Helfer berichten von den Erfahrungen mit den Flüchtlingen

Flüchtlinge: Belastungsprobe für das Ehrenamt?

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Raubling - Nach den Tumulten in der Notunterkunft vom Dienstagnachmittag, melden sich nun die ehrenamtlichen Helfer zu Wort. Warum weiterer Unmut in der Halle verhindert werden muss: 

Brigitte Hackenbroich und Angela Anagnostopoulos widmen ihre Freizeit dem Ehrenamt. Beide Frauen kümmern sich nun schon seit geraumer Zeit darum, Flüchtlingen den Einstieg in ihre neue, deutsche Gesellschaft zu erleichtern. Doch auch den freiwilligen Helfern wird langsam klar, dass die aktuellen und auch künftigen Asylbewerberzahlen weiter für Probleme sorgen werden; außer es finden einige Veränderungen statt:

Warum helfen? Weil ich es kann!

Einen Moment muss Brigitte Hackenbroich überlegen, warum sie sich täglich für die Asylbewerber engagiert. Bereits seitdem die ersten Flüchtlinge der aktuellen Welle im vergangenen Jahr in der Luitpold-Halle in Rosenheim untergebracht wurden, kümmert sich die Raublingerin um ganz unterschiedliche Aufgaben. "Angefangen hat alles, als mich eine Freundin gefragt hat, ob sie mich und mein Auto leihen kann, für die Kleiderkammer", erinnert sich die Helferin. "Es ist ein Problem, dass uns alle angeht. Wir müssen einfach anpacken", erklärt Brigitte Hackenbroich.

Zwischen 20 und 30 Jahre sind die Flüchtlinge alt, die die Ehrenamtlichen am Donnerstag zum Tennisspielen begleiten. Während die Afrikaner die ersten Bälle ihres Lebens über das Netz am Sportplatz schlagen, berichtet Angela Anagnostopoulos über ihre Motivation: "Man bekommt soviel zurück. Dankbarkeit, Freundschaft und einen Einblick in fremde Kulturen", strahlt die Helferin, runzelt dabei jedoch gleichzeitig die Stirn. Wie sich die Situation in Zukunft weiterentwickeln soll, bereitet ihr Kopfzerbrechen. "Wir wollen ja wirklich helfen. Aber es dürfen uns da keine Steine in den Weg gelegt werden", ergänzt Brigitte Hackenbroich. Steine, die im Endeffekt zu weiterem Unmut, nicht nur bei den Flüchtlingen führen könnten, da sind sich beide Helferinnen einig.

Wo drückt der Schuh bei den Helfern?

Am vergangenen Dienstag kochte die Stimmung in der Raublinger Gemeinschaftsunterkunft dann schließlich über. Ein Zustand, der in Zukunft öfter eintreten könnte, so die beiden Helferinnen. "Wenn wir nicht was unternehmen, dann wird es schwierig", grübelt Brigitte Hackenbroich. "Vielen ist glaube ich gar nicht bewusst, was wir alles machen", fügt ihre Kollegin hinzu. Angefangen vom Erdbeerpflücken, über Bergwandern und Unterricht, bis hin zur Tennisstunde am Sportplatz, "jeder Helfer entscheidet dabei immer noch selbst, wie viel er machen will", so Angela Anagnostopoulos weiter.  

Daher verwundert es die beiden Ehrenamtlichen umso mehr, dass der Kontakt zu ihnen von Seiten der Behörden wenn überhaupt nur ganz spärlich gesucht wird: "Wir wissen doch, wo den Jungs der Schuh drückt. Die sind jung. Die wollen sich bewegen. Bloß wenn man den ganzen Tag nur rumsitzen darf, ja dann ist selbst das Mittagessen ein Highlight. Und wenn dann da auch was nicht passt, können sie sich vorstellen was passiert", so die Helferinnen.

So haben sich die Raublinger Ehrenamtlichen mittlerweile eigene Notfallpläne selbst erarbeitet. Nach dem ersten Schwung im Februar habe man schließlich gemerkt, was wichtig ist und welche Ausstattung dringend benötigt wird. Die Zusammenarbeit mit den kirchlichen Einrichtungen und der sozialen Stadt läuft mittlerweile gut. "Es wird aber immer schwerer, mehr Leute zu aktivieren", stellen die beiden Frauen zusätzlich und abschließend fest. Ein Umstand, der die Misere der Raublinger Helfer weiter verstärkt.

Was die Freiwilligen brauchen:

"Wir können nicht die ganze Welt aufnehmen", darüber sind sich die Helfer in Raubling durchaus bewusst. "Wir hier haben es aber in der Hand, die Sache angenehmer zu machen", fordern die zwei Damen die Skeptiker auf, sich dem Neuen zu öffnen, Scheu und Berührungsängste fallen zu lassen. "Wir haben immer das Privileg zu gehen, und das bewahren wir auch", ergänzen die Freiwilligen. 

Von den Behörden wünschen sich die Helfer rund um Brigitte Hackenbroich und Angela Anagnostopoulos im Grunde nur eins: Ein offenes Ohr. "Einfach ein Erfahrungsaustausch, eine Nachbesprechung. Wie kann ich was beim nächsten Mal besser machen? Oder einfach einen Ansprechpartner, der bei der Bürokratie helfen kann. Einfach klare Zuständigkeiten", erklären die beiden Ehrenamtlichen. "Es geht nicht anders als gemeinsam!"

Quelle: rosenheim24.de

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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