen und schnelle Umsetzung gegangen, sagt Unternehmenschef Holger Engelmann.


Frage: Wie hat Webasto das Infektionsgeschehen Anfang 2020 in den Griff bekommen?

Antwort: Von zentraler Bedeutung waren die Priorisierung - Gesundheit vor anderen Unternehmensinteressen - und das Tempo. Wir haben sofort, als wir von dem ersten positiven Testergebnis erfuhren, eine globale Task Force gegründet und alle wichtigen Funktionen zusammengeschaltet. Diese Runde hat Informationen über die Sachlage zusammengetragen, auf deren Grundlage wir viele Aktivitäten parallel angestoßen haben: Es wurden Kontaktlisten erstellt, systematische Tests organisiert, Reiseregelungen weltweit angepasst, Hygienestandards an mehr als 50 Standorten verschärft und dann auch die vorsorgliche Standortschließung der Zentrale in Stockdorf beschlossen.

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Frage: Wie kam es zu dieser Standortschließung? Erinnern Sie sich an den Moment der Entscheidung?

Antwort: Noch am Abend des 27. Januar haben wir den Mitarbeitern der Zentrale freigestellt, am nächsten Tag von zu Hause zu arbeiten. An diesem Tag bekamen wir drei neue Infektionsmeldungen. Da war klar, dass wir sehr rigoros vorgehen müssen. Zum damaligen Zeitpunkt gab es noch keine Empfehlungen von Behörden oder Wissenschaftlern. Wir haben die Lage in der Task Force diskutiert. Die Schließung schien uns die beste und verantwortungsvollste Lösung. Ich war auch etwas ungeduldig, weil die Testergebnisse weiterer Mitarbeiter so lange auf sich warten ließen und uns die Zeit davon lief. Wir benötigten schnell eine effektive Maßnahme, und da habe ich gesagt: „Das machen wir jetzt einfach, wir schließen ab.“

Frage: Können sich Unternehmen auch heute noch etwas von Ihrem Vorgehen damals abschauen?

Antwort: Testen, Kontakte von Infizierten nachverfolgen, Kontakte vermeiden - das alles bestimmt heute unseren Pandemie-Alltag. Wir haben damals sicher vieles richtig gemacht, aber wir hatten auch Glück im Unglück: Das Virus wurde in unserer Firmenzentrale entdeckt. Hier gibt es viele Arbeiten, die die Kollegen vorübergehend auch von zu Hause aus erledigen können - anders als in unseren Werken. Außerdem ist Webasto in Familienbesitz, hat eine starke Wertekultur und die Abstimmung mit den Eigentümern geht in dringenden Fällen sozusagen „auf dem kleinen Dienstweg“.

dpa

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