Albaching: "Dann drückte ich ihr den Hals zu…“

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Traunstein - Weil seine Frau sich scheiden lassen wollte, soll der 69-jährige Ehemann sie umgebracht haben. Dieser Fall wird derzeit vor dem Traunsteiner Schwurgericht verhandelt.

Das Misstrauen, die Eifersucht – sie fraßen Ludwig B. (69) fast auf.

Als er merkte, dass ihn seine dritte Frau Razel verlassen wollte, kam es am 10. Dezember 2010 zur Katastrophe: „Eine dritte Scheidung gibt es nicht mehr“, schrie der Bauer seine philippinische Ehefrau auf seinem Bauernhof in Albaching an. Kurz darauf war Razel (36) tot. Seit gestern muss sich Ludwig B. wegen Mordes vor dem Schwurgericht Traunstein verantworten. Er räumte die Tat ein, Heimtücke bestreitet er aber. Der 69-Jährige hatte seiner Frau mit einem etwa 35 Zentimeter langen Holzscheit auf den Hinterkopf geschlagen. Dann würgte er sie, bis sie nicht mehr atmete.

Die Geschichte von Ludwig B. – es geht dabei immer wieder um unerfülltes Liebesglück: Der Bayer wuchs in Albaching mit drei Geschwistern auf, lernte den Beruf eines Landwirts. Aus seiner ersten Ehe hat er zwei Kinder, jeweils zwei weitere mit den zwei folgenden philippinischen Ehefrauen, die er 1986 beziehungsweise 2000 heiratete. Mit Razel glaubte er, die wahre Liebe gefunden zu haben.

Der 69-Jährige war nach seinen Worten vor Gericht mit der 36-Jährigen „glücklich bis zur letzten Zeit“ – bis er erfuhr, „was sie mit ihrem Laptop macht“. Irgendwann fiel ihm auf, dass die 36-Jährige das Gerät ganz schnell zuklappte, wenn er sich näherte. Der Grund nach Worten des Angeklagten: Seine Frau hatte über das Internet einen Ägypter kennen gelernt und sich verliebt. Im Herbst 2010 zeigte Razel erstmals ihrem Mann ein Foto des 25-Jährigen, zu dem sie an Ostern 2011 reisen wollte. „Alles ist zwecks dem Laptop entstanden“, schimpfte Ludwig B. gestern.

Nach der Rückkehr aus dem letzten Urlaub in Ägypten eröffnete ihm die 36-Jährige, sie sei von ihrem Liebhaber schwanger. „Ich sagte, das ist egal. Wir ziehen das Kind auf – als wenn es unser Kind wäre“, so Ludwig B. gestern. Das habe seine Frau nicht gewollt.

Am Morgen des Todestags bekam der 69-Jährige ein Telefongespräch seiner Frau wegen einer neuen Wohnung mit. Zwei der Kinder waren schon in der Schule. Der Vierjährige wartete im Erdgeschoss auf die Abfahrt mit dem Auto, während seine Mutter auf die Toilette im ersten Stock ging. Der 69-Jährige folgte seiner Frau mit dem Holzscheit in der Hand und forderte: „Bleib bei mir.“ Sie antwortete nicht. Da schlug er zu. Die Frau fiel zu Boden, flehte: „Ich bleibe bei dir. Ich rufe die Polizei nicht an.“ Der Angeklagte weiter: „Das habe ich ihr nicht mehr geglaubt.“ Dann drückte er ihr „mit beiden Händen“ den Hals zu – „ein paar Minuten lang“, bis sich Razel nicht mehr rührte.

B. versperrte die Toi­lette, schickte seinen wartenden Sohn zum Fernsehen ins Wohnzimmer. Dann zog er die blutbefleckte Kleidung aus, legte sie ins Auto, verheizte den Holzprügel und fuhr mit einigen Flaschen Bier Richtung München, um angeblich Selbstmord zu begehen. Er hatte einen Schlauch dabei, um damit Abgase in den Wagen zu leiten. Es kam nicht so weit. Die Polizei griff Ludwig B. in München auf, im Schnee liegend neben seinem Auto. Der alkoholisierte Mann offenbarte den Beamten seine Tat. In einem Jutesack steckte die Tat-Kleidung.

Immer wieder betonte der Angeklagte gestern, er habe Razel nicht töten wollen: Es sei alles „so schnell gegangen“, sie sei seine „liebste Frau“ gewesen. Der Prozess dauert an.

KD

Rubriklistenbild: © dpa

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